Hüttenzauber-TAGEBUCH

wrote by witch

(mit sämtlichen Schreibfehlern, die der ehrliche Finder behalten darf) *kicherkicher*

30.5.2002

Es ist mittlerweile 2.15 Uhr. Eigentlich haben wir ja schon den 31.5. :o) Das Holz knistert im altertümlichen Herd, die Holzdielen über mir knacken und knarren bei jeder Bewegung, dabei kann es sich nur um umdrehen im Bett handeln, denn riegeroses Schnarchen dringt zu mir herunter. Ich sitze bei Solarenergie betriebenem Licht und hoffe, daß die Sonne stark genug war, um auch die Akkus geladen zu haben und nicht nur strahlend genug um unsere Haut zu verbrennen. Seit gestern 13.30 Uhr sind wir am Bärenkogel in einer Selbstversorgerhütte – muß Holz nachlegen in unsere antike Heizung sonst wird es bitter kalt – und weiter im Text – zwischen 10.00 und 11.00 Uhr haben wir uns alle im Tal getroffen, trotz spärlicher und falscher Wegbeschreibung kamen alle gut beim Gasthaus Lendl an. Falsche Wegbeschreibung deshalb, weil Mann die Daten etwas verkehrt notiert hatte und das Gasthaus Lendl wurde auch kurzer Hand von ihm umbenannt in Loidl. Zum Glück waren wir als erster am Treffpunkt und konnten somit per SMS den Bewirtungsstättennamen richtigstellen. So gegen 11.30 Uhr sind wir das restliche Stück zum endgültigen Autoabstellplatz, im Konvoi, gefahren – verfahren total ausgeschlossen, hier führt nur ein Weg auf den Bärenkogel. Von 6 Autos ließen wir 3 Autos tatsächlich am unteren Parkplatz stehen und die andere Hälfte chauffierte Hab, Gut & Sport-Asse zur Almhütte für Selbstversorger – ein kurzer Umfaller und wir hätten eine bewirtschaftete Hütte zur Verfügung, der Abstand der Hütten dient wohl zum Feuerschutz, würden diese näher aneinander stehen, könnte uns das Essen von Fenster zu Fenster gereicht werden. Da die Schutzhütte Betrieb hat, müssen wir eisern und mit Ellbogentechnik unsere ungehobelten Tische vor unserer Hütte verteidigen. Den Anschein nach waren alle happy, das wir idyllisch und sporadisch wohnen werden in den nächsten 4 Tagen. Alle sind wir herumgekugelt vor der Hütte, nachdem diese umsichtig und genau beäugt wurde. Zuerst haben sich alle an Joschi´s mitgebrachten Säften bedient und diese genossen. Für einige war es zu kalt vor der Hütte, dem anderen Teil war es zu heiß. Nach meinem Sonnenbrand zu urteilen, gehörte ich zu Zweiteren. Uuuuiiiiii Nicolas schreit eben nach seinem Papi (2.30 Uhr) müßte aber eh munter sein, denn kurz bevor ich zu schreiben begonnen habe, war er herunten und nach heftigem Kopf stossen, an der Decke des Durchgangs, ging er Blase leeren. Na bitte Action, eben ist Thomas N. austreten, und das um diese Uhrzeit: o) Muß mal eben nach unserem Feuer sehen, es knistert nur mehr leise. Glüht noch vor sich hin und wird so schnell nicht ausgehen. Mich umschwirrt eine lästige Fliege, wieso sekiert die nicht die Kühe vor unserer Türe? Nun ja es ist etwas wärmer hier herinnen als draußen. Ah, der Mopedfahrer von heute Nachmittag kämpft sich den Berg wieder hinab, ausweichend den Kuhfladen am Weg oder gar Kühen – Verkehr wie in Wien: o) Jedoch heute Nachmittag war es wirklich arg. Ein Auto jagte das andere den Berg hinauf an uns vorbei, Gäste aus der Schutzhütte haben sich sogar ein Taxi heraufkommen lassen, damit sie ins Tal geführt werden. Vernünftiger als so manch anderer Gast, der zu seinem Auto torkelte, um es in Betrieb zu nehmen. Wollen wir mal nicht so negativ denken und davon ausgehen, daß diese Leute eine Gehbehinderung haben, denn sonst wären sie ja nicht mitten in der Kuhweide mit ihrem Vehikel stehen geblieben, um sich die Sonne aufs Hirn brennen zu lassen, da heroben. Also, zurück zu unserem Tagesablauf – nachdem alle erhitzten Gemüter abgekühlt waren, haben wir Thomas H. (Papi) zum Geburtstag gratuliert, welcher ja am getriegem Tage war. Ich, Depp, habe die Geburtstagskerzen vorsichtshalber zu Hause gelassen und somit mußte ein mitgebrachtes Pseudo-Grablicht herhalten. Aber der Wille zählt, nicht das Resultat :o)

