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Das österreichische
Politikverständnis


1. Politisches Interesse
2. Politische Effektivität
3. Institutionenvertrauen
4. Politisches Informationsverhalten
5. Politische Beteiligungsstile
6. Demokratieverständnis und
Politikbild

7. Internationaler Vergleich

ZAP

2. Politische Effektivität

Für Österreich läßt sich ein langsamer, aber stetiger Anstieg staatsbürgerlicher Kompetenz nachzeichnen: noch in den siebziger und frühen achtziger Jahren wurde der politische Prozeß mehrheitlich als weitgehend unverständlich und Stimmabgabe bei Wahlen im Regelfall als einzige Möglichkeit angesehen, auf die Regierung Einfluß zu nehmen. Das politische Effektivitätsbewußtsein der österreichischen Bevölkerung lag deutlich unter den einschlägigen Werten in Westdeutschland, den Niederlanden, Großbritannien und den USA. Ein Vierteljahrhundert später glaubt eine Mehrheit der österreichischen Bevölkerung, einen guten Einblick in die Probleme des Landes zu haben, und rund vier von zehn sind überzeugt, das politische Geschehen zu verstehen und sich in einer politischen Funktion bewähren zu können.

Als Fazit bleibt jedoch, daß der Glaube an die Responsivität der politischen Eliten in Österreich weiterhin gering ist und tendenziell noch immer unter den – ebenfalls nur schwach ausgeprägten – Werten für die Bundesrepublik Deutschland liegt. Glaubte in Österreich nur jeder Vierte, auf Regierungsentscheidungen Einfluß nehmen zu können, war es in Deutschland 1998 immerhin jeder Dritte. Was hingegen Zweifel an der Responsivität politischer Parteien betrifft, ist die Parteienskepsis in Deutschland noch verbreiteter als die ohnehin ernüchternden Werte in Österreich.

Interne und externe Effektivität stehen zwar miteinander in Zusammenhang, repräsentieren aber verschiedene Dimensionen, die auch bei einzelnen Personen unterschiedlich ausgeprägt sind. Die Kombination beider Einstellungsebenen ermöglicht ein differenzierteres Bild des politischen Effektivitätsbewußtseins der Österreicher wie verschiedener Subgruppen der Bevölkerung. Eine statistische Clusteranalyse (hierarchische Clusterung) ergab insgesamt sechs Einstellungskombinationen

  • Optimistische Kompetenz: Angehörige dieses Typs verfügen über eine positive Einschätzung der eigenen Fähigkeiten wie der Responsivität des politischen Systems. 15 Prozent der Österreicher zählen zu diesem Typus.
  • Optimistische Kompetenzschwäche: Angehörige dieses Typs haben nur wenig Vertrauen in die eigene politische Kompetenz, glauben aber an die Responsivität des politischen Systems. Konsequenterweise hat auch rund die Hälfte ein positives Bild von Politikern. 13 Prozent der Wahlberechtigten fallen in diese Kategorie, überdurchschnittlich junge Menschen und Arbeiter.
  • Pessimistische Kompetenzschwäche: Die beiden Cluster vereinen insgesamt 27 Prozent der Wahlberechtigten. Charakteristische Merkmale sind bei Angehörigen beider Typen ausgeprägte Zweifel an den eigenen politischen Fähigkeiten wie an der Offenheit und Beeinflußbarkeit des politischen Systems. Frauen sind in diesem Typus mehr als doppelt so häufig vertreten wie Männer.
  • Pessimistische Kompetenz charakterisiert die Einstellungen von 13 Prozent der Wahlberechtigten: es handelt sich dabei um Personen die sich für politisch qualifiziert halten, aber im politischen System zu wenig Handlungsspielraum für gezielte Aktivitäten erblicken. Ein Teil dieses Typus sieht das politische System generell als wenig beeinflußbar – es sind dies weniger gebildete Personen, die der SPÖ zuneigen.
  • Verhaltenen Pessimismus, was ihre politische Effektivität betrifft, zeigen 12 Prozent: Das politische System gilt als wenig beeinflußbar, die eigene politische Kompetenz wird als eher mäßig beurteilt. Soziodemographisch sind Männer sowie mittlere und ältere Jahrgänge unter Angehörigen dieses Typs überrepräsentiert. Politisches Interesse wie der Eindruck des Politikversagens sind verbreitet.
  • Zögerliche Unbestimmtheit: Angehörige dieses Typs sehen sich weder besonders politisch qualifiziert, noch definitiv unqualifiziert. Ähnlich inkonsistent fällt auch die Einschätzung der Responsivität des politischen Systems aus. 22 Prozent der Österreicher zählen zu diesem Typus, Frauen häufiger als Männer, Jüngere häufiger als Ältere.

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