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NFP - Natürliche Familienplanung
Die symptothermale Methode


Auf einen Blick: PI: 0,4 - 2,3 | Arztbesuch: nein | Kosten: Anschaffung 20 € | Hormonell: nein

Die Grundlage der symptothermalen Methode bildete der österreichische Arzt Prof. Dr. med. Josef Rötzer. Er begann mit seinen wissenschaftlichen Beobachtungen 1951, veröffentlichte seine Arbeit unter dem Begriff NER (Natürliche Empfängnisregelung) und bildete damit die Grundlage für weitere Methoden, die international unter der Bezeichnung NFP (Natürliche Familienplanung, Natural Family Planning) bzw. FAM (Fertility Awareness Method) vereint werden.

Die Methode
Diese Methode basiert darauf den Eisprung mittels genauer Zyklusbeobachtung auf etwa 4 Tage eingrenzen zu können. Dadurch ergeben sich 3 Phasen.

1. Phase: Die unfruchtbare Zeit am Zyklusanfang
2. Phase: Die fruchtbare Zeit bis zum Eisprung
3. Phase: Die unfruchtbare Zeit nach dem Eisprung

Um diese definieren zu können gibt es 3 Methoden.


Temperaturmessung
Morgens nach dem Aufwachen aber noch vor dem Aufstehen wird die Basaltemperatur gemessen. Dies kann oral, vaginal oder rektal stattfinden. Die Messdauer sollte mind. 3 min betragen. Die orale Messung ist hier etwas störanfälliger (z.b. durch schlafen mit offenem Mund) und kann auch zu unregelmäßigeren Kurven führen. Dies muss nicht sein, sollte aber bei der Wahl der Methode bedacht werden. Ergeben sich zackige Kurven aus den Werten empfiehlt es sich auf einen anderen Messort zu wechseln.
Bei Messung mit einem digitalen Thermometer wird ein leicht gerundeter Wert in die Zykluskurve eingetragen. Gerundet wird auf 0.05er-Schritte - also 36.22 auf 36.20, 36.23 auf 36.25, 36.27 auf 36.25, 36.28 auf 36.30 usw.

UND

Schleimbeobachtung
Hierbei wird der Zervixschleim direkt vom Scheideneingang oder auch dem Muttermund abgenommen. Der Abnahmeort sollte nicht innerhalb eines Zyklus gewechselt werden. Der Schleim wird dann nach verschiedenen Eigenschaften klassifiziert. Man unterscheidet hierbei zwischen Fühlen und Sehen. Die beste Schleimqualität findet sich in der hochfruchtbaren Zeit. Die Qualität und Schleimmenge ist jedoch von Frau zu Frau verschieden. So haben manche Frauen den ganzen Zyklus über viel Schleim und merken nur um den Eisprung eine Veränderung in dessen Konsistenz, andere Frauen haben fast gar keinen und fühlen erst in der hochfruchtbaren Zeit eine Zunahme. Bei spinnbarem, klarem, glasigem oder glasig-rötlichem Schleim befindet man sich in der hochfruchtbaren Zeit. Bei trockenem oder nur mäßig feuchtem Gefühl und nicht vorhandem Schleim kann man von unfruchtbar ausgehen. Diese Beobachtungen werden täglich in das Zyklusblatt eingetragen. (t wie trocken, f wie feucht, S, oder S+ für besten Schleim) Jede Frau hat ihren eigenen Schleimhöhepunkt. Dies ist der letzte Tag mit der besten Qualität. Die beste Qualität kann bei manchen aber auch nur S oder gar f sein. Eingetragen wird immer die beste Qualität des gesamten Tages.

ODER

Muttermundbeobachtung
Dies kann eine Alternative zur Schleimbeobachtung darstellen oder auch zusätzlich eingetragen werden, wobei sich an der Sicherheit der Methode dadurch nichts ändert. Man ertastet den Muttermund am besten morgens und unterscheidet hierbei zwischen Hochstehend oder tiefstehend. Weich oder hart Geöffnet oder geschlossen. Auch hier wird ein sogenannter Höhepunkt feststellbar sein. Nur durch die Kombination aus Symptombeobachtung und Temperaturmessung ergibt sich die hohe Sicherheit der NFP.

Sicherheit

NFP ist als Verhütungsmethode noch stark von Vorurteilen geprägt. Oft wird sie mit der Kalendermethode (Knaus Ogino) oder auch den wenig sicheren Verhütungscomputern wie Persona verwechselt. All diese Methoden haben allerdings einen sehr viel höheren Pearl Index als NFP.

Eine Studie von 1997 ermittelte bei perfekter Anwendung der Methode eine jährliche Schwangerschaftsrate von 0,63%, wenn die Paare in der fruchtbaren Phase enthaltsam blieben. Wenn in dieser Zeit nur geschützter Verkehr stattfand, betrug die Schwangerschaftsrate 0,45% (Frank-Herrmann, 1997). Eine weitere Studie schreibt: »Hervorzuheben ist allerdings, dass Frauen, die nur NFP anwenden, einen schlechteren Pearl-Index für die Anwendersicherheit aufweisen, als diejenigen, die NFP mit anderen Methoden kombinieren.« (Freundl, 1993). Der PI für typische Anwendung (Gebrauchssicherheit) lag laut dieser Studie bei 2,2.