Die Torte war den meisten eine willkommene Abwechslung und nach Verzehr, war das Geburtstagskind so brav und hat die benutzten Teller und Gabeln abgewaschen, in unserer sporadischen Kochnische mit Kaltwasser. Tja hier muß man selbst das Wasser zum Abwaschen erst erwärmen. Thomas N. und RobiRob. spielten auf ihren Gitarren, mal alleine mal im Duett. Die Kinder, sofern sie aus der Hütte zu kriegen waren, tobten zwischen den rastenden Kühen herum oder versteckten sich im nahen Wäldchen. Petra versuchte sich ihrem Buch zu widmen und Gerhard tat dies mit seinem Buch, wenn er nicht gerade Holz hackte für unsere Wärm- und Kochstelle. Marion und Joschi erkundeten die Umgebung, Rosi und RobiRob taten es ihnen nach. Aber vorher brachte RobiRob den Herd zum Glühen, naja eher zum Brennen und das Abendessen fand auch vorher statt. Mann macht sich soeben Feinde da oben, denn er sägt den Wald der Umgebung hier ab. Na wäre das wirklich so, hätten wir genügend Brennholz für die nächsten 100 Tage hier heroben. Mittlerweile ist es 3.30 Uhr und ich bin etwas nähre an den Ofen gerückt und habe etwas mehr Holz hinein getan. Draußen ist es noch finstere Nacht und ich überlege ob ich auf den Sonnenaufgang warten soll. In obiger Schnarchhölle ist sowieso nicht an Schlaf zu denken. Aber zurück zu unseren Tagesaktivitäten. Für das Nachtmahl haben wir großzügig eingekauft. Von 5kg Schweinefaschiertem habe ich Vorgestern noch ~ 10 l Spaghettisauce gekocht. Gestern haben wir statt 3 kg gekaufte Spaghetti nur 2kg tatsächlich gekocht und trotzdem blieb von Sauce und Nudel massigst viel übrig. 15 Leute essen doch nicht soviel wie errechnet. Vor allem sind ja 4 Kinder darunter :o)

Nachdem das Essen verzehrt war, wurde Wasser aufgesetzt, um das benutzte Geschirr zu säubern, das zweite mal, denn wir mußten erst abwaschen, um Töpfe mit Zubehör, Teller mit Besteck erstmals benutzen zu können. Einstweilen eifrig abgewaschen wurde, der Abend war schon angebrochen, ging Gerhard, der Kinderschreck, mit den Kindern in den Wald. Kinderschreck deshalb, weil Nicolas alleine aus dem Wald gestürmt kam, auf unsere Hütte zu, und erbärmlich brüllte. Sein Papi stürmte ihm entgegen und zu aller letzt viel Nicolas in seiner Panik auch noch in eine riesen Kuhflade. Naja wird schon eine normale Größe gehabt haben, diese Flade, aber Nicolas mit seinen 3 Jahren paßte super hinein in den Schmutzfleck. Alle haben wir die restlichen Waldbesucher gefragt, wie man ein kleines Kind, auf sich gestellt, alleine aus dem Wald laufen lassen zu kann. Den Kinderschreck mußte ich zurück nehmen, denn die andern waren in eine Bockerl-Schlacht vertieft und niemand merkte das sich Nicolas entschloß zu flüchten. Die übelriechende Kleidung wurde provisorisch gewaschen und zum trocknen über den Ofen gehängt – wie anno dazumal :o) Die restliche Abendgestaltung verlief nicht so aufregend. Unser Duo Thomas-RobiRob spielten auf ihren Instrumenten und fast alle sangen mit – laut, falsch und mit Begeisterung :o) Als die Sonne endgültig verschwunden war und die Sterne am Himmel leuchteten durften die 3 großen Kinder mit den Fackeln vor die Türe gehen, mit Aufsicht natürlich, denn der Umgang mit der Fackel war etwas unkontrolliert, aber spannend. Plötzliche Stille kehrte ein, als die ersten zu Bett gingen bzw. in ihre Schlafsäcke schlüpften.

