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Kondome

Auf einen Blick: PI: 0,7 - 15 | Arztbesuch: nein | Kosten: 0,50 € - 3,00 € pro Kondom | Hormonell: nein

Kondome sind das einzige Verhütungsmittel, das vor der Übertragung von Geschlechtskrankheiten schützt. Die ersten Kondome wurden wohl auch aus diesem Grund benutzt: zum Schutz gegen Syphilis. Allerdings bestanden sie aus tierischen Materialien (Darm, Blase) und erfüllten diese Funktion daher nicht zuverlässig, weswegen solche Kondome heutzutage in den meisten Ländern nicht mehr verkauft werden. Die ältesten bekannten Kondome aus dem Schloß Dudley in England lassen sich auf das Jahr 1646 datieren. Bei Kondomfunden aus dem 18. Jahrhundert ließen sich sogar die Maße bestimmen: 190 mm lang, 60 mm Durchmesser und 0,038 mm dünn. Sie mußten vor dem Benutzen eingeweicht werden. Auch parfümierte Kondome gab es vor 300 Jahren schon, sie waren allerdings im Gegensatz zu den heutigen um einiges teurer als die Standardausfürung.

Was genau sind Kondome?
Kondome sind dünne Penishüllen, die aus Latex (Milchsaft des Kautschukbaums Hevea brasiliensis) oder den Kunststoffen Polyurethan, Polyethylen oder Polyisopren bestehen. Es gibt sie in vielen Formen und Größen, inzwischen auch in Extragrößen für Jugendliche. Die meisten modernen Kondome sind außen zusätzlich mit einem Gleitmittel ausgestattet. Dazu gibt es noch viele Besonderheiten wie z.B. bunte Farben, verschiedene Duftstoffe, Betäubungsmittel für längeres Durchhalten, Noppen, und vieles mehr. Kondome sind das einzige Verhütungsmittel, das auch gegen Geschlechtskrankheiten schützt. Deshalb sollte man sie stets benutzen, wenn Unsicherheit über den Gesundheitszustand des Partners herrscht.

Sicherheit von Kondomen
Die Sicherheit von Kondomen hängt extrem vom Anwender ab: Man schätzt, daß in 10% der produzierten Kondome unentdeckte Kondomfehler (Löcher) vorliegen (Stiftung Warentest). Diese können heutzutage mit elektronischen Prüfmethoden leichter entdeckt werden - das defekte Kondom wird zerstört. In der Untersuchung von Stiftung Warentest hatte nur ein Kondom von 14.000 ein Loch - das entspricht einem Anteil von 0,007 % Kondomen mit unentdeckten Fehlern. Ohne Anwenderfehler müßte der Pearl Index von Kondomen also bei genau diesem Wert liegen. Doch irren ist menschlich und Anwenderfehler kommen vor. Reißen oder Abrutschen kam bei nur 0,6 % der im Umgang geübten Prostituierten in Nevada (USA) vor, aber bei 7,1 % normaler Pärchen in North Carolina (USA) (Contraceptive Technology, 2007). Bei perfekter Anwendung kam in einer Studie ein PI von 0,7 heraus, der Mittelwert drei verschiedener Studien zur Kondomsicherheit lag bei 2,0 (Contraceptive Technology, 2007). Es ist dieser Wert, der in allen Medizinbüchern, Verhütungsbroschüren und auf allen Internetseiten zu finden ist.
Man sollte aber trotzdem daran denken, daß man mit Übung und dementsprechend perfekter Anwendung einen PI erreichen kann, der sich vor dem der Pille nicht zu verstecken braucht.


