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Analyse der
Nationalratswahl 1999


0. Vorbemerkung
1. Ausgangslage
2. Zeitpunkt
3. Wechselwähler
4. Beweggründe
5. Wahlverhalten
6. Traditionelle Determinanten
7. Massenmedien
8. Parteiensystem
9. Literaturverweise
10. Die Autoren

ZAP

3. Wahlverhalten der Wechselwähler


18 Prozent der Wähler vom 3. Oktober haben laut eigener Aussage 1999 eine andere Partei gewählt als bei den Nationalratswahlen 1995, was in etwa dem Schnitt der Wahlgänge der neunziger Jahre entspricht. Die leichte Abnahme an Wechselwählern von 1995 auf 1999 ist dabei vor dem Hintergrund der stark gestiegenen Wahlenthaltung zu sehen, von der die SPÖ ungleich stärker getroffen wurde als die ÖVP.

Tab.: Wechselwähleranteil (party changers) bei Nationalratswahlen (1979–1999)

In Prozent der Wähler und Wählerinnen der NRW

1979

1983

1986

1990

1994

1995

1999

... haben diesmal eine andere Partei gewählt

7

10

16

17

19

20

18

Quelle: FESSEL-GfK, Nachwahlbefragungen bzw. Exit Polls (1986–1999).

Das Profil der Wechselwähler unterscheidet sich in einigen Punkten sichtbar vor dem der Wählerschaft insgesamt. Die relativ stärkste Gruppe bilden die 30-44jährigen mit 44 Prozent aller Parteiwechsler, stark überdurchschnittlich vertreten sind Maturanten/ Akademiker (50 Prozent) und Angestellte (38 Prozent). Umgekehrt liegt der Anteil an Parteiwechslern in der älteren Wählergeneration und der unteren Bildungsschichte deutlich unter dem Durchschnitt. Geschlechtsspezifische Differenzen sind in Summe vergleichsweise gering, bei einer detaillierten Analyse aber durchaus sprechend: so sind 63 Prozent der SPÖ-Abwanderer zur FPÖ und 57 Prozent der ÖVP-Abwanderer zur FPÖ Männer.

 

Tab.: Strukturprofil der Wechselwähler 1999

In Prozent

Wähler (insgesamt)

Wechselwähler

Männer

52

50

Frauen

48

50

 

100%

100%

unter 30-Jährige

21

20

30–44-Jährige

32

44

45–59-Jährige

28

24

60–69-Jährige

11

8

70-Jährige und älter

9

4

 

100%

100%

Selbständige, Unternehmer, freie Berufe, Landwirte

11

13

Beamte

9

11

Angestellte

31

38

Arbeiter

15

11

Hausfrauen

9

10

Pensionisten

20

13

in Ausbildung

5

5

 

100%

100%

Pflichtschulbildung

17

10

Fachschulbildung

46

40

Maturanten/Akademiker

37

50

 

100%

100%

Quelle: FESSEL-GfK, Exit Poll (1999).

Wie bei allen Wahlen seit 1986 konnte die FPÖ mit 37 Prozent (1999) den höchsten Anteil an Wechselwählern für sich verbuchen, gefolgt von 17 Prozent bei den GRÜNEN, 16 Prozent für die ÖVP und 15 Prozent für die SPÖ. Wahlanalytisch gesehen hatten jeweils 83 Prozent der SPÖ- und ÖVP-Wähler schon 1995 die jeweilige Partei gewählt, die ÖVP konnte etwas mehr an früheren GRÜN- und LIF-Wählern für sich gewinnen als die SPÖ. Bei FPÖ-Wählern von 1999 rekrutieren sich ca. 60 Prozent aus früheren FPÖ-Wählern, die FPÖ konnte zudem mehr ehemalige Wähler von der SPÖ für sich gewinnen als von der ÖVP. Auch die GRÜNEN erzielten mehr Zuwächse von der SPÖ als von der ÖVP. Mit 8% bzw. 9% liegt der Erstwähleranteil bei FPÖ und GRÜNEN deutlich über jenem von SPÖ (4%) und ÖVP (3%).

 

Tab.: Wahlverhalten der Wechselwähler (1986–1999)

In Prozent der Wechselwähler haben gewählt*)

SPÖ

ÖVP

FPÖ

GRÜNE

LIF

DU

NRW 1986

10

24

39

22

n.k.

n.k.

NRW 1990

15

11

51

9

n.k.

n.k.

NRW 1994

9

10

40

15

24

n.k.

NRW 1995

25

21

34

5

13

n.k.

NRW 1999

15

16

37

17

8

4

Quelle: FESSEL-GfK, Exit Polls (1986–1999).
*) Differenz auf 100%: Sonstige Parteien und Rundungsfehler.
n.k. = nicht kandidiert.

Tab.: Politische Rekrutierung der Parteiwählerschaften

In Prozent

SPÖ

ÖVP

FPÖ

GRÜNE

LIF

SPÖ-Wähler 1995

83

3

13

18

9

ÖVP-Wähler 1995

3

83

10

11

16

FPÖ-Wähler 1995

2

2

60

3

1

GRÜN-Wähler 1995

2

4

1

40

17

LIF-Wähler 1995

1

3

1

11

43

Erstwähler 1999

4

3

8

9

6

Nichtwähler 1995

3

1

4

3

2

 

100%

100%

100%

100%

100%

Quelle: FESSEL-GfK, Exit Poll (1999).
Anmerkung: Aufgrund der statistischen Unschärfe gestattet die Tabelle nur vorsichtige Einblicke in markante Rekrutierungsmuster. Es handelt sich dabei um Tendenzwerte, die nicht mit einer Wählerstromanalyse auf Basis von aggregierten Wahldaten zu verwechseln ist. Rest auf 100% ist keine Angabe über Wahlverhalten 1995.


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