die Nacht zum 31.05.2002

Wenn 14 Leute gemeinsam schlafen tut sich einiges, jetzt ist Marion wegen eines trockenen Halses herunten, die Uhr zeigt 3.45 Uhr. Noch jemand geistert oben herum, werden doch nicht die Frühaufsteher sein. WWUUAHAHAHAHAHAHA Marion dürfte ihren trocknen Hals im WC hinunterspülen. 4.00 Uhr, die Morgendämmerung setzt ein. Habe bis jetzt erfolgreich den Ofen am brennen erhalten. 4.15 Uhr die Vögel zwitschern schon, Morgentau und Frühnebel hängt an den gegenüberliegenden Bergen. Die "Nachtkühe" haben sich schon lange zurückgezogen, eine Fledermaus fliegt Richtung Tagesstätte. Die Luft vermengt sich mit der Frischluft, die durch das offene Fenster fließt, mit der holzig-gut-duftenden-warmen Ofenluft. Alles knarrt um mich herum. Das Vogelgezwitscher vermischt sich mit dem Schnarchen über mir. Aus der Ferne schallt eine einsame Kuhglocke. Ob der Bergbauer das Melken der Kühe schon abgeschlossen hat? Noch dringt kein Sonnenstrahl durch die zarte Nebelbank in der Ferne. 4.45 Uhr es ist mittlerweile so hell, das ich das Licht abdrehen kann. Marion kämpft gegen Mann´s Schnarchen – ZWECKLOS! Nach einem herzhaften Seufzer von Marion, bin ich nach oben gegangen und habe den Mann geweckt und wollte ihn zu mir locken um den Sonnenaufgang zu beobachten. Erst hat er nicht wollen, aber um 5.00 Uhr stand er dann doch bei mir herunten, nach knapp 4 ½ Stunden Schlaf. Der fast vollende Sonnenaufgang wurde bis zu Letzt von uns beiden genossen, bei einem Spaziergang. Bitterkalt war es noch, aber die Sonne strahlte uns an. Als wir knapp nach 6.00 Uhr zurück kamen legten wir Holz im Ofen nach und stellten Wasser auf, damit warmes Wasser da war zum Waschen. Gegen 7.00 Uhr kam erst Gerhard knapp danach um 7.30 Uhr Marion und Joschi zu uns herunter. Als alle Munteren ihre Katzenwäsche erledigt hatten stieß Michi auch dazu. Nach kurzer Überlegung ob gleich Frühstück oder warten, entschlossen wir uns es gleich in die Tat umzusetzen, somit hatte jede Frühstücksschicht genügend Platz. Michi entdeckte, das die ersten angekommen Kühe der Morgenschicht, durch unser Gatter spazierten. Lockte doch das leuchtend grüne Gras auf der Seite unseres Zaunes so sehr. Joschi und Mann eilten vor die Türe um den Kühen den Weg zurück zu weisen. Joschi bewaffnete sich mit einem Stock, als Mann schon dabei war die Kühe anzutreiben durch das Türchen wieder zurück zu gehen. Ein Bild für Götter, endlich gehorchte jemand dem Mann und Joschi stand hinter den rückziehenden Kühen und schwang sein Steckerl wie ein Zauberer. Mittlerweile ist es 9.15 Uhr, alle haben gefrühstückt und demnächst soll es zu einem 4 Stunden Marsch losgehen. 9.25 Uhr Maxi hat sich auch einen Zauberstab gefunden und jagt nun die Kühe über die Alm, wie der kleine Ziegenpeter von der Heidi. Mittendrin stehen Nicolas und Sophie. 11.30 Uhr der harte Kern maschiert los. Zurück bleiben die 3 großen Kinder, Michi, Mann und ich. Kaum sind die eifrigen Wanderer außer Sichtweite, kommen aus dieser Richtung Massen an Kühe zu uns herunter, getrieben vom Bergbauern am Moped. Die Jungkühe und –stiere erfreuen sich der Freiheit und galoppieren auf uns zu. Ein Spektakel, freudig stürzen sich die Kühe zu einander, begrüßen sich, bocken sich und bemuhen sich aus vollster Lunge. Die ausgeflippten Vierbeiner muhen immer noch, seit gut einer ¾ Stunde. Oh Landidylle wo bist du hin? Die Glocken bimmeln bei jeder Bewegung der Kühe, ob sie grasen, kämpfen oder Fliegen verscheuchen, es BIMT! Kälber muhen nach den Mamas und diese antworten mit einem dumpfen MUH zurück. Ich habe es trotzdem geschafft eine Stunde zu schlafen. Mitten auf der Alm, mitten auf einem Tisch. Kaum die Augen geöffnet, kam als erster der Gerhard zurück, nach 2 Stunden wandern statt 4 Stunden. Wer Gerhards Tempo kennt wird sich nicht wundern, dem war aber nicht so. Auf der Aussichtswarte, die als erster angepeilt wurde um weiterzuwandern, war allen so kalt, daß sie sich zur Umkehr entschlossen hatten. Eingehüllt in allem was an wärmenden mitgenommen wurde, kamen die anderen einer nach dem anderen zurück. Marion war super ausgestattet, denn sie hatte sogar Haube und Handschuhe mit.

