Gandalf im August 2006

Athos' Adoptivsohn wird Gandalf genannt, er ist ein zarter, kleiner Kater, laut Tierärztin irgendwas zwischen sieben Monaten und einem Jahr alt. Sein braungetigertes Fell ist an den Seiten und am Kopf eher getickt als getigert, was an Abessinier oder Ceylon Cat erinnert. Freilich hat mindestens eine Hauskatze die Weißscheckung beigesteuert. Gandalf hat besonders schöne Augen, sie leuchten bernsteinfarben. Er ist nach ein paar Wochen sehr anhänglich, hat längst gelernt, dass "man" nachts drinnenbleiben soll, auch wenn er manchmal deswegen maunzt. Damit ihm die Umstellung leichter fällt, habe ich mitunter eine Tür nach draußen offengelassen, die anderen Katzen im größeren Bereich der Wohnung schlafen lassen. Entweder um ca. zwei Uhr oder um fünf Uhr tappte ein zarter kleiner Kater herein und rollte sich in meiner Nähe ein.


Irgendjemand hatte die "nette" Idee, dieses liebe Kätzchen im Juli im Landschaftsschutzgebiet auszusetzen. Immerhin wurde Gandalf nicht neben einer Straße deponiert, sondern trieb sich einige Stunden im Gebüsch herum, von meinen Katzen aufmerksam beobachtet. Schließlich startete Athos eine regelrechte Rettungsaktion, indem er mich nach Lassie-Manier ins Gestrüpp rief, soweit ich, mit Windjacke gegen die Dornen geschützt, dazu imstande war. Er kam dann rufend auf mich zu, um sich sofort zurückzuziehen, weiter laut rufend. Für Baghira war meine Anwesenheit an ungewohnter Stelle eher eine Aufforderung zum Spiel, er sprang um mich herum und klettere ein wenig auf einen Baum. Ich konnte Athos nicht folgen, wollte ihn dazu bringen, heimzukommen, doch er drehte bald wieder um zu seinem für mich unsichtbaren Schützling. Dass es sich wahrscheinlich um eine Katze handelt, war mir klar, aber diese verkroch sich natürlich erst recht vor mir.

Als Athos abends heimkam, später als üblich und vor allem ohne Abstecher zwischen durch zu Futternapf und Streicheleinheiten, folgte ihm nach wenigen Minuten eine Katze von schlanker Statur. Sie freute sich über in den Garten gestelltes Futter und wagte bald, die Wohung zu betreten. Der Kleine, vorerst "Kleiner" gerufen, liess sich auch streicheln und inspizierte eine Weile das Zuhause der für ihn so anziehenden anderen Katzen. Allerdings wollte er bald wieder hinaus, dann wieder herein, bis er um zwei Uhr nachts von dannen zog. Da dachte ich noch, er könnte ein Zuhause haben, doch er stand am nächsten Abend schon früher auf der Matte. Diesmal blieb er nachts wieder ein paar Stunden herinnen und kam am nächsten Tag im Morgengrauen. Zeitweise versuchte ich, das Rätsel seiner Herkunft zu lösen, da er in Richtung Siedlung zu gehen schien. Jedoch eher wie ein Arbeitsloser, der alltägliche Routinen vortäuscht, denn wenige Minuten nach seinem Weggang war er wieder im Dickicht, der Siedlung entgegengesetzt.

Auch Inserate und Internet-Fundanzeigen brachten nichts, obwohl viele Katzen vermisst werden, die dem Kleinen zumindest oberflächlich ähnlich sind. Ich rechnete jedenfalls mit ein paar Irrläufer-Anrufen. Gandalf lernte von den anderen Katzen und von mir die "Regeln" des "Haushaltes" und erwies sich als sehr gelehrig. Direkt rührend war, wie er zu Spielen begann, nachdem er sich zuerst in bitterem Ernst auf alles stürzte, was eigentlich länger halten sollte wie die Federbuschen-Stäbe. Bald begriff er, dass es einfach Spaß macht, einem kleinen Ball nachzujagen und ihn auch selbst herumzuschubsen. Und er wurde verschmust, rollte sich schnurrend auf dem Schoss zusammen, sprang fröhlich auf den Arbeitstisch neben die Tastatur. Irritiert ist durch ihn vor allem Baghira, der eigentlich ein verschlossenes, ein wenig hartes Wesen hat und alles hier als Service- und Wellnessangebot für seine Bedürfnisse betrachtet. Athos hingegen nimmt seine "Vaterpflichten" sehr ernst und beaufsichtigt Gandalf. Wenn dessen Benehmen seiner Meinung nach zu wünschen übrig läßt, greift Athos, eigentlich ein sanfter Kater, ganz beherzt ein....

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