Athos im Juni 2006

Der "Nasenbär" ist mittlerweile kastriert und war doch nur ein "halber Mann", da ein Hoden in der Bauchhöhle war und gar nicht abgestiegen ist. Vielleicht erklärt sich so sein fehlendes Katerverhalten - nach der Kastration ist er genauso lieb und anhänglich wie zuvor und er erholte sich auch rasch. Es war gar nicht so leicht, ihm ein paar Tage "Bettruhe" zu verordnen.... Ich vertrieb mir die Zeit unter anderem damit, für eine deutsche Webplattform, die vor Kittenkauf bei unseriösen "Züchtern" warnt, das positive Erlebnis mit Athos einem der geschilderten Fallbeispiele gegenüberzustellen. Prompt rief dies jene auf den Plan, die befürchteten, das Geschäft mit ahnungslosen KundInnen werde verdorben, wenn diese sich eine Checkliste anfertigen können. Man verglich den verwendeten Fall eines Kätzchens, das ohne Stammbaum, mit gefälschter Altersangabe, verschnupft, untergewichtig, ohne Impfschutz, ängstlich, mit dauerhaft geschwächtem Immunsystem (wie einige andere Tiere aus einer "Zucht") verkauft wurde, einfach mit dem "Erwerb" von Athos.


Athos im Juni 2006

Wie das, wo Athos kerngesund war und ist, selbst nach einer Operation voll Power ist, während sich das erwähnte Kätzchen nach Bericht der verzweifelten Besitzerin (auch nach einer Operation) nur langsam erholte? Wo mein Kater voll geimpft, mit Stammbaum und gut sozialisiert abgegeben wurde, seine Eltern auf HCM und HD untersucht wurden, was mit seinen Brüdern und deren Nachzucht regelmäßig passiert? Nun, Athos' Urgroßvater Rumford Boxcar Willy wurde positiv auf HCM getestet, er soll homozygot sein, das heisst, auf jeden Fall ein Gen an die nächste Generation weitergeben. Fragt sich aber, welches Gen, da drei oder vier in Sachen HCM im Gespräch sind. Der Test ist übrigens umstritten, da es beispielsweise einen 16jährigen kerngesunden positiv getesteten Kater in den USA gibt. Auch Willy geht es gut, der mittlerweile 12 Jahre alt ist und neben seiner Besitzerin bei Rumford Maine Coons saß, als diese meine Mails beantwortete.

Willy hatte immer gute Ultraschallbefunde, da seriöse ZüchterInnen ihre Zuchtkatzen so auf Unregelmäßigkeiten in der Herztätigkeit untersuchen lassen. Umso größer dann der Schock beim Gentest, der erstmal die Konsequenz hatte, den Kater aus der Zucht zu nehmen. In der Pferdezucht ist derlei schon länger üblich, sodass manche Rassen oder Pferde bestimmter Farben (oft freiwillig) genetisch untersucht werden, bevor mit ihnen gezüchtet wird. Da gibt es die Muskelerkrankung HYPP beim American Quarter Horse basierend auf dem Hengst Impressive oder die Immunschwäche SCID beim Araberpferd. Bei Paint Horses sind "letal whites" gefürchtet, nicht lebensfähige Fohlen, bei denen von beiden Eltern bestimmte Erbanlagen die Farbausprägung reduzieren. Letale Genkombinationen kommen auch bei Katzen vor, wo Willy, wie die Züchterin freimütig schreibt, mit einer bestimmten (heute 10 Jahre alten kerngesunden) Katze einen entsprechenden Wurf hatte. Offenbar sind etablierte ZüchterInnen eher offen und gehen verantwortungsbewußt mit Fragen der Genetik um, während Neulinge auch Angst um ihre "Investitionen" haben, wie der Artikel "Code of Silence" bezogen auf die Hunde- und Katzenszene zeigt.


CB und Athos, Juni 2006

Willys Tochter Rumford Shooting Star ist nach den Erbgesetzen zumindest heterozygot, dh hat eine der angeblichen HCM-Erbinformationen. Sie könnte diese an ihre Tochter Sarafina Silver Flash Light weitergegeben haben; diese könnte sie an ihre Söhne weitergereicht haben, unter anderem eben an Athos. Betonung auf "könnte" und darauf, dass der Anteil der Vorfahren, die eine genetische Information zur jeweils jüngsten Nachzuchtgeneration beisteuern, mit jeder Generation abnimmt. Meine CB steht bereits in 5. Generation in manchen Maine Coon-Stammbäumen, sodass sie ein Vorfahre unter 32 ist und die Wahrscheinlichkeit groß ist, dass sie genetisch wenig bis nichts beisteuert zur jüngsten Generation ihrer Nachkommen. Bei Willy wird es noch mehr Nachkommen dieser Art geben: erstens ist er fünf Jahre älter als CB und zweitens ein Kater.

Genetik bedeutet für verantwortungsvolle Zucht, Linien herauszufiltern, in denen gewisse Erbinformationen stärker weitergegeben werden als in anderen. Angeblich sind 35% der Maine Coons heterozygot für HCM, wobei diese Katzen jedoch auch wünschenswerte Eigenschaften vererben, sodass empfohlen wird, Paarungen mit homozygoten Tieren zu vermeiden: Siehe Erklärung der Washington State University: "Importantly, breeding decisions should be made carefully. At this time we have observed about 35% Maine Coon cats that we have tested carry at least one copy of the gene. Removal of all of these cats from the breeding population could be very bad for the Maine Coon breed. Remember that HCM affected cats also carry other important good genes that we do not want to lose from the breed. We recommend not breeding the homozygous cats and, if needed, breeding heterozygotes to unaffected cats to decrease the risk of producing affected cats. As we move forward we should try to select more and more negative kittens from these lines to use for breeding. Keep in mind that we are continually learning about this disease and
recommendations will be altered as we obtain more information."