Ruhig ist es, was unsere Hüttenbesatzung betrifft, was man von den tausend Kuhglocken um uns herum nicht sagen kann. Seit dem Almabtrieb steht ein junges Kalb und muht ununterbrochen. -Ich denke das war der Ursprung, als der Mensch sich entschloß, aus Kühen Wurst zu machen!- Wo wohl die Mutter geblieben ist?

~ 17.30 Uhr, nach mehreren Beratschlagungen über die Reismenge (3 Tassen) die gekocht werden soll, machten sich Michi und ich an den Abwasch um mit sauberem Geschirr kochen zu können. Mittlerweile dürfte das ganze Geschirr von uns durchgesäubert sein. 2 kg Putenfleisch wurde mühsam mit einem unscharfen Messer in kleine Stücke geteilt, damit wir es ins Risotto schmeißen können. Michi bewachte den Reis und Petra übernahm kurzerhand das Anbraten der Putenstücke. Ich hastete mit Gewürzen durch die Hütte. So gegen 18.30 Uhr war das Nachtmahl fertig und kurz darauf war alles verzehrt. Der Reis war dann doch zu knapp bemessen, viele hätten gerne einen Nachschlag gehabt, nur leider war nichts mehr übrig nachdem jeder eine mittlere Portion hatte. Gesellig saßen wir beisammen und führten hitzige Diskussionen über Pärchen du Singles. Eisig kalt war es als Mann begann Unterschriften zu analysieren. Danach saßen wir gemütlich zusammen in der Hütte, nahe dem wärmenden Ofen und spielten das Post-it-Spiel. Jeder bekam ein schmückendes Post-it auf die Stirn geklebt mit einem Namen bzw. einer Figur darauf und jeder mußte durch Fragen erraten, was auf seinem "Stirnzettel" stand. Nach knapp 2 Stunden war es so weit und das Spiel lag hinter uns. Marion war Robert Lempke, Joschi mußte erraten, das er der Ziegenpeter ist. Thomas N. erriet gleich in der zweiten Runde das er Gina Wild ist, Gerhard mußte auf E.T. kommen. Rosi hatte Minimaus und RobiRob den Winnie Puh auf der Stirne kleben. Thomas H. war Fred Feuerstein und Petra erriet auch sehr schnell das sie Angelika July am Post-it stehen hatte. Michi wurde eingeteilt auf Alm Öhi zu kommen und ich auf Winnie Touch. Zuletzt war Mann in der runde und er kam trotz vieler Tips nicht auf Celine Dion. Gegen Ende des Spieles gab es bei allen schon sehr viele Tips, auf Grund der Spieldauer, nachdem im vorhinein geklärt wurde welche Kriterien bei welchen Fragen gelten. Es durfte nur so gefragt werden das die runde nur mit Ja oder Nein antworten konnte – selten gab es nur eine einfache Antwort, denn es wurde gerätselt ob ja oder nein, leichte Verwirrungstaktik. Nachdem sich die Hälfte der Spielrunde ins Bett begeben hatte, wurde es schummrig. Im Kerzen ausgeleuchteten Raum wollen alle zuerst mit Geister- und Gespenstergeschichten beginnen, jedoch zog ich die Notbremse. Die Kinder über uns waren noch munter. Also wurde losgelegt mit lustigen Geschichten. Nachdem beide Thomas gemeinsam eine Flasche Wodka mit Cola geleert hatten, ging es rund. Enstehungen des Lebens nahmen Ursprünge die kaum nachvollziehbar sind, genauso