DIE SPRACHEN EUROPAS
(letzte
Bearbeitung: 2.4.2010)
Hier finden Sie die
DIE SPRACHEN EUROPAS nach ihrer Größe als Sprachgemeinschaft in Europa; nationale
Varietäten werden nur dann angeführt, wenn in den Schriftsprachen größere Unterschiede
bestehen; Staaten abgekürzt nach den internationalen Autokennzeichen (nach http://www.kfz-auskunft.de/autokennzeichen/laenderkennzeichen.html),
Hauptverbreitungsgebiete vor,
weitere Gebiete bzw. autochthone Minderheiten in anderen Staaten nach dem Strichpunkt. Die "neuen" EU-Sprachen am Ende des Beitrages
alphabetisch (geplant ist, alle EU-Sprachen aufzunehmen), danach alphabetische Übersicht über alle
Sprachen Europas.
Die Sprachen nach der Sprecheranzahl
(alphabetische
Übersicht am Ende des Beitrages)
1.
Russisch3 (RUS; EST, LV, LT, UA, BY) über 100
Mill. (gesamt ca. 230 Mill., davon 162 Mill. Mutter- bzw. Primärsprache)
2.
Deutsch2 (D, A, CH; F, I, B, L, DK, CZ, PL, SLO, SK, H, HR, RO, RUS, UA usw.) 91 Mill. (weltweit über 100 Mill., davon mehr als 95% als
Muttersprache)
3.
Englisch2 (GB, IRL; M, CY) 59 Mill. (weltweit
570 Mill., davon 337 Mill. Mutter- bzw. Primärsprache)
4.
Französisch1 (F, B, CH; I) 55 Mill. (Muttersprache ca.
41 Mill.; weltweit ca. 130 Mill., davon 76 Mill. Mutter- bzw.
Primärsprache)
5.
Italienisch1 incl. Varietät Korsisch (I, CH, F [v.a. Korsika]; M, SLO, HR) 58 Mill.
6.
Ukrainisch3 (UA; MD, RUS, SK, SRB) 45 Mill.
7.
Polnisch3 (PL; CZ, LT, BY) 40 Mill. (weltweit
41-45 Mill.)
8.
Spanisch1 (genauer) Kastilianisch (E, GBZ) 30 Mill.
(weltweit 352 Mill., davon 266 Mill. Mutter- bzw. Primärsprache)
9.
Rumänisch1 incl. Moldauisch (RO, MD; UA, SRB, BG, GR) 22 Mill.
10.
Niederländisch2 incl. Flämisch (NL, B; F) 20 Mill.
11.
Kroatisch (HR; A, I, H) mindestens 4,5 Mill. bzw. Serbisch (SRB, CG; MK, H) über 10 Mill.
bzw. Bosnisch (BiH) knapp 2 Mill. (Varietäten des früher so genannten Serbokroatischen3
bzw. Kroatoserbischen3 usw., als Sprache heute vielfach
BKS abgekürzt) zusammen 17 Mill.
12.
Ungarisch7 (H; RO, SK, A, SRB, UA) 14 Mill.
13.
(Neu-) Griechisch6
(GR, CY; I, MK, TR, UA) 12,5 Mill.
14.
Türkisch8 (TR, CY; GR, MK, SRB, UA, RO) ca. 7-10
Mill. (gesamt über 60 Mill.)
15.
Portugiesisch1 (P) 10 Mill. (weltweit 182 Mill.,
davon 170 Mill. Mutter- bzw. Primärsprache)
16.
Tschechisch3 (CZ; SK, HR, SRB, A, UA, RO) 10 Mill.
17.
Bulgarisch3 incl. Varietät Makedonisch (BG, MK;
GR, AL, RO, TR) 10 Mill.
18.
Schwedisch2 (S; FIN) 9 Mill.
19.
Weiß- oder Belorussisch3 (BY; UA, PL) ca. 8 Mill.
20.
Katalanisch1 (E, AND; F, I [Sardinien]) 6,5 Mill.
21.
Albanisch6 (AL; SRB, CG, MK, GR, I) 5,7 Mill.
22.
Slowakisch3 (SK; H, CZ, SRB, UA) 5,7 Mill.
