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Das österreichische
Politikverständnis


1. Politisches Interesse
2. Politische Effektivität
3. Institutionenvertrauen
4. Politisches Informationsverhalten
5. Politische Beteiligungsstile
6. Demokratieverständnis und
Politikbild

7. Internationaler Vergleich

ZAP

3. Vertrauen in politische Institutionen

Für demokratische Systeme wird ein gewisses Maß an Vertrauen der Bürgerinnen und Bürger zu den wichtigen politischen Institutionen für unverzichtbar erachtet. Politische Implementierungsinstitutionen wie Gerichte, Polizei und Behörden stehen an der Spitze der institutionellen Vertrauenshierarchie. Ihnen wird – bei allen situationsbedingten Schwankungen – von einer absoluten oder relativen Mehrheit der Staatsbürger Vertrauen ausgesprochen; mehr oder minder artikuliertes Mißtrauen bleibt auf vergleichsweise kleine Minderheiten beschränkt (Polizei: 12 Prozent, Gerichte: 19 Prozent, Behörden und Ämter: 19 Prozent geringes oder kein Vertrauen im Jahr 2001). Dieser Befund gilt für alle relevanten soziodemographischen und politisch-weltanschaulich definierten Gruppen, d.h. es existiert ein beträchtlicher Vertrauenspolster der "Alltagsinstitutionen" des Staates, der auch kurzfristige Irritationen und Einbrüche im Vertrauensniveau anderer Institutionen abzufedern imstande ist.

Intermediäre Institutionen des gesellschaftlichen Pluralismus (Gewerkschaften und Medien) sowie wettbewerbsorientierte politische Institutionen, also Parteien, Parlament und Regierung, gelten hingegen als weit weniger vertrauenswürdig. Den politischen Parteien wird von 55 Prozent Mißtrauen entgegengebracht; bei der Gewerkschaft trifft dies auf 48 Prozent, beim Parlament auf 33 Prozent und bei der Regierung auf 42 Prozent zu. Mangelndes Vertrauen prägt auch die vorherrschende Stimmung gegenüber der Europäischen Union, eine Haltung, die – bei allen parteipolitischen Unterschieden im Detail – unter den Österreicherinnen und Österreichern weit verbreitet ist. Der Bundespräsident hatte lange Zeit einen besonderen Status, weil er im Regelfall außerhalb tagespolitischer Auseinandersetzungen stand und (in der Zeit vor Waldheim) von kritischer massenmedialer Berichterstattung weitgehend verschont blieb. Auch der amtierende Bundespräsident erfreute sich zunächst einer unangefochtenen Vertrauensbasis, bis er später punktuell in das Kreuzfeuer massenmedialer Kritik geriet, was sich in den Vertrauenswerten niederschlug.

Die Entwicklung des Institutionenvertrauens ist von Schwankungen geprägt, wobei in den neunziger Jahren insbesondere bei Angehörigen der unteren Bildungsschichten ein ausgeprägter confidence gap zu beobachten war. 2001 wiesen hingegen alle Implementierungsinstitutionen und die Massenmedien ein höheres Vertrauensniveau auf als in den Vorjahren. Auch bei wettbewerbsorientierten politischen Institutionen war eine leichte Verbesserung (Parlament, Regierung) bzw. Stabilisierung (Parteien, Bundespräsident) der öffentlichen Vertrauensbasis festzustellen.


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