Die richtige Größe
Als aller erstes müssen Sie die richtige Größe für sich herausfinden. Dazu müssen Sie den Penis im steifen Zustand messen. Der Umfang sollte an der dicksten Stelle gemessen werden, die Länge von der Stelle, an der der Penis aus dem Körper kommt bis zur Eichelspitze. Jetzt können Sie die so erhaltenen Werte mit den Werten abgleichen, die auf den Kondompackungen angegeben werden.
Achtung! Die gemessenen Werte sind oftmals Zentimeter, die bei Kondomen angegebenen Werte aber Millimeter. Ein Penis mit 15 cm Länge wäre also 150 mm lang.
Zweite Verwechslungsgefahr: der Durchmesser ist nicht das gleiche wie der Umfang. Der Durchmesser läßt sich mit der Formel Umfang / pi berechnen und entspricht beim Kondomkauf der Breite des Kondoms. Die Breite kann natürlich auch mit einem Lineal ungefähr bestimmt werden.
Hinweis: entspricht der Umfang 10 cm (100 mm) oder weniger sind Kondome mit der Standardbreite 52 mm zu groß.
Man kann es sich auch einfacher machen und seine Meßwerte unter kondomberater.de eintragen, dann werden die dazu passenden Kondome angezeigt.

Vor dem Anwenden
Als erstes das Verfallsdatum auf der Kondomverpackung kontrollieren. Abgelaufene Kondome können porös sein und sollten daher nicht mehr verwendet werden.
Vor dem Öffnen der Kondomverpackung unbedingt sicherstellen, daß die Hände fettfrei sind. Fette wie Cremes oder Massageöl führen bei Kontakt mit einem Latexkondom dazu, daß dieses sehr schnell reißt. Deshalb beim Gleitgel sicherstellen, daß es für Latexkondome geeignet ist (z.B. Gele auf Wasserbasis oder Silikonbasis). Vorsicht auch bei Spermiziden und anderen chemischen Verhütungsmitteln - einige können das Kondom porös machen. Wurde ein kondomunverträgliches Schaumzäpfchen oder Spermizidgel am gleichen Tag oder am Tag zuvor benutzt, lieber auf Geschlechtsverkehr verzichten oder auf ein Kunststoffkondom ausweichen.
Beim Öffnen mit spitzen Fingernägeln und scharfkantigen Gegenständen wie Piercings aufpassen!

Prozedur des Überziehens
Das Kondom sollte übergezogen werden, noch bevor der Penis mit dem Körper des Partners in Berührung gekommen ist. So kann die Übertragung von Krankheiten und die Möglichkeit einer Schwangerschaft am besten vermieden werden.
  1. Das Kondom auspacken
  2. Die Abrollrichtung des Kondoms bestimmen und mit dem Abrollrand nach außen auf die Eichel auflegen. ACHTUNG! Wenn Sie aus versehen die falsche Seite mit dem Penis in Kontakt gebracht haben sollten Sie ein neues Kondom verwenden.
  3. Das Reservoir zudrücken, so daß es keine Luft mehr enthält.
  4. Bei zugedrücktem Reservoir das Kondom bis zum Penisansatz abrollen
  5. Jetzt kann's losgehen
Wenn das Kondom richtig sitzt, läßt es sich leicht abrollen, schlägt keine großen Falten und spannt nirgends.
Sollte das Kondom sich während des Liebesspiels wieder aufrollen, rollen Sie es sofort wieder ab. Rutscht das Kondom versehentlich ab, ist das ein Zeichen, daß das Kondom zu groß ist. Probieren Sie es mit einer kleineren Größe.

Nach dem Verkehr
Das Kondom sollte nach dem Samenerguß möglichst zügig entfernt werden, auf jeden Fall aber bevor der Penis erschlafft. Halten Sie das Kondom dafür am Penisansatz fest und ziehen Sie den Penis vorsichtig heraus. Das Kondom kommt in den Müll und nicht in die Toilette.


Wirkungsweise von Kondomen
Bei Kondomen handelt es sich um eine sogenannte Barrieremethode, das heißt sie bilden eine Barriere zwischen Sperma und Eizelle. Das Kondom fängt das Sperma des Mannes auf und verhindert so, daß Spermien in den Genitaltrakt der Frau gelangen. So kann es zu keiner Befruchtung kommen. Sofern das Kondom nicht abrutscht oder reißt, ist diese Barriere gewährleistet. Der große Vorteil an Kondomen ist, daß man diese Verhütungspannen sofort merkt.

