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AktuellesAlle Artikel in der Übersicht:» Viele Latinas in Texas nehmen die Pille als medizinisch bedenklich wahr » Das unsichtbare Kondom - eine Studie aus Kamerun » » Nachlassende Verhütungswirkung hormonhaltiger Spiralen nach empfohlener Tragedauer » Östrogen wirkt hemmend auf die Immunabwehr gegen Krebszellen » Hormonelle Verhütung könnte das Risiko auf bakterielle Vaginose senken » Entwicklungsansätze für mikrobiellen Gleitgele » Europazulassung für die Sterilisierungsmethode »Adiana« » Ein Verhütungsmittel für Männer aus der Kurkuma-Wurzel » Verhütungsverhalten europäischer Frauen Viele Latinas in Texas nehmen die Pille als medizinisch bedenklich wahr01.03.2010In einer repräsentativen Studie zum Verhütungsverhalten lateinamerikanischer Frauen in Texas kam heraus, daß nur 56% von 1271 Teilnehmerinnen* orale Kontrazeptiva ("die Pille") als medizinisch sicher ansahen, da sie Angst vor Nebenwirkungen hatten oder bereits schlechte Erfahrungen gemacht hatten. Die Altersspanne der Studienteilnehmerinnen lag zwischen 18 und 49 Jahren. Ältere Frauen gaben häufiger als jüngere an, daß sie orale Kontrazeptiva für bedenklich hielten. Dabei waren die Teilnehmerinnen, die orale Kontrazeptive für medizinisch unsicher hielten, nicht häufiger für den Gebrauch kontraindiziert als die übrigen Teilnehmerinnen. 60,2% der Teilnehmerinnen sagten von sich, daß sie wahrscheinlicher ein orales Kontrazeptivum verwenden würden, wenn es frei erhältlich wäre. In Texas ist die Pille, wie in Deutschland, verschreibungspflichtig. * ab 1000 Teilnehmern gilt eine Studie als repräsentativ Quelle: Daniel Grossman et al.: Perceptions of the safety of oral contraceptives among a predominantly Latina population in Texas, Contraception 81 (März 2010) Das unsichtbare Kondom - eine Studie aus Kamerun27.01.2010Als "unsichtbares Kondom" bezeichnet man mikrobizide Gele, die in der Scheide aufgetragen werden und die Übertragung von HIV verhindern sollen. In Kamerun wurde die Sicherheit und Akzeptanz dieser Methode nach 8 Wochen getestet. Die Studie lief für 2 Gelrezepte: ein Gel aus einem bestimmten Polymer* und das Polymer zusammen mit SLS (Natriumlaurylsulfat, wird z.B. in Shampoos und Duschgelen verwendet). Beide Gele wurden dabei mit einem Placebogel verglichen. Das Gel wurde von den Probandinnen innerhalb der 8 Wochen zweimal täglich aufgetragen. Das Gel wurde gut vertragen, ohne daß starke Nebenwirkungen auftraten. Die meisten Nebenwirkungen traten sowohl bei den Gelen, als auch beim Placebo auf. Ausgenommen davon waren Unterleibsschmerzen, die in den beiden Gelgruppen ca. 10% häufiger auftraten. Leider kamen in dieser Studie noch keine Ergebnisse zur Effektivität der Gele zustande. Von SLS wird vermutet, daß es tödlich für HI-Viren ist, da die Substanz selber begrenzt viruzid wirkt. Es gibt auch Forschungsansätze, in denen SLS-Gele gegen Papillomviren eingesetzt werden sollen. Dabei soll SLS die viruzide Wirkung der Gelgrundbestandteile verstärken. * Ein Polymer ist eine Molekülkette, die immer aus den gleichen Molekülen oder Molekülfolgen besteht. Seide, Nylon oder unsere DNS sind Beispiele für bekannte Polymere. Quelle: Francois-Xavier Mbopi-Keoua et al.: A randomized, double-blind, placebo-controlled Phase II extended safety study of two Invisible Condom® formulations in Cameroonian women, Contraception 81 (Januar 2010) Nachlassende Verhütungswirkung hormonhaltiger Spiralen nach empfohlener Tragedauer05.01.2010Die Hormonspirale und ähnlich funktionierende Verhütungsmethoden werden statt Intrauterinpessar (IUP, Kupferspiralen, Gold-Kupfer-Spiralen, GyneFix) Intrauterinsystem