Die neuste Studie zur Sicherheit von NFP stammt aus dem Jahr 2007 und wurde mit 900 Frauen durchgeführt (ab 1000 Teilnehmern ist eine Studie repräsentativ). Die Daten ergaben eine Gebrauchssicherheit von 1,79. Bei perfekter Anwendung betrug die Schwangerschaftsrate 0,43 wenn die Paare in der fruchtbaren Zeit enthaltsam blieben (2 Schwangerschaften auf 6022 Zyklen). Die Paare, die in der fruchtbaren Zeit Barrieremethoden verwendeten kamen auf eine ähnliche Schwangerschaftsrate. Die Sicherheit beider Methoden unterscheidet sich statistisch nicht (Frank-Herrmann, 2007).

Für die NFP haben Studien an der Universität Düsseldorf folgende Werte ermittelt: Bei 7.866 Zyklen traten nur drei unbeabsichtigte Schwangerschaften auf. Das entspricht einer Methodensicherheit von 0,4 PI (Pearl Index). Damit liegt die NFP Methode bei richtigem Gebrauch im Bereich der Pille. Für die Sicherheit einer Methode gibt es einen weiteren Wert, nämlich die Gebrauchssicherheit. Sie ist sehr stark vom Paar abhängig; denn hier fließen Ereignisse wie „Nicht-Einhalten der Regeln“, aber auch schlechtes Methodenverständnis ein. Deshalb wird hier so viel Wert auf die Begleitliteratur wie „Natürlich und sicher - Ein Leitfaden“ und auf eine qualifizierte NFP Beratung gelegt. In der begleitenden Gebrauchssicherheitsstudie lag der Pearl Index bei 2,3.
Quelle: Arbeitsgruppe NFP

NFP ist somit so sicher wie die Pille, solange in der ermittelten fruchtbaren Zeit kein ungeschützter Geschlechtsverkehr stattfindet. Bei gewünschtem Geschlechtsverkehr in der ermittelten fruchtbaren Phase muss auf Barrieremethoden ausgewichen werden. Der PI ergibt sich hierbei aus der verwendeten Methode wobei der PI für Kondome bei Paaren die NFP betreiben, nachweislich besser ist als die gewöhnliche Gebrauchssicherheit. Zurückzuführen wäre das auf die konsequente und richtige Verwendung, dem Bewusstsein sicher verhüten zu wollen und dem Auseinandersetzen mit dem eigenen Körper. Eine Kombination von Diaphragma und Kondomen wäre für die höchstmögliche Sicherheit (neben der Enthaltsamkeit) möglich.


Grundausstattung

Einen Stift
Ein NFP-konformes Thermometer (analog oder digital mit 2 Nachkommastellen)
Zyklusblätter in Papierform oder eine Online-Kurve zb myNFP.
Es wird empfohlen zusätzlich zur Onlinekurve auch eine Papierkurve zu führen. Hier kann man gleich nach dem Aufstehen die Temperatur eintragen und auch tagsüber Notizen hinzufügen.


Das Buch Natürlich & Sicher. Natürlich gibt es auch andere Literatur dazu, jedoch ist dieses Buch wirklich empfehlenswert, da es umfassend aber dennoch anschaulich anhand von Beispielen erklärt. Aufwand Oft wird die NFP als aufwändig beschrieben, jedoch wird man selbst feststellen dass der Aufwand sehr gering ist. Das morgendliche Messen beansprucht nur 3-5 min Der Zervixschleim kann beim Toilettengang kontrolliert werden.

Hilfreiche Links zu NFP:
Das Buch Natürlich und Sicher
NFP-konforme Thermometer
Onlinekurve
www.nfp-forum.de - Forum mit Hilfestellung
Arbeitsgruppe NFP
Zyklusblatt zum ausdrucken


Quellen
P. Frank-Herrmann et al.: The effectiveness of a fertility awareness based method to avoid pregnancy in relation to a couple's sexual behaviour during the fertile time: a prospective longitudinal study, Human Reproduction (2007)

Astrid Both et al.: Natürlich und sicher: Auf den eigenen Körper hören. Natürliche Familienplanung. Sichere Empfängnisregelung, Trias Verlag, 17. Auflage (07. Dezember 2005)

P. Frank-Herrmann et al.: Natural family planning with and without barrier method use in the fertile phase: efficacy in relation to sexual behaviour: a German prospective long-term study, Advances in Contraception (1997)

G. Freundl et al.: Methoden- und Gebrauchssicherheit der symptothermalen Methode der natürlichen Familienplanung: Prospektive Studie mit inzwischen 10649 Zyklen, Arch Gynecol Obstet (1993)