wie die Wiedergeburt. Noch weniger nachvollziehbar war die lachende Kuh, die beim Fenster hereinzuschauen scheinte oder sollte. Marion wechselte dann ihren Sitzplatz, welcher beim Fenster war., Draußen war es finsterste Nacht und es war nichts zu sehen! Wer sitz schon gerne unter solch einem blinden Fenster!? Sprunghaftig das Thema gewechselt landete die Ulkerei bei Horrorfilmen und wie diese immer beginnen. In der Rauchpause im Vorraum, drinnen wurde nichts geraucht, fiel dem Gerhard die Axt in die Hand und nach Übergabe an Thomas N. fing der Tumult im dunklen Draußen statt. Thomas grinste mit der Axt in der Hand ins Zimmer hinein, wo Marion saß in sicherer Entfernung vom Fenster, da war ja noch die Erinnerung an die lächelnde Kuh :o). Dem nicht genüge getan, meinten die beiden Thomas dem Mann beim Kacken Angst zu machen [mehr wie ankacken ginge ja nicht :o)] und liefen grölend hinters Haus zum WC-Fenster. A Gaudi ohne Ende, wenn man die Konsequenzen außer acht läßt, die Axt war ja dabei. Etwa gegen 24.00 Uhr bleiben nur mehr die Thomas´e und Marion in der Stube. Wir anderen zogen uns zurück in unsere Schlafsäcke. Ich war zu dieser Zeit fast 52 ½ Stunden munter und immer noch nicht wirklich müde, aber nachdem ich in meinem Schlafsack eingewickelt war, überredete ich mich zum Augen schließen. Im Gegensatz zum Vortag, wo ich alles mitbekam, bekam ich in dieser Nacht nichts mit. Ich schlief wie ein Koma-Patient, gut da wäre dahin gestellt was die mitbekommen, ich schlief wie eine Tote.

1.6.2002

Wann immer auch alle anderen aufgestanden sind, ich kroch um 9.30 Uhr aus den provisorischen Federn. Unten angekommen hatten schon fast alle gefrühstückt und waren putz munter. Schnell 2 Toast und 3 Tees wurde kurzerhand festgestellt wohin unsere heutige Wanderung gehen sollte. Wir hatten einen leicht ansteigenden Weg zur Rosseggerhütte ausgewählt. Als Hüttenhirte blieben Rosi und RobiRob zurück, Marion verkroch sich ins Matratzenlager. Kaum die erste Steigung hinter uns gelassen, entschieden Joschi und Gerhard das sie auf den Grazer Stuhleck hasteten, wandern kann man das nicht nennen. Joggen wäre auch nicht die richtige Tempobeschreibung. 1/3 der Strecke war geschafft, als Petra die beiden Thomas und Nicolas den Retourweg einschlugen. Sophie entschied sich ein paar Minuten später zur Umkehr, zur Hütte. Sie stieß aber bald auf die vorerst Umgekehrten. Bernhard, Maxi, Michi, Mann und ich erreichten nach knapp einer Stunde das Rosseggerhaus. Wir hatten durchwegs schönes Wetter, da Michi eifrig ihren Sonnensong sang. Erst wollte sie Regen herauf beschwören mit "Hejo spann den Wagen an, seht der Wind treibt Regen übers Land,...." worauf sich die Wolken vor die Sonne schoben. Ich protestierte energisch gegen den Regensong und tatsächlich als Michi "Sunshine Sunshine reagge" trällerte kämpfte sich die Sonne eilig durch die Wolken um uns zu wärmen.