oder IUS genannt. Das Levonorgestrel (ein Gestagen) abgebende IUS ist für einen Verhütungszeitraum von 5 Jahren zugelassen. Es gibt sogar einige Hinweise darauf, daß die verhütende Wirkung länger anhält. In dieser Studie, die über 7 bis 8½ Jahre lief, wurden ab dem Einsetzen eines IUS alle 6 Monate Levonorgestrel- und Estradiolwerte im Blut gemessen, sowie mit einem Ultraschallgerät die Dicke der Gebärmutterschleimhaut bestimmt. Am Ende der 5 Jahre wurde kein Ersatz-IUS gegeben, sondern die Studienteilnehmerinnen benutzten die gleiche Hormonspirale für weitere 2 bzw. 3½ Jahre. In den ersten 2 Monaten nach dem Einsetzen des IUS betrug der durchschnittliche Levonorgestrelgehalt im Blut 253 pg/ml bei einer Spanne von 86-760 pg/ml. Die Einheit pg bedeutet Pikogramm und entspricht einem billionstel Gramm. Der Levonorgestrelgehalt sank nach dem Einsetzen langsam ab und betrug nach den 7 Jahren nur noch durchschnittliche 137 pg/ml, wobei die Meßwerte von 23-393 pg/ml reichten. Nach den 8½ Jahren betrug wurden durchschnittlich 119 pg/ml Levonorgestrel gemessen, mit Werten von 110-129 pg/ml. Die Dicke der Gebärmutterschleimhaut nahm zwischen dem 7. Jahr und dem Ende der Studie von 2,8 mm auf 3,8 mm zu. Die Monatsblutung setzte in dieser Zeit bei ca. 10% der Teilnehmerinnen wieder ein, nachdem sie durch Einsetzen der Hormonspirale ausgeblieben war. Zwischen den Blutungen und den gemessenen Levonorgestrelwerten konnte keine Verbindung entdeckt werden, es jedoch einen schwachen Hinweise darauf, daß der BMI und ein hohes Körpergewicht die Blutung beeinflussen. Die Estradiolwerte bewegten sich in einem ähnlichen Bereich wie die normal menstruierender Frauen in der ersten Zyklushälfte vor dem Eisprung (niedrige Werte). Da die Levonorgestrelwerte am Ende des Versuchszeitraums recht stark abfielen, die Gebärmutterschleimhaut wieder dicker wurde und auch bei einigen Teilnehmerinnen die Blutung wieder einsetzte, ist von einer nachlassenden Verhütungswirkung auszugehen. Eine Verlängerung der Tragedauer für die Hormonspirale sollte daher nur für einen kurzen Zeitraum erfolgen. Quelle: Maria M. Hidalgo et al.: Serum levonorgestrel levels and endometrial thickness during extended use of the levonorgestrel-releasing intrauterine system, Contraception 80 (Juli 2009) Östrogen wirkt hemmend auf die Immunabwehr gegen Krebszellen10.08.2009Östrogen scheint besonders solche Immunzellen zu hemmen, die gegen Krebszellen und virenbefallene Zellen kämpfen sollen, wie Wissenschaftler des Max-Delbrück-Centrums für Molekulare Medizin (MDC) und des Charités in Berlin herausfanden. Durch Östrogen wird im Körper der Anteil des Moleküls EBAG9 erhöht, das diese Immunzellen blockiert. Durch Blockade von EBAG9 wird die Abwehr von Krebszellen und virenbefallenen Zellen entsprechend verstärkt. Östrogen ist Teil eines empfindlichen hormonellen Regulationssystems im Körper. Störungen dieses Systems können zu Brust- oder Eierstockkrebs führen. Diese Krebsarten werden seit einigen Jahren mit östrogenhemmenden Substanzen wie z.B. Tamoxifen behandelt. Seine Wirksamkeit wird auf die Blockade der Östrogenrezeptoren der Krebszellen zurückgeführt, wodurch ihr Wachstum gehemmt wird. Östrogenabhängigen Tumore produzieren besonders große Mengen des Moleküls EBAG9, dessen Produktion von Östrogen gefördert wird. Die Wissenschaftler aus Berlin schalteten die Produktion von EBAG9 in Mäusen aus und beobachteten, daß durch das Fehlen von EBAG9 von den Immunzellen mehr Enzyme ausgeschüttet wurden, die die Tumorzellen zerstören. Die hohen Konzentrationen an Östrogen, die sich durch die Anwendung hormoneller Verhütung im Körper