Constantin - Mein Leben

Ich heiße Constantin.

Nach 36 Wochen im kuscheligen Bauch meiner Mama beschlossen am 22. November 1999 einige Ärzte, dass ich in eine Wiege übersiedeln sollte. Ein Kaiserschnitt wurde gemacht damit ich unbeschadet blieb und zum ersten Mal sah ich meine Mama und meinen Papa. Die ersten Tage in meinem Leben verbrachte ich im Spital in Mödling und wurde von vielen Leuten besucht; alle brachten Geschenke für mich mit. Endlich, nach einer Woche, holte uns Papa nach Hause, nach Simmering. Wir wohnen in einem großen Reihenhaus und ich habe hier sogar ein eigenes Kinderzimmer. Meine Eltern haben es vor meiner Geburt ganz liebevoll hergerichtet. Gesehen hab ich es zwar vorher nicht, aber ich habe gehört, wie sie gearbeitet haben. In diesem Zimmer steht ein riesiges Gitterbett und davor sitzt ein großer Bär.

Die Wochen vergingen. Mein erstes Weihnachtsfest habe ich verschlafen, und weil ich noch nicht wusste, dass man das neue Jahr mit Sekt begrüßt, habe ich das Jahr 2000 mit einem Megafurz in die Hose begrüßt. In den folgenden Wochen lernte ich die ganze Verwandtschaft,  alle Freunde von meinen Eltern, einen praktischen Arzt, einen Orthopäden und eine Kinderärztin kennen. Es war sehr aufregend. Alle waren so nett zu mir und haben mich herum getragen und in ihren Armen geschaukelt. Es ist doch sehr schön ein Baby zu sein. Im zarten Alter von acht Wochen war ich es leid, von meinen Eltern mitten in der Nacht gefüttert zu werden. Ich beschloss durchzuschlafen, sehr zur Freude meiner Eltern.

Im Februar 2000 wurde ich in der Pfarre St. Laurenz in Simmering auf den wohlklingenden Namen Constantin Alexander getauft. Meine Tante Alexandra hielt mich unters Wasser und ich habe dabei gar nicht geweint. Im Endeffekt habe ich die ganze Prozedur verschlafen. Der Taufe gingen langwierige Verhandlungen meiner ‚gottlosen’ Eltern mit dem Simmeringer Pfarrer voran, die Tante Alexandra nur aufgrund massiven Einsatzes ihrer umfassenden und immerwährenden Katholizität erfolgreich abschließen konnte.

Eine meiner liebsten Beschäftigungen war zu dieser Zeit das Spielen mit meinem Babytrapez. Ich liege dabei rücklings in der Gehschule und ziehe an den bunten Dingern, die da so runterhängen. Sehr bald habe ich begriffen, dass man ordentlich daran ziehen muss, damit die Musik spielt. Es ist eine tolle Musik die gefällt mir so gut, ich muss immer wieder daran ziehen das ich dieses schöne Lied hören kann. Es hat nicht lange gedauert, und meine Eltern waren ziemlich genervt. Pech gehabt. Warum schenken sie mir auch so ein Zeugs?

Den Sommer habe ich voll relaxt in der Liegeposition im gemütlichen Kinderwagerl im Garten meiner Oma genossen. Außer Essen, Schlafen, Kacken, ein bisschen Einkaufen und viel Spazieren fahren habe ich nichts zu tun gehabt. Als im Juli 2000 Mama und Papa nach Madrid geflogen sind, durfte ich 4 Tage bei meiner Tante Lisi bleiben. Ich war ganz brav und hab gar nicht geweint. Warum auch?

Im August konnte ich dann schon so recht gut sitzen und daher die Welt aus einer anderen Perspektive betrachten. Ich muss sagen: auch nicht schlecht, was ich jetzt alles sehen kann, unglaublich. Im Spätsommer bekam ich eine Schaukel. Das Schaukeln wurde zu einer meiner Lieblingsbeschäftigungen. Das ist bis heute so geblieben, nur die Schaukel ist größer geworden.

Schön langsam habe ich erkannt, dass ich meinen Eltern präzisere Hinweise geben muss, damit sie nicht so viel falsch machen. Daher beschloss ich, mit dem Sprechen zu beginnen. Mama und Papa brauchten zwar lange, bis sie mich verstanden, jedoch lernten sie sehr gut meine Gebrabbel zu verstehen und auch danach zu handeln.

Die Zeit verging und bald stand mein erster Geburtstag an. Und weil’s der erste war, habe ich doppelt gefeiert. Einmal mit Mama und Papa, da habe ich ein Handy bekommen und wir haben am Abend eine Torte gegessen und einen Pfirsichsaft getrunken, hicks, der war sehr lecker. Ob das nicht doch ein Bacardi Breezer war? Das zweite Mal habe ich dann mit meiner ganzen Familie gefeiert. So viele Leute waren da und alle haben mir Geschenke gebracht und mich beglückwünscht. Je mehr sie auf mich eingeredet haben, umso verwirrter wurde ich und schließlich habe ich den Überblick verloren. Am besten hat mir unser Wohnzimmer gefallen, das haben Mama und Papa extra für mich mit Girlanden und Papierschlangen geschmückt. Überall waren Luftballons; jö, das war schön.

