(Auszug aus "Die Conficerie")
Sogleich beim Betreten des Ladens bestürmte mich eine Vielzahl von längst vergessen geglaubten Eindrücken. Da waren zunächst dieser wunderbare Geruch, der in der Luft hing, und diese beruhigende Stille, die diesen Raum erfüllte, ganz so, als existiere diese lärmende Durchzugsstraße vor dem Geschäft gar nicht. Selbst das Mobiliar bestand noch immer aus diesen wundervoll antiken Holzmöbeln. Außerdem funktionierte diese rustikale Uhr, die rechts hinter dem Tresen an der holzvertäfelten Wand hing – immer noch tadellos. Jenes Glockenspiel, das ich beim Öffnen der Tür in Gang gebracht hatte, verstummte allmählich und aufgeregt blickte ich in Richtung des grünen Vorhanges, welcher Verkaufsraum und Hinterzimmer trennte. Ich lauschte aufmerksam nach jedem noch so kleinen Geräusch, das sich meinem Gehör offenbarte: das beruhigende Ticken der Wanduhr, das Ächzen des Stuhles, der sich irgendwo hinter dem Vorhang befinden musste, das bedächtige Auftreten alter Füße auf den Holzdielen, das Herannahen des Verkäufers. Schließlich kamen zwei knittrige Hände zwischen den beiden Vorhangteilen zum Vorschein und schoben diese leicht zur Seite. Es war schier unglaublich ... es handelte sich in der Tat um denselben alten Mann aus meiner Kindheit. Er postierte sich hinter dem Verkaufspult und beugte sich ganz weit nach vorne, um mit nachdrücklicher Stimme zu sprechen....
(Auszug aus "Die Nacht der Jäger")
Dunkel war’s in jener Nacht. Das Licht des Mondes durchdrang nur mühsam die dicke Wolkendecke und spendete dem Moloch Großstadt zu seiner dunkelsten Stunde wahrlich nur schwachen Trost. Aus einer der dürftig beleuchteten Seitengassen sprang eine unheilvolle Gestalt hervor und bewegte sich geschmeidig von einem Versteck zum nächsten. Stets größte Vorsicht waltend von niemandem erblickt zu werden, drückte sich der Schatten gekonnt an Mauern entlang, nutzte die dunkelsten Ecken und verbarg sich hinter parkenden Fahrzeugen, um anschließend selbst an größeren Menschenmengen ungesehen vorbeizuhuschen. Der Bedarf nach Nahrung und die unbändige Lust an der Jagd waren die Gründe, die den Alb raus ins Freie lockten.
Verschlagen blickte er fünf betrunkenen Männern nach, um sich anschließend nach einer einfacheren Beute umzusehen – zu groß war das Risiko, einen von ihnen entwischen zu lassen. Er hob seinen Kopf, spitzte die Ohren und vernahm ganz in der Nähe, höchstens zehn Blocks entfernt, leises Gelächter. Im Nu eilte der Alb in eine der schwach beleuchteten Seitengassen und richtete sich zu seiner vollen Größe auf. Er reckte und streckte sich, hielt seine Nüstern gegen den Wind und versuchte alle nötigen Informationen über Richtung und Größe der Beute zu bekommen. Zwei ... höchstens drei Personen … mehr waren es auf keinen Fall.