23.
Dänisch2 (DK; D) 5,4 Mill.
24.
Norwegisch2 mit den Varietäten Bokmål (auch Riksmål)
und Nynorsk (N) 4,8 Mill.
25.
Finnisch7 (FIN; RUS, S, N) 4,6 Mill.
26.
Litauisch4 (LT; PL) über 3 Mill.
27.
Galicisch1 (E) 2,7 Mill. (Varietät des
Portugiesischen)
28.
Okzitanisch1 auch Provençalisch (F; I) mindestens
2,5 Mill.
29.
Tatarisch8 (RUS, UA) 2,2 Mill. (gesamt incl. aller
Varietäten ca. 6 Mill.)
30.
Slowenisch3 (SLO; I, A, H) 2,1 Mill. (weltweit bis 2,5 Mill.)
31.
Tschuwaschisch8 (RUS) 1,8 Mill.
32.
Baschkirisch8 (RUS) 1,5 Mill.
33.
Lettisch4 (LV) 1,5 Mill.
34.
Sardisch1 (I) 1,4 Mill.
35.
Makedonisch3 (MK; GR, AL) 1,5 Mill. Varietät des
Bulgarischen (s.o.)
36.
Mordwinisch7 (RUS) 1,2 Mill.
37.
Estnisch7 (EST) über 1 Mill.
38.
Baskisch9 (E, F) über 800.000
39.
Romanes6 oder Romani traditionell Zigeunersprachen (v.a.
CZ, SK, A, H, UA, RUS, SRB, CG, RO usw.) mindestens 800.000
40.
Wotjakisch7 oder Udmurtisch (RUS) 750.000
41.
Friesisch2 (D, NL) 750.000
42.
Jiddisch2 (v.a. RUS, PL, CZ,
SK, UA, RO, BG usw.) 265.000, nach anderen Angaben maximal 700.000 (Varietät
des [Süd-] Deutschen), weltweit bis zu 2 Mill. (vor der Schoah über 7 Mill.)
43.
Bretonisch5 (F) mindestens 700.000
44.
Rätoromanisch1 in mehreren Varietäten unter den
Bezeichnungen Ladinisch, Bündnerromanisch und Furlanisch (CH, I) 700.000
45.
Mari7 oder Tscheremissisch (RUS) 670.000
46.
Kymrisch5 oder Welsh (GB) 520.000
47.
Komi7 (Syrjänisch und Permjakisch)
(RUS) zusammen maximal 500.000
48.
Malti oder Maltesisch9
(M; I) 480.000
49.
Letzeburgisch2 (L) 290.000 (verselbständigter
moselfränkischer Dialekt des Deutschen)
50.
Isländisch2 (IS) 220.000
51.
Aromunisch1 (GR, MK, AL, BG) ca. 180.000 (Varietät
des Rumänischen)
52.
Kalmykisch9 oder Kalmückisch (RUS) 175.000
53.
Gagausisch8 (MD, UA) ca. 200.000
54.
Adyge-Tscherkessisch9
(RUS) 125.000
55.
Karelisch7 (RUS) maximal 124.000
56.
Sorbisch3 in den Varietäten Ober- und Niedersorbisch
(D) 60.000-70.000
57.
Schottisch-Gälisch5
(GB) maximal ca. 70.000
58.
Irisch-Gälisch5
(IRL; GB) mindestens 56.000 Primärsprachler (maximal 1,1
Mill. haben Irischkenntnisse verschiedenen Umfangs)
59.
Färingisch2 oder Färöisch (DK [Färöer]) 47.000
60.
Rusinisch3 (SRB) 23.000 (Varietät des Ukrainischen)
61.
Jurakisch7 oder Nenzisch
früher Samojedisch (RUS) 17.000
62.
Saamisch7 früher Lappisch (S, FIN, N, RUS)
15.800
63.
Judenspanisch1 oder Ladino (GR, BG, TR, BiH, E) 15.000
64.
Armenisch6 (v.a. RO)
Kleingruppen, ins. ca. 7.500 (gesamt ca. 3,8 Mill.)
65.
Vepsisch7 (RUS) 7.500
66.