Komplikationen und Nebenwirkungen

Komplikationen
Komplikationen treten vor allem bei nicht richtig sitzenden Kondomen auf. Das Kondom kann abrutschen oder reißen. Rutschende Kondome sind ein Anzeichen dafür, daß eine kleinere Größe verwendet werden sollte. Reißende Kondome sind ein Anzeichen dafür, daß eine größere Größe verwendet sollte und evtl. die Partnerin beim Eindringen nicht feucht genug war - längeres Vorspiel oder Gleitgel helfen hier.

Ist das Kondom nun gerissen oder abgerutscht und somit Sperma in die Scheide gelangt sollten Sie sich so schnell wie möglich um Notfallverhütung kümmern. Dazu stehen die Pille danach oder die Spirale/GyneFix danach zur Verfügung.
Die Pille danach muß für die größte Sicherheit innerhalb von 24 Stunden nach der Panne eingenommen werden. Dann bietet sie 99% Sicherheit vor einer Schwangerschaft. Bei späterer Einnahme verringert sich die Sicherheit: nach 24 - 48 Stunden liegt die Wirksamkeit bei 85% und nach 48 bis 72 Stunden bei 58%. 75% der Frauen, die ohne Pille danach schwanger geworden wären, wurden mit der Pille danach nicht schwanger (Trussel & Ellertson, 1995). In Deutschland ist die "Pille danach" verschreibungspflichtig. Ein Rezept bekommt man beim Frauenarzt oder Hausarzt, in medizinischen Notfalleinrichtungen und im (nicht-katholischen) Krankenhaus. Bei über 18jährigen wird die Praxisgebühr von 10,00 € fällig. Bei Apotheken gibt es im näheren Umkreis immer eine, die Nachtschicht / Notdienst hat.
Eine Kupferspirale/GyneFix (Kupferkettchen) danach kann bis zu 5 Tage nach der Verhütungspanne gelegt werden. Sie verhindert eine Schwangerschaft mit einer Sicherheit von 99%. Die Spirale/GyneFix kann anschließend bis zu 5 Jahre liegen gelassen werden. Eine Kupferspirale kann von jedem Frauenarzt gelegt werden. Voraussetzung ist, daß keine Unterleibsentzündungen betstehen und die Gebärmutter keine Mißbildungen aufweist, die den Sitz der Spirale negativ beeinflussen. Die GyneFix ist etwas komplizierter zu bekommen, da sie in Belgien bestellt werden muß. Sie wird deshalb nur von vergleichsweise wenigen Ärzten gelegt.

Nebenwirkungen
Das Kondom kann allergische Reaktionen hervorrufen. Sie äußert sich in Juckreiz, Rötung und Quaddelbildung an den unmittelbaren Kontaktstellen. Allergien gegen Latex sind möglich, es sind aber nur zwei Prozent der Bevölkerung betroffen. Bei Problemen mit Kondomen reagiert der Körper deshalb oft auf andere Substanzen des Kondoms, z.B. Weichmacher, Alterungsschutzmittel, Füllstoffe, Vernetzerreste und Vulkanisationsbeschleuniger, aber auch das Gleitmittel und Bestandteile des Gleitmittels.
Eine Unverträglichkeit des Gleitmittels bzw. der Gleitmittelbestandteile wie Spermizide (Nonoxynol-9) oder aktverlängernde Zusätze (Benzocain) ist leicht durch den Wechsel auf Kondome mit einem anderen Gleitmittel bzw. ohne die anderen Bestandteile herauszufinden, da diese Substanzen auf der Packung angegeben werden.
Bei einer Latexallergie gibt es latexfreie Kondome aus Polyurethan, Polyethylen oder Polyisopren. Bei Problemen mit den Gleitmitteln gibt es trockene Kondome, mit denen aber am besten ein eigenes Gleitmittel verwendet wird um die Reißgefahr zu verringern.
Eine sehr gute Informationsseite über Latexallergie, latexfreie Alternativen und andere Unverträglichkeiten bei Kondomen hat die Apothekerin Stefanie Zenker auf ihrer Webseite zusammengestellt: LatexfreieKondome.de