befinden, könnten daher für die Bekämpfung von Krebs- und Virenerkrankungen geschwächt sein. Die Empfehlung, ab einem Alter von 30 Jahren nicht mehr hormonell zu verhüten, wird durch diese Erkenntnisse nun noch einmal gestützt. Quellen: Informationsdienst Wissenschaft, Pressemitteilung: Von Östrogen abhängiger molekularer Schalter zügelt Immunabwehr (07. August 2009) Constantin Rüder et al.: The tumor-associated antigen EBAG9 negatively regulates the cytolytic capacity of mouse CD8+ T cells, Journal of Clinical Investigation 119 (03. August 2009) Gaël Ménasché und Geneviève de Saint Basile: EBAG9 tempers lymphocyte killing activity, Journal of Clinical Investigation 119 (03. August 2009) Hormonelle Verhütung könnte das Risiko auf bakterielle Vaginose senken 19.07.2009 In einem 1½jährigen Programm untersuchten Wissenschaftler der Johns Hopkins Universität in Baltimore (USA) 330 fortpflanzungsfähige Frauen* auf das Auftreten bakterieller Vaginose. Als bakterielle Vaginose bezeichnet man eine Entzündung im Scheidenbereich, wenn die Scheide von üblicherweise dort nicht vorhandenden Bakterien besiedelt wird. Die Erkrankung kann sexuell übertragen werden. Die teilnehmenden Frauen wurden mit dem hormonellen Verhütungsmittel ihrer Wahl ausgestattet und 1½ Jahre lang beobachtet. Die bakterielle Vaginose wurde anhand der Amsel-Kriterien diagnostiziert. Bei 189 (13%) der Untersuchungstermine wurde bei 133 teilnehmenden Frauen (40,3%) eine bakterielle Vaginose festgestellt. Nach der Analyse der Daten zeigte sich, daß die Anwendung von Gestagen-Verhütung und kombinierter hormoneller Verhütung offenbar einen schützenden Effekt vor der Entstehung einer bakteriellen Vaginose hat. *ab 1000 Teilnehmern gilt eine Studie als repräsentativ Quellen: Samara B. Rifkina: Hormonal contraception and risk of bacterial vaginosis diagnosis in an observational study of women attending STD clinics in Baltimore, MD, Contraception 80 (Juli 2009) Informationsseite des biopharmazeutischen Unternehmens UCB zur bakteriellen Vaginose Entwicklungsansätze für mikrobiellen Gleitgele 18.07.2009 An verschiedenen Fronten wird an der Entwicklung mikrobieller Substanzen gearbeitet, die als Schutz gegen sexuell übertragbare Krankheiten wirken. Eine Studie der Universität von Pennsylvania (USA) untersuchte 4 verschieden zusammengesetze Gele auf ihre Tauglichkeit als Trägersubstanz für Mikrobiozide (= Mikrobenvernichtungsmittel). Eine andere von verschiedenen Forschungsinstituten in Mumbai (Indien) testete das Antibiotikum Nisin auf seine Wirksamkeit als Mikrobiozid zur Verwendung in der Scheide und dafür seine Interaktion mit verschiedenen Zellmembranen. Nisin wirkt, indem es die Zellmembranen von Bakterien und Spermien porös macht. Im Zellkulturtest wirkte es erheblich stärker auf die Zusammensetzung von Bakterienmembranen und Spermatozoenmembranen als auf die roter Blutkörperchen. Diese Eigenschaften von Nisin können zur Entwicklung eines sicheren und effektiven Vaginalmikrobiozids genutzt werden, das die Übertragung bakterieller Genitalerkrankungen verhindert und gleichzeitig verhütend wirkt. Da Nisine grundsätzlich auch die Zellmembranen von Pilzen und Viren schädigen, könnte es auch gegen die Übertragung von HIV/AIDS helfen. Zur Untersuchung der verschiedenen Gele probierten 6 Frauen* alle 4 Gele aus. Die Studienteilnehmerinnen wurden mittels Magnetresonanztomographie 10-15 Minuten nach der Gelauftragung und noch einmal 4 Stunden später untersucht, wobei jeweils eine Aufnahme vor und eine nach simuliertem Geschlechtsverkehr gemacht wurde. Der Kontakt des Gels mit der Scheidenwand lag direkt nach dem Auftragen bei 68% bis 