Es ist an sich keine schlechte Sache, wenn man etwas hat,
wofür man sich begeistern kann. Seien es Sportautos, Flugzeuge, Fernsehserien
oder irgendwelche Stars aus dem Showgeschäft. Ich sage auch nichts dagegen,
wenn man in Folge jugendlichen Enthusiasmus seiner Begeisterung keine Grenzen setzen
kann und im Falle eines großartigen Ereignisses seine Begeisterung nur so aus sich hinausschreien will
bzw. muß. Sowas gibt es schon, seit viele von uns denken können:
Als in den 40ern der Teenager Frank Sinatra in diversen Filmen auftrat, hatte
er schon die Kreischer auf seiner Seite. Das allerdings war nur ein Vorspiel zu dem, was
in den 50er Jahren Elvis Presley für die Jugendkultur darstellen sollte.
Zahlreiche Mädchen begannen abermals zu kreischen, als der 21jährige
"Elvis the Pelvis" begann, seine Hüften im Rock'n'Roll Rhythmus
kreisen zu lassen. In den 60ern setzte sich das Spektakel in ähnlicher Form
mit den Beatles fort, die 70er waren die oft zitierte Erholung von den 60ern
und in den 80ern hieß der Superstar Michael Jackson.
Obgleich in den 90ern hauptsächlich Teenie-Bands wie Take That oder die
Backstreet Boys angesagt sind, wird es auch nie still um den sogenannten
King of Pop (Meiner Ansicht nach ist diese Bezeichnung nichts anderes, als
ein Abklatsch zu der Bezeichnung King of Rock'n'Roll, die einst Elvis gebührte).
Das überrascht mich relativ wenig. Schließlich gehört es zum
Showgeschäft dazu, zu wissen, wie man sich bei den Fans presenthält.
Man muß jedoch eine Grenze zwischen absolutem Fantum und scheinbar
grenzenloser Verblödung ziehen: Als die Rolling Stones 1990 nach Wien kamen,
wußte man lange Zeit nicht, in welchem Hotel sie abgestiegen waren.
Auch bei Paul McCartney gab es 1993 einiges an Verwirrung.
Am 2.Juli 1997 gab der "King of Pop" sein Stelldichein in der Wiener Stadthalle.
Von vornherein war es kein Geheimnis, daß Michael Jacksons Domizil das Hotel Imperial
am Kärntner Ring nahe der Oper sein würde. Geradezu selbstverständlich
war es, daß der Hoteleingang von Fans belagert wurde, die zum Teil auch aus
England oder Frankreich eigens angereist waren, um ihrem Superstar aufzuwarten.
Nur scheinbar wußten die treuen Fans nicht ganz bescheid, wann und wo
Michael Jackson eigentlich nun auftrat. Daß am Tag davor und am Konzerttag
selber eine Belagerung durch Fans stattfand, war nur logisch.
Daß man am nächsten Tag auch noch darauf wartete,
daß der Megastar das Hotel verließ, um zum Flughafen zu fahren,
findet auch noch meine Akzeptanz. Doch begann ich ernsthaft am logischen
Sachverstand der Wiener (?) Michael Jackson-Fans zu zweifeln, als ich am Abend
des 4.Juli eine um nicht einmal um 1% geschrumpfte Zahl an
Teenagern vor dem Hotel stehen sah, die aus lautem Halse riefen "What do you want?
Michael Jackson! When do you want him? Now!". Ich hielt mich zurück,
dort Halt zu machen und einem der Schreihalse die Frage zu stellen, was die Meute
eigentlich bewog, anzunehmen, Jackson gastiere immer noch in dem Hotel, zumal
er doch in wenigen Stunden ein Konzert im Münchener Olympic Stadion
geben sollte. Die Teenies waren so fanatisch, daß sie es wohl beleidigend
empfunden hätten, hätte ich sie tatsächlich nach ihren Motiven gefragt.
Ich zog es also vor, zu schweigen.
Dennoch: Wußten sie nichts dar&uUml;ber, was ihr
Lieblingsstar nach seinem Wien-Konzert vorhatte? Oder fehlt manchen Leuten
ganz einfach die Fähigkeit, logisch zu denken? Selbst ein Michael
Jackson hat enorme Schwierigkeiten, sich an zwei Orten gleichzeitig aufzuhalten.
Es sei denn, es handle sich bei dem Star um keinen gewöhnlichen Menschen.
Da ich es aber vorziehe, diverse Science Fiction-Märchen nicht so
ernstzunehmen, bleibt die Frage aufrecht: Was haben die paar Hundert
eigentlich erwartet?
Oder soll das etwa doch eine Bestätigung der These sein, Michael Jackson sei
ein Außerirdischer? In dem Fall müßte natürlich die
Fragestellung in eine völlig andere Richtung gehen.
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