Kaschubisch3 (PL) 3000-4000
67.
Karaimisch8 (LT, UA) ca. 1000
68.
Cornisch
oder Kornisch5 (GB) † Versuche zur Wiederbelebung waren
erfolgreich, derzeit mindestens 250 Sprecher, Schulunterricht auf freiwilliger
Basis (in 13 Familien sollen Kinder mit cornischer
Muttersprache aufwachsen)
69.
Manx5 (GBM) †
Versuche zur Wiederbelebung waren erfolgreich, es gibt eine nicht genau
bekannte Anzahl von Sprechern (darunter 28 Jugendliche), Manx ist
Unterrichtssprache in 5 Kindergärten und zwei Volksschulen
70.
Ingrisch7 (RUS) ca. 400 bzw. †
71.
Istrorumänisch1 (HR) einige hundert bzw. † (Varietät
des Rumänischen)
72.
Livisch7 (LV) ca. 150 bzw. †
73.
Votisch7 (RUS) wohl †
† als Muttersprache ausgestorben / im Aussterben
(† ausgestorben, aber wiederbelebt)
1 romanisch,
2 germanisch,
3 slawisch,
4 baltisch,
5 keltisch,
6 übrige indogermanische
(auch: indoeuropäische) Sprachen,
7 uralisch (finnougrisch u. samojedisch),
8 türkisch,
9 sonstige
(Baskisch isoliert, Maltesisch arabische Varietät, Adyge-Tscherkessisch kaukasisch, Kalmykisch mongolisch); gesamt incl.
benachbarte Gebiete in Asien.
Sprecherzahlen ca. 1998,
aktualisiert nach H. Haarmann, Kl. Lexikon der Sprachen (2001) und Ch. Pan -
B.S. Pfeil, Die Volksgruppen in Europa (Ethnos
56/2000)
Ab 1. Mai 2004:
10 neue EU-Staaten — 10 neue
EU-Sprachen
ab 1.Jänner 2007 – 2 weitere
EU-Staaten
Auch in der EU widerspiegelt sich die
Sprachenvielfalt Europas
Bisher waren in der EU die beiden großen Sprachfamilien Europas, die
germanischen und romanischen Sprachen vertreten sowie das (Neu-) Griechische und
Keltische, und als einzige nicht-indogermanische Sprache das Finnische – abgesehen von Minderheitensprachen (z.B.
Slowenisch in Österreich und Italien, Sorbisch in Deutschland) oder
Regionalsprachen (z.B. Katalanisch und Baskisch in Spanien). Mit der per 1. Mai
2004 stattfindenden EU-Erweiterung erhöht sich die Zahl der Sprachen: es kommen
vier slawische Sprachen (Polnisch, Tschechisch, Slowakisch und Slowenisch) und
als ganze Sprachfamilie die baltischen Sprachen (Lettisch und Litauisch) hinzu.
Neu als weitere nicht-indogermanische Sprachen sind Maltesisch (Malta) und
Türkisch (Zypern). Die finnougrische Familie (bisher nur durch das Finnische
vertreten) wird durch Estnisch und Ungarisch vermehrt. Insgesamt gibt es bei
den 10 neuen Mitgliedern auch 10 neue Sprachen, obwohl eine schon vertreten
war: Griechisch auf Zypern, neu ist nur Türkisch, dessen zukünftige Stellung
derzeit – nach dem
Scheitern der Wiedervereinigung – noch offen bleibt.
Der größte Teil Europas wird von Sprachfamilien eingenommen,
die zum „Indogermanischen“ (auch „Indoeuropäisch“ genannt) gehören, jener
Sprachfamilie, der rund ein Dutzend Zweige (darunter Einzelsprachen wie
Griechisch, Sprachfamilien wie Slawisch) angehören. Der Name „Indogermanisch“
entstand im frühen 19. Jhdt., als man entdeckte, dass das Altindische (auch „Sanskrit“
genannt) Ähnlichkeiten mit den alten Sprachen Europas (v.a.
Lateinisch und Griechisch) aufweist, zunächst beim Verbum (oft gleiche oder
sehr ähnliche Personalendungen und Stammbildungen).
