Simmering

Mit Inkrafttreten des Gemeinderatsbeschlusses zur Eingemeindung der außerhalb des Linienwalls gelegenen Vororte kamen am 21. Dezember 1891 definitiv die bis dahin selbständigen Gemeinden Simmering und Kaiserebersdorf zur Kommune Wien: 1.318 Häuser mit 28.685 Einwohnern, nach der Volkszählung des Jahres 1891.

Alt-Simmering wurde erstmals 1027 urkundlich erwähnt, auf einer Terrasse über der Haide mit der Wehrkirche am östlichen Ortsrand, hatte Simmering bis ins vorige Jahrhundert immer wieder durch Kriege und Naturkatastrophen zu leiden gehabt. Die alte Dorfstraße (heute Mautner-Markhof-Gasse) lässt in ihrem winkeligen Verlauf die gewachsene, wenig planmäßige Anlage erkennen. Die erwerbsquelle der Bewohner war die Landwirtschaft.

Die Entwicklung des bäuerlichen Dorfs zur Vorstadt vollzog sich im neunzehnten Jahrhundert naturgemäß zuerst an den Verkehrswegen. An der Hauptstraße, die nicht identisch mit der Dorfstraße, seit altersher eine wichtige Verbindung Wiens nach Osten war, und den Wasserwegen, den Donaukanal (Regulierung 1870-1875) und dem Wiener Neustädter Kanal (1803 eröffnet). Die Anlage von Bahnlinien ( u.a. Raaber Bahn 1840, Donauländerbahn 1872, Aspangabahn 1880) förderte Industrieansiedlungen, zur bodenständigen Nahrungsmittelindustrie (Brauerei) kamen Schwer- und Metallindustrie (Waggon- und Fahrzeugbau). Wie sein Nachbar Favoriten wurde der Stadtnahe Teil Simmerings zun typischen gründerzeitlichen Industrie- und Arbeiterbezirk. Sein neues Zentrum entstand abseits des alten Ortes an der Hauptstraße um den Enkplatz, mit Bezirksamt, Schule und neuer Pfarrkirche, was durch die großen Wohnanlagen der Gemeine Wien in der Zwischenkriegszeit (Herderpark) noch unterstrichen wurde.

Kaiserebersdorf hat sich, als stadtfernere Ortschaft, länger seinen dörflichen Charakter bewahren können. Die Grundherrschaft, die Herren von Ebersdorf, spielten unter den Babenbergern eine nicht unbedeutende Rolle in der österreichischen Geschichte. Nach ihnen übernahm 1499 die Krone den Besitz und baute die durch Tausch erworbene feste Burg zu einem Jagdschloß aus, das Kaiser Maximilian II. durch ein „neues Gebäude“ oberhalb des Ortes, ein prunkvolles Renaissanceschloß mit großem Park und Tiergarten, erweitern ließ. Erst unter Maria Theresia verlor es seine Bedeutung an Schönbrunn. Die Säulen des großen Rittersaales wurden für die Gloriette abgegeben. Funktionslos geworden verfiel das Neugebäude, das alte Schloß wurde zum k.k. Monturen-Depot, später zur Strafanstalt. Erst in jüngster Zeit hat das Ortsbild Kaiserebersdorfs durch Flussregulierungen und aufwendige Verkehrsbauten (Ettenreichgasse, Autobahn) seine ursprüngliche Geschlossenheit verloren. Die Ortschaften Albern an der Einmündung des Donaukanals kam erst 1938 zu Wien und 1955 zum 11. Bezirk.

Die „Wahrzeichen“ des Bezirks sind zwei kommunale Bauwerke aus den letzten Jahrzehnten des vorigen Jahrhunderts: der Zentralfriedhof, 1874 als überkonfessioneller, gemeinsamer Friedhof für Wien eröffnet, und die vier riesigen, ihre Umgebung beherrschenden Behälter des städtischen Gaswerks (1899).

Die Erschließung des Bezirks ist nicht abgeschlossen, bis heute aber ist das gleichwertige Nebeneinander von Wohnbauten, Betrieben und landwirtschaftlich genutzten Flächen charakteristisch geblieben.

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