Es ist Dezember und Weihnachten steht vor der Tür. Bei uns ist es Tradition, dass wir gemeinsam das Weihnachtsfest feiern. Da sind dann immer die Omas da und helfen mir beim Warten auf das Christkind. Das Christkind hat einen großen Baum mit vielen Kerzen und Kugeln gebracht. Ein Schaukelpferd stand auch unter dem Baum und viele andere Sachen auch. Aber eigentlich verstand ich noch nicht so recht, was da so vor sich ging. War ja auch egal, das einzige was mich interessierte, war mein Essen und mein Tee. Da beides in ausreichender Menge vorhanden war, reichte mir das zum Glücklichsein vollkommen aus.

Das Jahr 2001 schritt voran und ich genoss die sorgenfreien Tage mit meiner Mama. Wir haben viel unternommen, waren viel spazieren. Das Spazieren fahren war für mich immer eine tolle Sache. Weil ich mich beharrlich weigerte zu gehen, saß ich ganz entspannt in meinem Kinderwagen und beobachtete die Umwelt.

In dieser Zeit gewöhnte ich mir auch einige Eigenheiten an, die meine Eltern nicht so schätzen wussten. Ich habe herausgefunden, dass ich mit den Zähnen beißen kann. Ich biss alle, meine Mama, meinen Papa, meine Oma, meine Tante, nur in die essbaren Dinge biss ich nicht. Überhaupt waren die Zähne von anderen Leuten sehr interessant. Ich wollte immer das Gebiss anschauen was meiner Mama oft peinlich war. Eine weitere Eigenheit war nur klein geschnittenes, weich gekochtes zu essen, wie z.B. Erdäpfelpürree, Gemüsebrei und meine geliebten Hipp-Gläschen. Damit brauchte ich meine Eltern fast an den Rand des Wahnsinns. In hysterischen Schreikrämpfen verweigerte ich alles, was nicht nach Hipp aussah. Und außerdem hatte ich den Tick nur zu essen, wenn Musik spielte. Die jeweils meiner Stimmung entsprechend richtige CD zu finden war nicht wirklich einfach.

Der Sommer brachte einige Überraschungen für sich. Die erste war, mir eine Brille zu verpassen, diese abzustreifen ich an Omas Hausmauer vergeblich versuchte. Die zweite Überraschung war unser Urlaub mit Tante Xandi und Onki Andi in Pörtschach. Wir wohnten in einem großen Haus das einer Villa glich – ähm, glaube ich hatte meine Brille nicht dabei. Einen Ausflug unternahmen wir alle in sommerlicher Kleidung da der Wetterbericht Sonnenschein prophezeit hatte. Als wir endlich zu einem sehr hohen Berg kamen, und wir diesen Berg zu befahren begannen, begann aber auch das Wetter sich ungünstig zu verhalten. Wir erklommen den Berg immer weiter und in Papas Auto wurde das Thermometer kaputt. Die Temperatur sank und ich war froh im Auto zu sitzen, denn draußen schneite es bereits ganz leicht. Als wir dann das Bergplateau erreicht hatten, beschlossen wir, bei 6 Grad und dichten Schneetreiben, auf der anderen Seite des Berges wieder hinunter zu fahren. Ansonsten war es aber eine wunderbare Woche. Am meisten war ich vom Wasser begeistert: Das Wasser im Wörtersee und das Wasser im Babyplanschbecken.

Zur Wasserrate mutiert, nahm ich bei der Oma das Swimmingpool und mein Kinderbecken in Beschlag. Ich verbrachte denn Sommer dort. Am allen Vieren kriechend erforschte ich mein Umfeld. Dem ewigen und nervigen Drängen meiner Eltern endlich nachgebend, beschloss ich im Juli dann doch noch frei zu stehen. Aber meine Eltern, so gern ich sie habe, hörten nicht auf mich zu drangsalieren, ich solle doch probieren zu gehen. Und weil sie mir so auf die Nerven damit gingen, wollte ich ihnen dann doch die Freude machen. Ich nahm meinen ganzen Mut und meine ganze Kraft zusammen und – horuck - ich stand, und jetzt rechtes Bein, linkes Bein -  juchhu – ich ging. Meine Eltern sind fast ausgeflippt vor Freude, sie haben mich umarmt, geküsst und gedrückt. Und weil sie soooo glücklich waren, wollte ich kein Spielverderber sein und habe mich ab diesem Zeitpunkt nur mehr aufrecht fortbewegt.

