Spielbesprechung von Györög Kurt
Metropolys
13.10.2008

von Sébastien Pauchon
Ystari
für 2 - 4 Spieler
ab 8 Jahren

„Es war einmal …
Im Ehrfurcht einflößenden Metropolys herrscht geschäftiges Treiben. Talentierte Städteplaner und Architekten konkurrieren miteinander und errichten prächtige Gebäude aus Glas und Stahl, die alle Gesetze der Schwerkraft und Balance zu umgehen scheinen. Welcher Stil wird sich schließlich durchsetzen und seine Spuren in der Geschichte der Stadt hinterlassen? Die Antwort liegt in Ihren Händen!“


Lasst und Metropolys aufbauen und sehen, wer der bessere Architekt ist …

Spielmaterial:
1 Spielplan, je 13 Gebäude (in blau, rot, weiß und grau, nummeriert von 1 bis 13, in verschiedenen Größen), 1 Übersichtsblatt „Willkommen/Geheime Ziele“, 9 Plättchen „Schickes Stadtviertel“, 9 Plättchen „U-Bahn“, 9 Plättchen „Archäologische Stätte“, 1 Karte „U-Bahn“, 1 Karte „Archäologische Stätte“ und für das Familien-Spiel: 4 Umgebungszielkarten und 1 Übersicht und für das Expertenspiel: 5 Plättchen „Höchstes Gebäude“, 5 Stadtviertelzielkarten, 5 Umgebungszielkarten, 1 Übersicht und 1 Spielanleitung.

Spielziel:
Am Ende des Spieles – durch geschicktes Positionieren der Gebäude – die meisten Punkte erzielt zu haben.

Spielablauf:
Metropolys kann auf zwei unterschiedliche Arten gespielt werden: als Familien-Spiel (das dann auch für jüngere Spieler geeignet ist) oder als Experten-Spiel (für erfahrene Spieler).

Das Familien-Spiel:
Der Spielplan wird in die Tischmitte gelegt. Er zeigt Metropolys, das aus 5 Stadtteilen besteht: der Stadtmitte und einem nördlichen, südlichen, westlichen und östlichen Stadtteil. Diese Stadtteile sind durch den Fluss voneinander getrennt. Jeder Stadtteil ist außerdem in Gewerbegebiete, Parks, Wohnhäuser, Einkaufszentren und Verwaltungsgebäude unterteilt, die noch durch Statuen verschönert werden. Außerdem gibt es Seen und Brücken, die die Stadtteile miteinander verbinden.

Die Plättchen werden gemäß dem Übersichtsblatt „Willkommen“ am Spielplan verteilt und aufgelegt. Ein variabler Aufbau ist auch möglich, indem 7 beliebige Plättchen in der Stadtmitte und jeweils 5 Plättchen in jeden Stadtteil der Peripherie gelegt werden. In Sackgassen (umgeben von Wasser und mit nur einem Ausgang) dürfen keine Plättchen abgelegt werden.
Die Karten „U-Bahn“ und „Archäologische Stätte“ kommen neben den Spielplan.

Die 4 Umgebungszielkarten (der Familien-Version) werden gemischt und jedem Spieler 1 Karte zugeteilt. Diese sieht sich diese Karte gut an und legt diese verdeckt vor sich ab. Durch die Karte wir dem Spieler vorgegeben, welche Felder am Spielplan von ihm besetzt werden sollten und ihm am meisten Punkte einbringen.

Jeder Spieler erhält nun noch die 13 Gebäude einer Farbe, die er so vor sich abstellt, dass die Zahlen auf den Gebäuden gut sichtbar sind.