der geheimnisvolle Baghira - er erinnert an eine Burma in Schwarz

Gerade die Maine Coon ist sehr gut untersucht und hat auch eine Fangemeinde, die sich akribisch mit genetischen Fragen befasst. Wahrscheinlich ist man durch die "Clones" auch dazu herausgefordert, sich erstmal mit den Stammbäumen zu beschäftigen und dann auch allgemein mit Fragen der Vererbung. In Sachen HCM sind die Maine Coon und die American Shorthair dem Menschen ähnlich, da diese Herzschwäche, die bei Katzen übrigens selten vor dem 7. Lebensjahr auftritt, dominant vererbt wird. Bei Katze und Mensch sind Nachkommen von Individuen, deren Eltern beide das Gen vererben, demnach homozygot. Die nächste Generation ist dann zumindest heterozygot, die darauffolgende hat das Gen geerbt oder nicht - wenn nicht, kann es, da es dominant ist, auch nicht weitergegeben werden Soweit jedenfalls mein amateurhaftes Verständnis von Genetik :-)

Apropos American Shorthair, die 5% ASH-Katze Blume (siehe Stammbäume teils bis 1870) kann den Unterschied zwischen rezessiv und dominant gut veranschaulichen: Ihre Großmutter Toccata von Muspilli hatte Faltohren, die sich dominant vererben. Da Faltohr X Faltohr zu Defekten am Knochenbau führt, wird Faltohr nur mit normalem Ohr gekreuzt. Toccata hat also von der Mutter das dominante Faltohrgen geerbt, vom Vater das normale Ohr und ist heterozygot. Sie kann, muss aber nicht die Erbinfo Faltohr weitergeben. Ihre Tochter Aurore vom Panoramaweg hat gerade Ohren wie auch deren Vater. Ergo kann meine Blume, außer ihr Vater hat Faltohren, nur gerade Ohren haben. Die hat sie natürlich, denn Papa Ampere Blue of Tammany ist ein Chartreuxkater und kein Scottish Fold. Blume könnte rein theoretisch, wäre sie nicht kastriert, beispielsweise von einem Britenkater Langhaarkitten bekommen. Denn diese Erbanlage (von Perserkatzen stammend) wird rezessiv weitergegeben, dh ist über mehrere Generationen nicht im Erscheinungsbild sichtbar.


Blumes Erbinformationen: gerade Ohren, verdünntes Schwarz, Kurzhaar?, dominant für Gewitztheit :-)

Sie muss jedoch von beiden Elternteilen kommen, um auftreten zu können so entstehen die "Langhaarversionen" von Kurzhaarrassen, die mal mit Persern gekreuzt wurden. Umgekehrt konnte die Exotic als "Kurzhaarperser" geschaffen werden durch die Kreuzung American Shorthair (dominantes Kurzhaar) mit Persern... Würde jemand eine Katze wie Blume wegen einer Fold-Großmutter als "ideal zur Zucht der seltenen Scottish Folds" anpreisen, so wäre dies gelogen: Blume würde sich von einer Britisch Kurzhaar-Katze mit geraden Ohren, die mit einem Fold-Kater gepaart werden kann, nur durch ihren Stammbaum ein wenig unterscheiden, nicht aber durch die Erbinformationen. Blume hat ein paar Fold-Vorfahren und mehr Chartreux-Vorfahren als die durchschnittliche Britin sowie eine spätere Russisch-Blau-Einkreuzung als Briten, und damit hat es sich schon.

Ein Beispiel aus der Pferdewelt: es gibt zwei hauptsächliche Arten von Scheckzeichnung, Tobiano und Overo (Sabino ist eine andere Sache, gehört aber nicht hierher). Tobiano wird dominant vererbt, sodass ein Pferd, das z.B. braun ist und eine Kreuzung aus Tobiano X Brauner ist, keine Scheckung weitergeben kann. Wohl kann ein braunes Pferd gepaart mit einem Braunen einen Overo-Nachkommen haben, wenn beide Elternteile das rezessive Overo-Gen tragen (die erwähnten letal whites sind Overos; wobei auch die Katzenzucht "gefährliche" rezessive Gene kennt). Aus Tobiano x Tobiano entstehen heterozygote oder homozygote Tobianos, wobei Letztere mit Pferden aller Farben Schecken produzieren - Heterozygote, wenn die Partner einfarbig sind. Kompliziert? Na, dann ist die Farbgenetik bei Katzen erst eine Herausforderung - an die ich mich bisher noch nicht gewagt habe....

PS: der "Hammer" beim Auf-Eine-Stufe-Stellen des Kaufs bei seriöser Züchterin mit dem Nepp bei "Züchterin" ist ja, dass unveränderliche Erbinformationen mit vermeidbaren Fehlern und Vernachlässigungen auf Kosten der Tiere verglichen werden. Man kann nicht einen erst gemachten Test eines Urgroßvaters eines Anfang 2003 geborenen Katers antizipieren (einer von acht Vorfahren von Athos in der 3. Generation), MAN KANN UND MUSS EIN KÄTZCHEN ABER OPTIMAL AUFZIEHEN! SCHNUPFEN, UNTERGEWICHT, FALSCHES GEBURTSDATUM, FEHLENDER IMPFSCHUTZ, FEHLENDER STAMMBAUM, FEHLENDE SOZIALISATION, MUTWILLIG GESCHWÄCHTES IMMUNSYSTEM, AUCH FIP UND PILZE (dies vielfache Klagen der Opfer von Vermehrern auch der Maine Coon) SIND KEINE ERBINFORMATION, SONDERN MENSCHENSCHULD!

Hier gehts weiter