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Dürfen oder müssen?
„Ich glaube an die Vergebung der Sünden“ so heißt es im Credo. Zwischen der „Gemeinschaft der Heiligen“ und dem „ewigen Leben“ bekennen wir Christen die Vergebung der Sünden. Dieses zentrale Anliegen Jesu wird heute zwischen dem Medienpranger unserer Gesellschaft und ihren vielen Kavaliersdelikten kaum mehr geschätzt.
Promis „beichten“ öffentlich in Talkshows ihre „Jugendsünden“. Meinungsumfragen wollen wissen, ob ein Politiker „Schuld“ sei, dass es der Wirtschaft schlecht geht. Andere behaupten augenzwinkernd, dass dies oder jenes „schon mal eine Sünde wert ist“, und denken an kalorienreiches Essen, einen teuren Urlaub oder erotische Abenteuer. Es wird schon noch gesprochen von „Sünde“ und „Schuld“, aber meist anders als in der Kirche. In der Gesellschaft landet, wer „Schuld auf sich geladen hat“, am Medienpranger, erntet erhobene Zeigefinger und Rücktrittsforderungen. Wer unter „Schuldgefühlen leidet“, braucht Zuspruch, mitunter therapeutische Hilfe. Schuld ist demnach ernst, Sünde gilt eher als harmlos.
Was „Schuld“ und „Sünde“ im theologischen Sinn meinen, kann ein Blick auf das verständlich machen, was die Kirchenväter „die sieben Laster“ nannten: Stolz, Habsucht, Neid, Zorn, Unkeuschheit, Unmäßigkeit, Trägheit und Überdruss: Ein neidischer Blick auf das neue Auto des Nachbarn oder ein zorniges Fluchen, weil schon gleich nach dem Aufstehen scheinbar alles schiefgeht – das gehört wohl zum Leben. Aber Neid und Zorn können das Leben auch grundlegend vergiften: wenn ich nichts anderes mehr sehe und gelten lasse als mich und das, was ich will.
  Dann ist es nicht mehr eine einzelne Tat, mit der ich gegenüber jemandem schuldig werde. Dann wird es eine Haltung, die mir und anderen das Leben abschnürt. Eine Sünde begeht, wer sich absondert, sich in falsch verstandener Freiheit aller Bindungen entledigt, wer selbst das Maß aller Dinge sein will und damit die Grenzen zu anderen verletzt. Wer so denkt, traut sich selbst mehr zu als Gott. „Sünde ist Zustand tiefer Gottentfremdung“ sagt der Benediktiner David Steindl-Rast. Entfremdet bin ich dann im Umgang mit mir selbst und meinen Mitmenschen und im Verhältnis auch zu Gott. Die größte Versuchung für den Menschen liegt nicht in seinem Versagen, sondern in seinem Erfolg: Weil er meint, er brauche Gott nicht mehr und könne seinen eigenen Kräften trauen! Manchmal gibt es auch ein absichtliches Festhalten an den eigenen Fehlern, nur um einen Grund zu haben, Abstand von Gott und seiner Liebe zu halten.

Wem vergeben wird (im Sakrament der Versöhnung, in der Beichte), der knüpft neu an, an die Gemeinschaft mit anderen Menschen und mit Gott. Der Jugendkatechismus ´Youcat´ spricht von einer „neuen weißen Seite“ die im Lebensbuch aufgeschlagen wird. Das ist auch die Chance, Gott wieder mehr zuzutrauen auf dem Weg, den er für uns bestimmt hat.
* Ein australischer Pfarrer sagte einem reichen Farmer über Telefon, dass es für ihn an der Zeit sei, wieder einmal zur Beichte zu kommen. Der Farmer weist auf die weiten Entfernungen hin. Aber sie haben doch ein Privatflugzeug, entgegnet der Pfarrer. „Wissen Sie“ meint der Farmer, „schön und gut, doch für die lässlichen Sünden ist mir das zu teuer und für die schweren (Todsünden) einfach zu gefährlich“.
Beichten in der vorösterlichen Zeit, kein Müssen, sondern ein Dürfen,
meint Ihr Pfarrer Franz Wilfinger

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