Die einzigen €uros zusammengekratzt gönnten wir uns beim Rosseggerhaus zu 5 eine "ur" gute Bretteljause mit allem drum und dran, außer einer Butter und einem Schnaps *blödgrins*. Gestärkt quälten wir uns auf die Aussichtswarte und genossen die Aussicht rund um uns. Leider war es recht diesig in der Ferne um die Berge namentlich zuzuordnen, wobei dies bei Fernsicht auch ein Problem gewesen wäre, wir sind ja nicht Bergweltkundig. Da dort Leute angefangen haben mit Steinen ihren Namen ins Gras zu legen, hirschten wir emsig rund um die Warte und verewigten uns auch. Joschi und Gerhard trafen auf uns, als wir bei den letzten Namen waren. Kurz und bündig getroffen, beim nach Hause Weg schon wieder getrennt. Bernhard schloß sich den Bergrasern an und wir schlugen den bequemeren Heimweg ein, mit einem beleidigten Maxi denn der wäre gerne mit den Dreien gewandert, jedoch denke ich hätte er als Bremse fungiert. Um etwa 17.00 Uhr waren wir zurück bei der Hütte und erfuhren das die Hallers den Weg nach Wien vorbereiteten. Thomas hatte nicht nur mit seiner Allergie zu kämpfen sondern auch mit einem brummenden Kopf, wegen der ständigen "Mit-den-Kopf- durch-die-Wand-Versuchen". Verzweifelt versuchte er mit seinem Kopf den Durchgang in der Hütte zu vergrößern, was auch Joschi und Thomas N. immer wieder versuchten *schelmischgrins*. Bei mir keimte ein wenig Neid auf, denn Petra, Thomas und Nicolas konnten schon einen Tag früher in ihren sauberen, Staub freien Betten schlafen, nach einer heißen ausgiebigen Dusche. Aber noch war die Abfahrt der drei noch fern. Joschi stellte die Kartoffel zu um sie für das Kartoffelgulasch zu erweichen. Es war ca. 18.00 Uhr als Roland, Florian und Fabian bei uns ankam, die Nachzügler waren nun auch auf der Hütte, rechtzeitig für unser zweites Gruppenfoto, welches zu diesem Zeitpunkt entstand. Das Kartoffelgulasch aus 5kg Kartoffel und 10 Paar Frankfurter war verhältnismäßig schnell fertig und wurde nicht zur Gänze verputzt, trotzdem sich einige eine 2 Portion geholt hatten. Die Sonne stand noch über den Bäumen, als die Hallers endgültig die Wienfahrt antraten.

Einige Zeit später, es war noch nicht vollkommen dunkel, sammelten wir uns zu einem Fackelzug zusammen, der enden sollte an dem vorbereiteten Lagerfeuer. Die Wartezeit verkürzend, bis die Sonne hinter den Wald verschwunden war, lagerten wir neues Brennholz in der Hütte ein. Brav halfen alle Kinder mit und mit der letzten Fuhre Holz, mit einer defekten Scheibtruhe, bildeten wir eine Menschenkette und füllten den Rest auf in der Holzkammer. Wir spazierten bei Einsetzen der Dämmerung den Berg hinauf, entzündeten die Fackeln und schlenderte den Berg wieder hinab. Wir bildeten einen Kreis um das Lagerfeuer und jeder legte seine Fackel hinein um das Holz zu entzünden. Der zurückgebliebene, nun einzige, Thomas wurde genötigt auf seiner Gitarre zu spielen und wir sangen ein paar Worte mit, von den vielen Liedern. Wir genossen das Spiel des Feuers und die Kinder das Spiel mit dem Feuer. So rund um 22.00 Uhr zogen sich Roland, Fabian und Sophie in ihre Schlafsäcke zurück. Es war bereits 23.00 Uhr als wir uns in die Hütte zurückzogen. RAGE stand heute am Spielplan, welches Gerhard, Joschi, Mann und Thomas spielten. Knapp nach Spielbeginn waren Marion, Rosi und RobiRob in ihren Schlafsäcken verschwunden. Knapp nach 24.00 Uhr verließ Thomas das Spiel um sich seinen Träumen hinzugeben kurz gefolgt von Michi. Der eiserne Spielekern spielte um 1.00 Uhr immer noch Rage in aller Ruhe, als die drei Musketiere, namens Bernhard, Maxi und Fabian, in die Schlafsäcke verbannt wurden. Der Konzentration nicht mehr mächtig, zog der Rest von uns um 1.30 Uhr Richtung oberes Geschoß zu den Schlafstellen. Ein bißchen geplauscht und gekichert und es wurde Still, zumindest für mich.