Seit der Veröffentlichung des Chemischen und Veterinäruntersuchungsamtes Stuttgart, daß Kondome mit krebsauslösenden Nitrosaminen belastet seien ist dies eine weitere Befürchtung beim Gebrauch von Kondomen. Nach dessen Untersuchungen gaben 22% der Kondome über 100 µg Nitrosamine pro Kilogramm ab. Der Höchstwert lag bei 660 µg/kg (CVUA Stuttgart, 2004). Im gleichen Jahr veröffentlichte die Stiftung Warentest ebenfalls ihre Untersuchungen zum Thema Nitrosaminbelastung bei Kondomen und kam zu einem ganz anderen Ergebnis: es waren nur erheblich geringere Mengen zu finden, manche nur knapp über der Nachweisgrenze und die meisten unter dem Höchstwert für Schnuller. Die Höchstwerte lagen bei 10 bis 40 µg/kg. Die Nitrosaminaufnahme durch ein Kondom entspricht 1/1000 bis 3/1000 der Menge, die schon über die Nahrung in den Körper gelangen. Die Deutsche AIDS-Hilfe kritisierte zudem die Versuchsbedingungen des Chemischen und Veterinäruntersuchungsamtes Stuttgart, weil sich dadurch erheblich mehr Nitrosamine in krebserzeugende N-Nitrosamine umwandeln konnten als unter den normalen Nutzungsbedingungen von Kondomen.
Derzeit gibt es daher keinen Anhaltspunkt dafür, daß die Verwendung von Kondomen zu einer erhöten N-Nitrosaminbelastung bzw. einem gesundheitlichen Risiko führt. Die Vorteile übertreffen bei weitem die vermeintlichen Risiken.

Zugänglichkeit
Kondome sind in jeder Drogerie, in manchen Supermärkten, allen Apotheken, Sexshops und selbstverständlich auch im Internetversand zu finden. In Sexshops und im Internethandel gibt es oft auch günstige 100-Packungen und gemischte Probiersets.


Kosten
Die Kosten für Kondome richten sich nach der Häufigkeit des Geschlechtsverkehrs und der bevorzugten Marke bzw. Kondomart. Die Kosten liegen bei ca. 0,50 € bis zu ganzen 3,00 € pro Kondom. Eine Beispielrechnung zeigt die monatlichen Kosten für Kondombenutzer. Das teuere Beispiel geht von täglichem Geschlechtsverkehr mit latexfreien Kondomen aus, das günstige Beispiel vom deutschen Durchschnitt (2 Mal pro Woche laut einer Studie von Durex) mit günstigen Latexkondomen.

Monatliche Kosten (teures Beispiel): 93,00 € / Monat
Monatliche Kosten (günstiges Beispiel): 4,50 € / Monat


Quellen:

Webpräsenz des Online-Kondomberaters: http://kondomberater.de/

BRAVO: So sitzen Kondome richtig!

Informationsseite der Apothekerin Stefanie Zenker über Latexallergie, latexfreie Alternativen und andere Unverträglichkeiten bei Kondomen: www.latexfreiekondome.de

Robert Jütte: Geschichte der Empfängnisverhütung (2003)

Robert A. Hatcher, James Trussell, Anita L. Nelson, Willard Cates Jr. und Felicia Stewart: Contraceptive Technology, 19. Ausgabe, Kapitel 27 (2007)

CVUA Stuttgart: Poster vom Lebensmittelchemikertag 2004

Stiftung Warentest: So sicher wie nie - Kondome (August 2004)