Wollte ich nicht Hunger leiden, musste ich meine eigenwilligen Eßgewohnheiten bei meinem Eintritt in den Kindergarten ablegen, denn dort gab es keine Extrawürstchen. Also beschränkten sich meine Eskapaden nur auf zu Hause. Meine Mama erzählte allen kopfschüttelnd, dass ich im Kindergarten alles essen würde, nur glaubte ihr das niemand. Das Kindergartenleben hat auch seine schönen Seiten: die Mädchen. Am meisten interessierten mich die beiden ältesten Mädels. Aber auch schlechte Zeiten in Form von allen möglichen Viren kamen auf mich zu und machten mich alle 5 bis 6 Wochen krank. Das ist bis heute so geblieben und zu den mir bereits bekannten Ärzten kamen noch ein HNO, eine Lungenfachärztin, ein Facharzt und eine Schwester im Allergieambulatorium und natürlich die nette Dame aus der Sehschule. Weitere Bekanntschaften aus dem ärztlichen Milieu sind nicht ausgeschlossen.

Zu meinem zweiten Geburtstag stand wieder die ganze Verwandtschaft mit Geschenken Spalier. Und der erste der sich über den Geburtstagskuchen hermachte, war mein Opa.

Meine sprachlichen und gesanglichen Fähigkeiten entwickelten sich zur Freude der ganzen Familie sehr schnell. Es machte mir großen Spaß die ganze Familie mit meinen Künsten zu unterhalten. Ich entdeckte auch meine Liebe zu Autobus und Straßenbahn. Es war herrlich damit zu fahren. Ich konnte es kaum erwarten, wenn Mama und Papa mit mir eine Runde mit dem Bus fuhren. Nur die U-Bahn machte mir noch ein wenig Angst, aber die war bald verflogen. Ich kann gar nicht genau sagen, womit ich lieber fahre: Bus oder U-Bahn. Auch die Aufzüge in den Einkaufszentren und in den U-Bahn-Stationen faszinierten mich derart, dass meine Eltern vom vielen Rauf-und-runter-fahren schon ganz schwindlig waren.

Weil es sicht vermeiden ließ und man sich nicht nur von Pommes, Erdäpfelpürree und Backerbsensuppe ernähren konnte, kostete ich so ab und zu die verschiedensten Speisen, die meine Mama für uns zubereitete. Papa schwärmte immer so von Mamas guten Essen und drängte mich immer, sie endlich zu probieren. Meine Mama entwickelte dieselbe Strategie wie im Kindergarten und Papa machte es sichtlich Spaß, immer wieder zu sagen: „Es gibt sonst nichts anderes und wenn du das nicht isst, dann gehst du ohne Essen ins Bett.“ Das tat ich ein paar Mal, aber in der Nacht verspürte ich solch ein Hungergefühl, dass ich beschloss, meine Essgewohnheiten zu ändern. Ich muss zugeben es schmeckt wirklich vorzüglich und mittlerweile esse ich fast alles, das meine Mama kocht.

Der Sommer 2002 war für mich die schönste Zeit. Ich wohnte wieder in den diversen Planschbecken und in der Sandkiste. Als wir dann nach Zell am See in den Urlaub fuhren war mein Glück perfekt. Dort gefiel es mir so gut, dass ich gar nicht mehr nach Hause wollte und noch immer davon rede. Wir haben dort in einem Kinderhotel gewohnt und da gab es alles was ein Kinderherz höher schlagen lässt: Dreiräder, Sandkiste, Hupfburg, Kinderbecken, Schwimmschule und jeden zweiten Tag Pommes. Was mich auch sehr faszinierte, war die Seilbahn auf die Schmittenhöhe. Diese Aussicht war herrlich. Auch den Zellersee mit seinen vielen Enten, die wir fast jeden Tag füttern waren, und die Rundfahrt mit dem Schiff wird mir unvergessen bleiben. Viel zu schnell ist diese Zeit vergangen und ich kann es gar nicht mehr erwarten bis wir wieder dort hinfahren.

Das nächste Kindergartenjahr begann und ich musste Abschied von meinen beiden älteren Freundinnen nehmen, die in die nächste Gruppe aufgerückt waren. Ich war traurig, aber nicht sehr lange, denn die anderen Mädchen waren ja noch alle da und ich habe mir zwei neue Freundinnen ausgesucht. Da ich ja jetzt schon ein junger Mann war konnte ich doch nicht in den Kindergarten gehen. Ich habe in umbenannt: ich gehe jetzt jeden Tag ins Kinderbüro wie meine Eltern, die gehen ja auch ins Büro.

Meinen dritten Geburtstag habe ich im Kreise meiner lieben Familie beim Chinesen bei Frühlingsrolle und Mangosaft gefeiert. Wie jedes Jahr kamen alle und brachten wieder unzählige Geschenke mit.

Die Adventzeit verbrachte ich mit Leeressen meines Adventkalenders und Warten auf das Christkind. Als es dann endlich da war, habe ich nur so gestaunt. Es hat einen großen Christbaum und viele, viele Packerl gebracht.

Das Jahr 2003 begann so, weil das alte Jahr endete: Ich war krank und hatte meine x.te Bronchitis. Neben Tante Lisi passte auch Papa immer wieder auf mich auf, wenn ich zu Hause war. Überhaupt, er hat derzeit viel mehr Zeit als sonst für mich. Warum ist das so?

 

To be continued …

 

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