02.06.2002

Eigentlich waren alle munter als ich aufstand, halt nein, Thomas, Marion und Maxi mützelten noch und mußten gerüttelt werden. Ansonsten ging es schon recht emsig zu. Alle wollten noch schnell ein Frühstück erhaschen, bevor der Ofen ausgekühlt war. Schließlich waren alle gestärkt und so gegen 9.00 Uhr begann der Hüttenputz. Wie in einem Ameisenhaufen ging es zu. Hinein, hinaus, hinauf, hinunter, nach hinten, nach vorne, knapp aneinander vorbei, ups gerempelt, Stopp bevor die Türe auf einer Nase landet,.... und tatsächlich schafften wir es klar Schiff zu machen. Thomas & Joschi beluden ihre Autos mit Sack, Pack und Müllsäcken und nach einem gemeinsamen Zickzacke setzte sich der Wandertrupp in Bewegung. Joschi übergab die Hütte einstweilen wir schon den Abstieg begannen. Action auch noch beim Abstieg! Bernhard, Florian und Maxi eilten uns voraus und erst später, als Thomas und RobiRob mit dem Auto an uns vorbei fuhren, haben wir erfahren, das die drei Helden hinter uns waren. RobiRob erzählte das er die drei aufgescheucht hatte, da sie auf einer Bank saßen und Gameboy spielten. Die Drei müssen sich vor uns versteckt haben, denn wir gingen in einer 8-Gruppe hinunter zum Parkplatz. Sophie und Fabian waren Gott sei Dank bei uns. Im Eiltempo zogen alle möglichen und unmöglichen Bilder an meinem inneren Auge vorüber. Ich spürte die Panik bzw. Angst die ich gehabt hätte, wenn wir unten ankamen und die 3 wären nicht da gewesen obwohl sie vor uns los gegangen sind. Zum Glück war Michi da, die mich an der Hand nahm, die Marion die bettelte, das ich nicht ausrasten sollte und alle waren sich einig, daß die drei sich ja nicht verlaufen könnten und wir sollten weiter gehen und unten auf die Gameboy-Süchtigen warten. Sie waren dann knapp 5 Minuten nach uns unten und ich kassierte den Gameboy vom Maxi ein. Im Konvoi, wie bei der Ankunft, fuhren wir zum Gasthaus Lendl zu einem geselligen Verabschiedungstrunk, sofern er serviert wurde. Um 12.30 Uhr waren wir bereits auf dem Weg zur Autobahnauffahrt, wo sich unsere Wege nach 4 Tagen zusammen sein, trennten. Die Heimfahrt verlief ohne Komplikationen und sehr still, da Maxi und Sophie schliefen. Um 13.40 Uhr waren wir zu Hause und genossen eine Accord-Dusche. Nun waren wir wieder saubere zivilisiert aussehende Leute!

RESÜME der Tagebuchschreiberin:

Trotz Unstimmigkeiten und feindseligen Situationen, denke ich doch, das wir gemeinsam sehr zivilisiert miteinander umgegangen sind. Vor allem wenn man bedenkt wieviele Leute auf engstem Raum zusammen waren. Drücken wir es einmal so aus, keiner ging mit einem blauen Auge nach Hause, eher mit mehr Erfahrung. Die Wohnverhältnisse waren staubig und einfach – gewöhnungsbedürftig wäre falsch ausgedrückt, gewöhnlich wird so etwas nie. Die Nächte waren kurz, beeinträchtigt von Schnarch und Pfurz. Das Essen war einmal zu viel dann zu wenig – aber aus Erfahrungen lernt man. Da Joschi und ich diesen Hüttenzauber bzw. so etwas in dieser Form, zum ersten mal organisiert haben werden wir, sofern es ein nächstes mal gibt, wissen wie wir es besser machen können!