Personenkomitee "Wiener Kindergärten"

Susanne Mliner | Sonja Graf | Martina Petzl-Bastecky | Diana Weisz | Birgit Zahorak | Martina Geyer

 

 

Überlegungen zu einer Besoldungsreform in den Wiener Kindergärten

Von Alfred Bastecky.

 

Wenn man den Gerüchten glauben kann, wird's im September ernst mit den Verhandlungen zu einer Reform der Besoldung in den Wiener Kindergärten.

Die Sozialdemokratischen Gewerkschafterinnen halten sich bedeckt, was ihre Vorstellungen und Forderungen betrifft. Zuletzt haben sie in der Magistratsdirektion Berechnungen anstellen lassen: Vom neuen Schema Niederösterreichs angefangen bis zu im Augenblick absurden Rechenspielen über die Kosten einer Personalreserve und die Kosten einer Erhöhung der Vorbereitungsstunden. Beides ist angesichts des derzeitigen Personalstands aktuell völlig irrelevant.

Derzeit liegen im wesentlichen zwei Diskussionsvarianten auf dem Tisch:

  1. Die "Besoldung neu" in Niederösterreich für KindergartenpädagogInnen
  2. Die Dienstzulage der SozialpädagogInnen (Wien) auch für die Kindergärten

Die Systeme sind nicht leicht vergleichbar. Ich habe mich daher zunächst auf die Grundlaufbahnen beschränkt.

1. "Besoldung neu" in Niederösterreich

Niederösterreich hat seit 2006 ein neues Besoldungssystem für den gesamten Landesdienst. In dreijähriger Vorlaufzeit wurden nach einem analytischen Verfahren alle Berufsgruppen sogenannten Referenzstellen zugeordnet. Differenzierung nach Aufgabenstellung und Funktion erfolgten in den sogenannten NOG (Niederösterreichische Gehaltsklassen).

Hier können nur stichwortartig einige Grundsätze skizziert werden:

  • Höhere Anfangsbezüge – flacherer Verlauf der Gehaltskurven bei gleichbleibender Lebensverdienstsumme
  • verbesserte Durchlässigkeit
  • Höhere Attraktivität des Landesdienstes
  • alles in die Schemata – keine Zulagen
  • Bedienstete konnten zwischen altem und neuem System optieren
  • als Entscheidungshilfe hat der Dienstgeber für alle DienstnehmerInnen individuelle Vergleichsrechnungen zur Verfügung gestellt

Wobei in unserem Zusammenhang hervorzuheben ist, dass in NÖ die Arbeit mit Menschen generell hoch bewertet wurde (KindergartenpädagogInnen, ErzieherInnen, SozialarbeiterInnen, ...).

Zu bedenken ist unter anderem:

Eine 1:1-Übernahme des NÖ-Schemas ist schon deshalb ausgeschlossen, weil es nur Vorteile für KollegInnen mit wenigen Dienstjahren bringt, alle anderen gehen leer aus oder haben noch Nachteile.

2. Das LK-Schema + Dienstzulage der SozialpädagogInnen

Vor 20 Jahren wurde das LK-Schema geschaffen. Einer Initiative der KIV ist es zu danken, dass damals eine 2-Klassen-Gesellschaft der KindergärtnerInnen (mit und ohne Matura) verhindert werden konnte. Ein entsprechender Antrag auf "Spaltung" fand in einer großen Versammlung im Rathaus nach lebhafter Diskussion keine einzige Pro-Stimme.

Seit einigen Jahren fordert die KIV die Dienstzulage der SozialpädagogInnen auch für die KindergartenpädagogInnen. Diese beträgt in den ersten 6 Gehaltsstufen Euro 249,30, ab der Gehaltsstufe 7 Euro 319,30.

Dafür spricht:

  • Beide Berufsgruppen leisten qualifizierte pädagogische Arbeit
  • Beide Berufsgruppen haben Matura und Fachausbildung
  • In beiden Berufsgruppen sind KollegInnen ohne Matura tätig (frühere Ausbildungen)
  • Rasch realisierbar, weil kein neues Schema erforderlich ist

Selbst wenn die Stadt längerfristig an ein komplett neues Schema denkt (lange Vorbereitungsarbeiten), könnte diese Maßnahme als Übergang Soforthilfe gegen die Unterbezahlung und gegen die geringe Attraktivität des Berufes bringen.

Diese Variante bringt zunächst auch den LeiterInnen und den KollegInnen im Sonderbereich mehr, als sie im Augenblick mit Spartenforderungen realisieren könnten.

Download: Die Vergleichstabelle (pdf, 106 kb)

Anmerkungen zur Vergleichstabelle: Im NÖ-Schema wurde nur NOG 10 dargestellt (gruppenführend, SpringerInnen). Informationen über die Gehaltsklassen NOG 11 bis NOG 13 (LeiterInnen, SonderkindergartenpädagogInnen, InspektorInnen) kann ich auf Wunsch gerne zur Verfügung stellen.

Was meint ihr?

Ich bin sehr interessiert an euren Diskussionsbeiträgen. Was meint ihr zu den Vorschlägen? Was ist euch in diesem Zusammenhang wichtig? Entdeckt ihr irgendwelche Denkfehler oder Aspekte, die zu wenig beachtet wurden?

Kindergarten-Assistentin:

Ungelernte Hilfskraft oder eigenständige Profession?

Die frühere "Helferin" wurde umgetauft auf "Assistentin". An der Besoldung - Einreihung und Laufbahn - hat sich nichts geändert. Massiv geändert hat sich aber das Berufsbild und die reale Tätigkeit. Das Mittagessen wird zwar nicht mehr gekocht, "hauswirtschaftliche" Aufgaben gibt es aber noch immer (bei beidem ist man früher davon ausgegangen, dass das ohnedies jede Frau kann).

Tatsache ist, dass der Mitwirkung an der pädagogischen Arbeit immer mehr Bedeutung zukommt. Der erweiterte Bildungs-Auftrag des Kindergartens bringt es mit sich, dass PädagogInnen mehr Zeit der individuellen Förderung der Kinder und der Arbeit in Kleingruppen widmen müssen. Ohne AssistentInnen würde der Betrieb in den Kindergärten sofort zusammenbrechen. Mit bloßem Beaufsichtigen ist es da nicht getan und ein Ausbau der berufsbegleitenden Fortbildung erscheint unerläßlich.

Ganz zu schweigen davon, dass der eklatante Personal-Mangel bei den PädagogInnen dazu führt, dass AssistentInnen immer häufiger ganze Gruppen übernehmen müssen.

Betrifft: Besoldung

Veränderungen im Schema I/III sind schwierig, weil zunächst die gesamte Stadt davon betroffen ist. Verbleiben die AssistentInnen in diesem Schema, müsste der Einstieg und die Laufbahn radikal verändert werden: z.B. Einstieg in der 3A, verkürzter Automatik-Aufstieg in die 3P und Öffnung der Verwendungsgruppe 2 für diese Zielgruppe.

Überlegenswert erscheint ein anderes Modell:

Eingliederung der AssistentInnen in das Schema der Kindergarten-PädagogInnen als eigene Verwendungs-Gruppe, z.B. mit einem Gehaltsansatz, der 75 % des neu zu verhandelnden Bezugs der PädagogInnen ausmacht.

Reden wir darüber!

Zuschriften bitte an: Alfred Bastecky.

Quelle: www.kiv.at/kindergarten