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Analyse der
Nationalratswahl 1999


0. Vorbemerkung
1. Ausgangslage
2. Zeitpunkt
3. Wechselwähler
4. Beweggründe
5. Wahlverhalten
6. Traditionelle Determinanten
7. Massenmedien
8. Parteiensystem
9. Literaturverweise
10. Die Autoren

ZAP

4. Zentrale Beweggründe der persönlichen Wahlentscheidung


Wahlmotive Pro SPÖ

Jeweils knapp zwei Drittel der SPÖ-Wähler begründeten ihre Entscheidung für die Sozialdemokratische Partei mit der Sicherung der politischen und sozialen Stabilität durch die SPÖ (65 Prozent) bzw. mit Motiven der Interessenvertretung und Tradition (62 %). An dritter Stelle folgten die Sicherung von Arbeitsplätzen und sozialen Leistungen (55%). Das Eintreten der SPÖ für die Erhaltung der Neutralität und gegen einen NATO-Beitritt war für 44% der SPÖ-Wähler ein zentrales Wahlmotiv, die Verhinderung einer schwarz-blauen Koalition für 38%. An letzter Stelle der gestützten Wahlmotive ("reasons") steht der SPÖ-Spitzenkandidat Viktor Klima mit 35%.

Tab.: Motive für die Wahl der SPÖ (gestützte Fragestellung)

Mehrfachnennungen in Prozent

SPÖ-Wähler und Wählerinnen

SPÖ-Stamm

SPÖ-Zuwanderer

- weil die SPÖ die politische und soziale Stabilität sichert

65

68

57

- weil sie meine Interessen am ehesten vertritt bzw. aus Tradition

62

67

25

- weil sie für die Sicherung der Arbeitsplätze und der sozialen Leistungen eintritt

55

57

44

- weil die SPÖ für die Erhaltung der Neutralität und gegen einen NATO-Beitritt eintritt

44

45

35

- weil die SPÖ eine schwarz-blaue Koalition mit Jörg Haider in der Regierung verhindern will

38

37

46

- wegen der Persönlichkeit Viktor Klimas

35

36

30

Quelle: FESSEL-GfK, Exit Poll (1999).

 

Wahlmotive Pro ÖVP

Die Liste der Pro ÖVP-Motive wird von Interessenvertretung und Tradition angeführt (69% der ÖVP-Wähler). Relativ gleichwertig sind die Wirtschaftskompetenz der ÖVP (44 Prozent), die Verhinderung instabiler Verhältnisse (44 Prozent) und der Wunsch, ein Überholen der ÖVP durch die FPÖ zu verhindern (40 Prozent). Es folgen das Eintreten der ÖVP für die Förderung der Familie und die Persönlichkeit des ÖVP-Spitzenkandidaten (35% bzw. 22%). Markante Unterschiede finden sich freilich zwischen ÖVP-Stammwählern und Zuwanderern zu ÖVP von anderen Parteien. In der letztgenannten Gruppe rangiert das Verhindern eines Abrutschens der ÖVP hinter die FPÖ mit 59 Prozent an der ersten Stelle; 50 Prozent nennen zudem die Verhinderung instabiler Verhältnisse. Auch in den Wahlmotiven zugunsten der ÖVP zeigt sich somit die Wirkung der wahlpolitischen Mobilisierung des der ÖVP nahestehenden Wählerpotentials in der Schlußphase des Wahlkampfes.

Tab.: Motive für die Wahl der ÖVP (gestützte Fragestellung)

Mehrfachnennungen in Prozent

ÖVP-Wähler und Wählerinnen

ÖVP-Stamm

ÖVP-Zuwanderer

- weil sie meine Interessen am ehesten vertritt bzw. aus Tradition

69

72

46

- damit in Österreich keine instabilen Verhältnisse entstehen

44

43

50

- weil die ÖVP mehr von der Wirtschaft versteht

44

46

31

- damit die ÖVP nicht von der FPÖ überholt wird

40

38

59

- weil sie für die Förderung der Familien eintritt

35

35

41

- wegen der Persönlichkeit Wolfgang Schüssels

22

22

20

Quelle: FESSEL-GfK, Exit Poll (1999).