92%. Der simulierte Geschlechtsverkehr verbesserte bei allen Gelen den Kontakt (90-106%). Nach 4 Stunden hatte sich der Kontakt auf 86% bis 102% erhöht. Simulierter Geschlechtsverkehr verteilte 2 der Gele besser und zwei schlechter. Das Gel, das aus 3% Hydroxypropyl-Methylzellulose (HPMC) und 1,5% Methylzellulose bestand, stellte sich als das beste heraus. Es bedeckte den Scheidengang sowohl kurz nach dem Auftragen als auch nach 4 Stunden noch sehr gut und wurde von dem simulierten Geschlechtsverkehr an beiden Zeitpunkten noch besser verteilt. Dieses Gel könnte in Verbindung mit dem Wirkstoff Nisin vielleicht schon bald das erste Gleitgel sein, daß nicht nur Spermien tötet, sondern auch noch Bakterien, Viren und Pilze. *ab 1000 Teilnehmern gilt eine Studie als repräsentativ Quellen: Sadhana M. Gupta: Interaction of contraceptive antimicrobial peptide nisin with target cell membranes: implications for use as vaginal microbicide, Contraception in press (Mai 2009) Kurt Barnhart et al.: A randomized trial to determine the distribution of four topical gel formulations in the human vagina, Contraception 4 (April 2009) Über Nisine aus der Membrane Transport Protein Classification Database Europazulassung für die Sterilisierungsmethode »Adiana« 17.07.2009 Das US-amerikanische Unternehmen Hologic erhielt am 25. Januar 2009 die CE-Kennzeichnung für ihre neuartige Sterilisationsmethode Adiana®, die damit für den europäischen Markt freigegeben ist. Die Adiana-Methode soll eine Alternative zur operativen Sterilisation der Frau bieten, ohne Einschneiden der Bauchhöhle. Sie ermöglicht einen ambulanten Eingriff in der Arztpraxis, die unter Lokalbetäubung stattfinden kann, d.h. die Frau muß keine risikoreiche Vollnarkose mehr eingehen. Die Patientinnen erholen sich von dem Eingriff meistens innerhalb eines Tages. Im Gegensatz dazu findet die herkömmliche Tubensterilisation meistens im Krankenhaus unter Vollnarkose statt, unter der ein oder zwei Schnitte in die Bauchhöhle vorgenommen werden müssen. Daher ist die Erholungsphase auch länger und beträgt 4-5 Tage. Am 06. Juli 2009 wurde Adiana® von der US-amerikanischen Arzneimittelzulassungsbehörde, der Food and Drug Administration (FDA), für den US-Markt zugelassen. Auch in Kanada und Australien laufen Zulassungsverfahren. In Großbritannien berichtet ein Arzt des Royal Hallamshire Hospitals in Sheffield, daß seine Patientinnen sehr zufrieden mit der Methode sind. Sie können bereits nach einer halben Stunde wieder nach Hause gehen und fühlen sich nach ein paar Tagen wieder vollkommen normal. Quelle: Hologic Receives CE Marking For Adiana® Permanent Contraception System, Medical News Today (25. Januar 2009) Adiana-Zulassungsschreiben der FDA [PDF] Ein Verhütungsmittel für Männer aus der Kurkuma-Wurzel 22.05.2009 Curcuma longa, besser bekannt als das Gewürz Kurkuma oder Gelbwurzel, ist schon lange Teil der traditionellen indischen Medizin. Eine Forschergruppe aus Indien untersuchte jetzt die Wirkung der Kurkuma-Wurzel als Verhütungsmethode an männlichen Labormäusen. Die Mäuse bekamen 56 und 84 Tage lang wässrige Rhizomextrakte von Curcuma longa verabreicht. Die Menge betrug 600 mg/kg Körpergewicht und wurde oral aufgenommen (geschluckt). Die Hoden der behandelten Mäuse zeigten uneinheitliche Veränderungen der Tubuli seminiferi, den Hodenkanälchen. In ihnen werden die Spermien gebildet. Es gab sowohl normale als auch zurückgebildete Hodenkanälchen in diesen Mäusen. Die zurückgebildeten Hodenkanälchen zeichneten sich durch ein Ablösen des Keimepithels, Vakuolation und die Mischung von Spermitiden verschiedener Entwicklungsstadien aus. Die Hodenkanälchen waren auch kleiner, das Keimepithel dünner und die Anzahl von reifen Keimzellen geringer. Die Behandlung mit Kurkuma führte zu negativen Auswirkungen auf die Beweglichkeit, die Überlebensfähigkeit, Morphologie und Spermienanzahl in den Nebenhoden. Die Blutwerte des Hormons Testosteron waren ebenfalls gesunken. 