Wer nun an der Reihe ist, führt seinen Zug wie folgt aus:
Der Startspieler wählt eines seiner Gebäude und stellt es mit der Zahl nach oben auf ein beliebiges freies Feld am Spielplan – und startet damit eine Ausschreibung. Dann müssen die Spieler reihum den Startspieler überbieten oder passen.
Überbieten:
Wer überbieten möchte, muss ein Gebäude auf ein direkt benachbartes freies Feld stellen, dessen Wert jedoch höher sein muss, als der des soeben errichteten Gebäudes. Dabei dürfen Brücken überquerst werden – Seen und Flüsse stellen jedoch unüberwindbare Hindernisse dar.
Passen:
Wer passt scheidet für die weitere Runde aus, bereits positionierte Gebäude bleiben stehen. Wer keine Gebäude – oder nur mehr Gebäude mit niedrigerem Wert – hat, muss passen.

Die Ausschreibung kann auf 3 Arten enden:
1. Alle Spieler bis auf einen haben gepasst.
2. Kein Spieler kann mehr ein Gebäude platzieren, da es keinen direkt benachbarten freien Platz mehr gibt.
3. Niemand kann das letzte Gebot überbieten, da ein Spieler ein Gebäude mit dem höchsten Wert gelegt hat.
Der Spieler, der zuletzt ein Gebäude platziert hat, hat die Ausschreibung gewonnen. Er dreht sein Gebäude um (sodass die Zahl nicht mehr sichtbar ist) und muss bzw. darf sich ein eventuell am Feld liegendes Plättchen nehmen und offen vor sich ablegen. Die Plättchen bringen am Ende des Spieles entweder Punkte ein, oder führen zum Verlust von Punkten.

Sobald ein Spieler ein Plättchen „U-Bahn“ bzw. „Archäologische Stätte“ erhält, erhält er auch die Sonderkarte „U-Bahn“ bzw. „Archäologische Stätte“. Diese Sonderkarten bleiben solange vor einem Spieler liegen, solange er die Mehrheit an den entsprechenden Plättchen hat. Ist dies nicht mehr der Fall, wechseln auch die Sonderkarten ihre Besitzer.
Die Sonderkarten bringen am Ende des Spieles entweder Punkte ein, oder führen zum Verlust von Punkten.

Alle anderen Spieler gehen in dieser Runde leer aus und müssen ihre Gebäude wieder vom Spielplan – zurück in den eigenen Vorrat – nehmen.
Der Spieler, der die Ausschreibung gewonnen hat, wird zum neuen Startspieler und beginnt eine neue Runde bzw. Ausschreibung.

Spielende:
Das Spiel endet, sobald ein Spieler sein letztes Gebäude gebaut hat. Dann decken alle ihre Zielkarten auf und zählen ihre Punkte:
  • jedes Plättchen „Schickes Stadtviertel“ bringt 3 Punkte ein.
  • jedes Plättchen „U-Bahn“ bringt 1 Punkt ein.
  • die Sonderkarte „U-Bahn“ bringt 3 Punkte ein.
  • für jedes Plättchen „Archäologische Stätte“ wird 1 Punkt abgezogen.
  • für die Sonderkarte „Archäologische Stätte“ werden 2 Punkte abgezogen.
  • jedes Gebäude, das dem Ziel der Umgebungszielkarte entspricht, bringt die auf der Karte angegebene Anzahl Punkte ein.

    Der Spieler mit den meisten Punkten hat das Spiel gewonnen. Bei einem Gleichstand gewinnt der Spieler, der mehr Gebäude errichten konnte. Gibt es auch noch einen Gleichstand, so gibt es mehrere Sieger.

    Das Experten-Spiel:
    Das Experten-Spiel verläuft grundsätzlich wie das Familien-Spiel, jedoch sind weitere Ziele zu beachten, die am Ende des Spieles Punkte einbringen.

    Folgende Änderungen sind zu beachten:
  • Bei der Vorbereitung:
    jeder Spieler bekommt je eine der 5 Umgebungs- und Stadtviertelzielkarten (der Experten-Version) zugeteilt.
  • Beim Ende des Spieles:
    in jedem der 5 Stadtviertel erhält der Spieler mit dem höchsten Gebäude ein Plättchen „Höchstes Gebäude“, welches 5 Punkte wert ist. Dabei ist die Höhe des Gebäudes entscheidend, nicht der aufgedruckte Wert. Bei einem Gleichstand werden die beteiligten Gebäude nicht berücksichtigt, sondern einfach die nächsthöheren Gebäude herangezogen. Sollte in einem Viertel ein Gleichstand übrig bleiben, bekommen alle beteiligten Spieler 5 Punkte.