 

Wahlmotive Pro FPÖ

Für die FPÖ sprachen aus Sicht ihrer Wählerinnen und Wähler vor allem die Aufdeckung von Mißständen und Skandalen (65 Prozent) und der Wunsch nach frischem Wind und Veränderung (63 Prozent). Das Ausländerthema war hingegen nur für 47 Prozent der FPÖ-Wähler von zentraler Bedeutung (Rang vier hinter Interessenvertretung und Tradition). Soziodemographisch gesehen spielte das Eintreten gegen ausländische Zuwanderung vor allem für weibliche Pensionisten (zwei Drittel) und Arbeiter (die Hälfte) eine größere Rolle. Sowohl die Persönlichkeit Jörg Haiders (40 Prozent) und Denkzettelmotive gegen die beiden Koalitionsparteien (36%) waren vergleichsweise nachrangiger.

Tab.: Motive für die Wahl der FPÖ (gestützte Fragestellung)

Mehrfachnennungen in Prozent

FPÖ-Wähler und Wählerinnen

FPÖ-Stamm

FPÖ-Zuwanderer

- weil die FPÖ schonungslos Mißstände und Skandale aufdeckt

65

68

65

- weil die FPÖ frischen Wind und Veränderung bringt

63

65

62

- weil sie meine Interessen am ehesten vertritt bzw. aus Tradition

48

55

37

- weil die FPÖ gegen die Zuwanderung von Ausländern eintritt

47

52

39

- wegen der Persönlichkeit Jörg Haiders

40

45

33

- um den beiden Koalitionsparteien einen Denkzettel zu geben

36

30

49

Quelle: FESSEL-GfK, Exit Poll (1999).

 

Wahlmotive Pro LIF

Die stärksten Wahlmotive für das LIF waren der Wunsch, das LIF weiterhin im Nationalrat vertreten zu sehen (73%) und das Eintreten für Menschenrechte, Frauenanliegen und mehr Liberalität (70%). Eine mittlere Wertigkeit nehmen die Person von Heide Schmidt, die Abgrenzung gegenüber der FPÖ und Stammwählermotive ein. Die Positionierung des LIF gegen zuviel Staat und Bürokratie spielte die geringste Rolle für ein Pro-LIF Votum.

Tab.: Motive für die Wahl des Liberalen Forums (gestützte Fragestellung)

Mehrfachnennungen in Prozent

LIF-Wähler und Wählerinnen

- damit das LIF auch weiterhin im Nationalrat vertreten ist

73

- weil es für Menschenrechte, Minderheiten, Frauenanliegen und mehr Liberalität eintritt

70

- wegen der Persönlichkeit Heide Schmidts

55

- weil es meine Interessen am ehesten vertritt bzw. aus Tradition

52

- weil es sich deutlich gegen Haider und die FPÖ abgrenzt

52

- weil es ernsthaft gegen zuviel Staat und Bürokratie ankämpft

42

Quelle: FESSEL-GfK, Exit Poll (1999).

 

Wahlmotive Pro GRÜN

Primäre Wahlmotive für die GRÜNEN waren aus Sicht ihrer Wählerinnen und Wähler der Einsatz für Umweltschutz (68 Prozent) und für Menschenrechte, sozial Schwache und Anliegen der Frauen (60 Prozent). Vergleichsweise stark auch das engagierte Eintreten gegen Ausländerfeindlichkeit und Rechtsradikalismus (58 Prozent) und die Persönlichkeit von GRÜN-Spitzenkandidat Van der Bellen (57 Prozent). Im längerfristigen Vergleich ist zudem zu vermerken, daß die Person des Spitzenkandidaten für eine Wahlentscheidung Pro-GRÜN 1999 weit stärker wirkte als bei allen früheren Nationalratswahlen seit 1986, sprich daß GRÜN-Wähler diesmal eine weit kandidatenzentriertere Orientierung aufweisen als je zuvor. Bei den Zuwanderern zu den GRÜNEN von anderen Parteien stellte die Person Van der Bellen mit 65 Prozent sogar das stärkste Wahlmotiv dar.

Tab.: Motive für die Wahl der GRÜNEN (gestützte Fragestellung)

Mehrfachnennungen in Prozent

GRÜN-Wähler und Wählerinnen

- weil sie sich ernsthaft für den Umweltschutz einsetzen

68

- weil sie sich für Menschenrechte, sozial Schwache und für die Anliegen der Frauen einsetzen

60

- weil sie engagiert gegen Ausländerfeindlichkeit und gegen Rechtsradikalismus eintreten

58

- wegen der Persönlichkeit Alexander Van der Bellens

57

- weil sie meine Interessen am ehesten vertreten bzw. aus Tradition

34

- weil sie schonungslos Mißstände und Skandale aufdecken

25

Quelle: FESSEL-GfK, Exit Poll (1999).


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