56 Tage nach Abschluß der Behandlung hatten sich alle diese Auswirkungen jedoch wieder auf einen normalen Zustand eingependelt. Die Behandlung mit Kurkuma führt laut dieser Studie also zur reversiblen Unterdrückung der Spermienproduktion und Fruchtbarkeit. Womöglich kann aus den Wirkstoffen dieser Pflanze ein neues Verhütungsmittel für Männer entwickelt werden. Quelle: Raghav Kumar Mishraa und Shio Kumar Singh: Reversible antifertility effect of aqueous rhizome extract of Curcuma longa L. in male laboratory mice, Contraception in press (Mai 2009) Verhütungsverhalten europäischer Frauen 04.04.2009 In einer Studie zur aktuellen Verhütungsmittelanwendung, Zufriedenheit mit den zur Auswahl stehenden Methoden und Sexualverhalten europäischer Frauen* im Alter von 15-49 Jahren wurden 11 490** Frauen per Onlineumfrage und im persönlichen Interview befragt. Das Durchschnittsalter der Teilnehmerinnen betrug zwischen 16,5 und 18,5 Jahren. Die Anwendung von Verhütungsmitteln beim ersten Geschlechtsverkehr ist nicht in ganz Europa selbstverständlich: die meisten Jugendlichen, die beim ersten Sex auch verhüten finden sich in Deutschland (76%) und seinem Nachbar Frankreich (72%). In Tschechien, Rußland und den baltischen Staaten verhüteten die wenigsten Jugendlichen beim ersten Mal (29-40%). Die Nutzung der Pille als Verhütungsmittel war in Frankreich (49%) und Tschechien (44%) am häufigsten, in Spanien, Rußland und den baltischen Staaten (15-18%) am seltensten. Der Prozentsatz an Frauen, die gar nicht verhüteten, lag in allen europäischen Ländern bei 21-30%. *aus Spanien, Italien, Großbritannien, Frankreich, Deutschland, Schweden, Dänemark, Norwegen, Tschechien, Österreich, Estland, Lettland, Litauen und Rußland **ab 1000 Teilnehmern gilt eine Studie als repräsentativ Quelle: David Cibula: Women's contraceptive practices and sexual behaviour in Europe, The European Journal of Contraception & Reproductive Health Care 13 (November 2008) 1-Monats-Spritze für den Mann an Ratten getestet 26.03.2009 In einer Studie des Nationalen Instituts für Gesundheit und Familie in Neu Delhi (Indien) wurde eine Hormonspritze für den Mann an Ratten getestet. Zur Verhütung sollen dem Mann dabei Dienogest und Testosteron-Undecanoat. Dienogest ist ein synthetisches Gestagen, Testosteron-Undecanoat ist ein Testosteron-Ester, der von Bodybuildern auch als Anabolikum benutzt wird. Die Ratten bekamen alle 4 Wochen von dem Gestagen 40 mg/kg Körpergewicht und alle 6 Wochen Testosteron-Undecanoat gespritzt. Es dauerte 60 Tage, bis die Spermienproduktion vollständig eingestellt wurde. Das Gewicht der Hoden, Nebenhoden und der akzessorischen Geschlechtsdrüsen (Prostata, Samenbläschen) nahm jedoch bei weiterer Behandlung nach den 60 Tagen signifikant ab. Es wurden auch vermehrt Keimzellen (=unreife Spermien) abgebaut. Die Methode ist nachweislich reversibel, die Spermienproduktion wird allerdings schneller wieder angekurbelt, wenn nach den 60 Tagen sofort abgesetzt wird. Evtl. dauert die Rückkehr der Fruchtbarkeit bei längerer Anwendung ebenfalls länger. Quelle: Man M. Misro et al.: Trials for development of once-a-month injectable, hormonal male contraceptive using dienogest plus testosterone undecanoate: dose standardization, efficacy and reversibility studies in rats, Contraception in press (06. März 2009) Die