    Partie zu zweit oder zu dritt:
    Beim Spiel zu dritt wird ein Stadtviertel nicht genutzt. Außerdem werden 2 Plättchen „U-Bahn“ und 2 Plättchen „Archäologische Stätte“ und 1 Plättchen „Schickes Stadtviertel“ aus dem Spiel genommen.
    Beim Spiel zu zweit werden zwei benachbarte Stadtviertel nicht genutzt. Außerdem werden 3 Plättchen „U-Bahn“ und 3 Plättchen „Archäologische Stätte“ und 4 Plättchen „Schickes Stadtviertel“ aus dem Spiel genommen. Darüber hinaus kommt bei der Familien-Version die Umgebungszielkarte „Stadtrand“ aus dem Spiel.

    Fazit:
    Metropolys ein durchaus nettes, aber mehr oder weniger unspektakuläres Positions- bzw. Versteigerungsspiel, an dem aber die ganze Familie ihren Spaß haben kann. Es ist aber auch ein – wenn auch mit Thema versehenes – abstraktes Spiel, das auch ohne „Geschichte“ auskommen könnte.

    Für mich neu – und durchaus sehr interessant – ist die Art der Versteigerung, die direkt am Spielplan mit den Gebäuden durchgeführt wird. Hier kommt es vor allem auf das taktische und geschickte Vorgehen des Spielers an. So muss man immer im Auge und Kopf haben, wer noch welche Gebäude mit welchem Wert besitzt, um so taktisch seine Gebäude einzusetzen. So kann man dann auch zu fixen Feldern kommen, die keiner mehr über bieten kann – weil keine höherwertigen Häuser mehr im Spiel sind. Aber auch das geschickte Lenken der Gebäude in eine Sackgasse kann hier zum Ziel – und somit zum gewünschten Feld – führen.

    Nicht ganz außer Acht lassen sollte man dann aber auch die Plättchen nicht. Dort und da ein paar zusätzliche Punkte einkassieren, und den Mitspielern die Plättchen übrig lassen, die zu Punkteabzug führen, kann durchaus ausschlaggebend sein.

    Ein weiterer wichtiger Punkt ist dann noch, dass man auch immer im Auge behalten muss, dass das Spiel sofort endet, wenn ein Spieler alle Gebäude verbaut hat. Auch dies kann durchaus taktisch mit ins Spiel genommen – und zum eigenen Vorteil – eingesetzt werden.

    Das Spiel besteht hauptsächlich aus den hölzernen Gebäudetürmen und kompakten handlichen Chips. Die Karten, sowie das gesamte Material sind durchaus passend und funktionell, grafisch aber doch etwas gewöhnungsbedürftig. Untergebracht ist alles in der für Ystari üblichen Schachtel.

    Das Spiel ist sehr einfach und schnell zu erlernen. Auf den 4 Anleitungsseiten werden bereits beide – das Familien- und das Experten-Spiel – erklärt. Das Übersichtblatt hilft beim Aufbau und bei den Beschreibungen zu den Zielkarten.
    2 bis 4 Spieler können an diesem Spiel teilnehmen und über eine Dauer von ca. 30 bis 60 Minuten Spaß haben. Für Familien wird das Familien-Spiel empfohlen, alle versierteren Spieler können gleich mit dem Experten-Spiel beginnen, welches dann auch etwas spannender und vor allem interessanter ist. Allzu gravierende Änderungen gibt es jedoch nicht.

    Uns hat Metropolys recht gut gefallen – vor allem in der Experten-Variante wird es sicherlich noch öfters auf den Tisch kommen. Diese neue Art der Versteigerung ist einfach interessant und bietet doch einige taktische Möglichkeiten, die es auszuprobieren gilt …

    Vielen Dank an HUCH&FRIENDS/YSTARI für die Bereitstellung eines Rezensionsexemplars