Auswirkung der weiblichen Sterilisation durch Elekrokoagulation auf den Eiervorrat 18.03.2009 Die Gynäkologieabteilung des Goztepe Krankenhauses in Istanbul (Türkei) führte mit 88 Frauen* eine Studie durch, die den Eizellenvorrat nach einer Sterilisation mittels Elektrokoagulation und einer mit mechanischen Clips vergleicht. Die 88 Frauen waren im fortpflanzungsfähigen Alter und wünschten eine Sterilisation. Sie wurden zufällig entweder der Gruppe mit Elektrokoagulation oder der Gruppe mit Clipsterilisation zugeordnet. Vor und bis 10 Monate nach der Operation wurden am 3. Zyklustag verschiedene Hormonwerte** wie Östrogen gemessen und zwischen beiden Gruppen verglichen. Nach 10 Monaten zeigte sich ein signifikanter Unterschied im Gesamtvolumen der Eierstöcke am 3. Zyklustag, sowie in der Anzahl der Eibläschen (=Eianlagen im Eierstock) zwischen beiden Gruppen. Elektrokoagulation scheint in der Zeit nach der Sterilisation zum Rückgang der Eibläschenanzahl und zur Abnahme des Eierstockvolumens zu führen. *ab 1000 Teilnehmern gilt eine Studie als repräsentativ **Follikelstimulierendes Hormon, luteinisierendes Hormon, Estradiol (=ein Östrogen), Inhibin-B und Anti-Müller-Hormon Quelle: Gokhan Goynumer et al.: The effect of tubal sterilization through electrocoagulation on the ovarian reserve, Contraception in press (06. März 2009) Zwei medikamentöse Methoden zur Behandlung eines unvollständigen Schwangerschaftsabbruchs 07.02.2009 In einer Studie der Organisation Gynuity Health Projects in New York wurde eine medikamentöse Alternative zur operativen Behandlung unvollständiger Schwangerschaftsabbrüche (Absaugung, Ausschabung) untersucht. Es nahmen 300 Frauen aus Madagaskar und Moldawien an der Studie teil*. Sie bekamen zur Behandlung des unvollständigen Schwangerschaftsabbruchs das Medikament Misoprostol, ein Prostaglandin-Analogon, von dem entweder 600 mcg oral oder 400 mcg sublingual verabreicht wurden. Bei oraler Einnahme wird das Medikament geschluckt, bei sublingualer Verabreichung wird es unter die Zunge gelegt bis es sich auflöst. Misoprostol ist ein wehenförderndes Mittel, das Kontraktionen der Gebärmutter auslöst und zur Ausstoßung des Gebärmutterinhalts führt. Diese medikamentöse Behandlung führte bei 94,5% der Frauen zum Erfolg, so daß keine weiteren operativen Eingriffe von Nöten waren. Nachsorgeuntersuchungen fanden an Tag 7 und, wenn nötig, an Tag 14 statt. Bei 80% der Frauen war der Schwangerschaftsabbruch am Tag der ersten Nachsorgeuntersuchung bereits abgeschlossen. Die orale Verabreichung führte zu geringfügig geringeren Werten auf der Schmerzskala. Die Nebenwirkungen beider Verabreichungsformen bestanden aus Unterleibsschmerzen, Blutungen, Kopfschmerzen, Schwindel- und Schwächeanfällen. Die Akzeptanz und Zufriedenheit mit der Methode war in beiden Gruppen hoch und die Frauen bevorzugten die medikamentöse gegenüber der operativen Behandlung. *ab 1000 Teilnehmern gilt eine Studie als repräsentativ Quelle: Ayisha Diop et al.: Two routes of administration for misoprostol in the treatment of incomplete abortion: a randomized clinical trial, Contraception 79 (28. Januar 2009) Lassen die Nebenwirkungen der Kupfer-Spiralen mit der Zeit nach? Kupfer-Intrauterinpessare (IUP) wie die Kupferspiralen und die GyneFix können bei manchen Frauen zu Nebenwirkungen führen: stärkere Blutungen und Schmerzen sind Gründe für eine vorzeitige Entfernung. Eine repräsentative Studie mit 1947 Teilnehmerinnen die zum ersten Mal ein IUP benutzten zeigte nun, daß einige Nebenwirkungen mit der Zeit besser werden, andere nicht. Während der Menstruation auftretende Nebenwirkungen bei der Blutung und Schmerzen ließen mit der Zeit nach. Schmerzbeschwerden außerhalb des Menstruationszeitraums und Schmierblutungen blieben unverändert, die Anzahl der Tage an denen die Beschwerden auftraten erhöhte sich aber. Die Teilnehmerinnen wurden 1 Jahr lang beobachtet. Die Analyse der Daten wurde von der Firma Duramed Research (Barr Pharmaceuticals), dem Hersteller der T Cu 380 A finanziert, die Studie selbst vom Gesundheitsministerium der Vereinigten Staaten, den National Institutes of Health. Quelle: David Hubacher et al.: Side effects from the copper IUD: do they decrease over time?, Contraception 79 (28. Januar 2009) Die Dreimonatsspritze und Knochendichte Auf einer wissenschaftlichen Konferenz verschiedener Ärzteverbände in Kanada wurde die Literatur zum Thema Depot-Medroxyprogesteronacetat (DMPA, der Wirkstoff der Dreimonatsspritze) erneut besprochen, um eine Konsensentscheidung zu finden. Die beteiligten Ärzte kamen zu dem Schluß, daß die Drei-Monatsspritze ein günstiges Verhütungsmittel darstellt, das je nach klinischer Situation und den Vorlieben der Frau in Betracht gezogen werden kann. Trotzdem sollte sie darauf hingewiesen werden, daß der Gebrauch von DMPA zu einem leichten Rückgang der Knochendichte führt, der allerdings weitesgehend reversibel ist. Es ist daher nicht notwendig, die Zeit für die DMPA benutzt wird zu beschränken oder die Knochendichte regelmäßig zu kontrollieren. Die Einnahme von Kalzium und Vitamin D sind für die Gesundheit der Knochen förderlich, die Einnahme alleinig aufgrund der Tatsache, daß mit der Dreimonatsspritze verhütet wird, ist aber nicht nötig. Die Dreimonatsspritze ist eine Verhütungsmethode, deren Einfluß auf die Knochendichte bei der Wahl der Verhütungsmethode mit einbezogen werden sollte, aber abgewogen mit den Vorteilen und Vorlieben der wählenden Frau nicht ausschlaggebend sein muß. Allerdings sollte berücksichtigt werden, daß die Knochendichte bei jungen Frauen in der Pubertät bis in die späten 20er stark zunimmt. Es ist wichtig, dann eine ausreichende Knochendichte erreicht zu haben, da durch den Alterungsprozess später wieder Knochenmasse verloren geht. Die steigenden Östrogenwerte in der Pubertät verhindern den Knochenabbau und fördern die Knochenbildung. Der Mindestwert um diese Wirkung zu erhalten liegt bei 40-50 pg/ml. Die Dreimonatsspritze kann zumindest teilweise zu Östrogenmangel führen, was den Verlust der vor Knochenabbau schützenden Wirkung des Östrogens zur Folge hat. Junge Frauen könnten also Knochendichte verlieren, wenn sie eigentlich gesteigert werden müßte. Quellen: Edith R. Guilbert et al.: The use of depot-medroxyprogesterone acetate in contraception and its potential impact on skeletal health, Contraception 79 (28. Januar 2009) Nancy H. Busen et al.: Bone mineral density in a cohort of adolescent women using depot medroxyprogesterone acetate for one to two years, Journal of Adolescent Health 32 (April 2003) Hormonfreie Intrauterinpessare verringern Krebsrisiko 24.01.2009 Hormonfreie Intrauterinpessare (Kupferspirale, GyneFix) könnten das Risiko verringern ein Endometriumkarzinom zu entwickeln, eine Krebserkankung der Gebärmutterschleimhaut. In einer Metastudie, die 10 verschiedene Studien vom April 2007 analysierte, entdeckten Robin M. Beining und ihre Kollegen von der Universität Iowa eine Korrelation zwischen verringertem Risiko für Endometriumkrebs und dem Gebrauch hormonfreier Intrauterinpessare. Der Grund für die beobachtete Korrelation ist noch unbekannt. Quelle: Robin M. Beining et al.: Meta-Analysis of Intrauterine Device Use and Risk of Endometrial Cancer, Annals of Epidemiology 6, Seiten 492-499 (Juni 2008) |