Die systematische Untersuchung dieser Parallelen mündete im Nachweis der
Verwandtschaft dieser Sprachen auf allen Ebenen des Sprachsystems (Laut- und
Formenlehre sowie Wortschatz). Das am weitesten nordwestlich gelegene Mitglied
dieser Sprachfamilie ist das Germanische, das am weitesten südöstlich gelegene
das Indische (genauer: Indoarische, denn es gibt in
Indien noch 3 weitere Sprachfamilien), daher der Sammelbegriff
„Indogermanisch“. Davon gehörten bisher alle keltischen Sprachen der EU an
(Irisch, Schottisch-Gälisch und Bretonisch [in Frankreich]), alle romanischen
Sprachen (mit Ausnahme des Rumänischen) sowie alle germanischen Sprachen (ohne
das zum Westnordischen gehörende Isländische und Norwegische, sehr wohl aber
das Färingische auf den Fär
Öer, das genetisch in der Mitte zwischen dem
Isländischen und Norwegischen steht) und das Griechische. An
nicht-indogermanischen Sprachen war bisher nur das Finnische vertreten und als
Regionalsprache das Baskische – ein Relikt aus der vorindogermanischen bzw. vorrömischen
Zeit. Mit dem Beitritt Malta wird die EU um eine semitische Sprache
(Maltesisch), mit dem Beitritt Zyperns um eine Turksprache
(Türkisch) bereichert.
Insgesamt hat der Kontinent (genauer: Subkontinent)
Europa –
einschließlich nicht-autochthoner Minderheiten- (genauer: meist Immigranten-)
Sprachen ca. 90 Idiome (nach Ch. Pan - B.S. Pfeil, Die Volksgruppen in Europa [Ethnos 56/2000] S. 35), davon sind autochthon rund 70.
Durch die bisherigen EU-Erweiterungen kam keine einzige nicht-autochthone
Sprache hinzu, denn eine Sprache wie Türkisch ist in Südosteuropa seit mehr
einem halben Jahrtausend heimisch und es gibt noch einige weitere Turksprachen auf dem alten Kontinent (z.B. Tatarisch,
Zentrum Kasan in Russland). Von den autochthonen Sprachen haben 37 mehr als
eine Million Sprecher, nicht ganz die Hälfte davon, nämlich 17 Sprachen haben
mehr als 10 Millionen Sprecher. Rund 10 Sprachen haben nur mehr eine geringe
Anzahl von Sprechern oder sind im Aussterben bzw. bereits erloschen.
Die Zahl der Sprachen in Europa ist auch davon abhängig,
wo man im Osten und Südosten Europas die Grenzen ansetzt. Geht man von der
mitteleuropäischen (und russischen) Sichtweise aus, verläuft die Grenze zu
Asien entlang dem Ural (Gebirge und Fluss), dem Kaspischen Meer und weiter am Fuße des Kaukasusgebirges bis zum Schwarzen
Meer. Davon
abweichend wird im englisch- und französischsprachigen Raum die Grenze entlang
dem Hauptkamm des Kaukasus gezogen. In Harald Haarmanns „Sprachenalmanach“ (Frankfurt/Main,
Campus Verlag 2002, ISBN 3-593-36572-3) wird auch die transkaukasische
Region (Georgien, Armenien und Aserbaidschan) und die gesamte Russische
Föderation als „Europa“ betrachtet, womit sich die Zahl der Sprachen Europas
auf 143 erhöht.
Überregionale Verkehrs- und Kultursprachen in Europa
waren im 19. Jhdt. v.a.
Französisch („Diplomatensprache“) und Deutsch (v.a.
in Ost- und Südosteuropa), im 20. Jhdt. kamen das
Englische und das Russische (v.a. nach 1945 im
„sozialistischen Lager“) dazu. In den letzten Dezennien hat die
Verbreitung des Französischen, Deutschen und Russischen stark abgenommen – heute ist Englisch der
Beherrscher des Marktes für internationale Sprachen, obwohl es in Europa an
dritter Stelle (nach dem Russischen und Deutschen) steht und auch weltweit an
Sprecherzahl nur den zweiten Platz einnimmt. An sich ist der mittleren und älteren
Generation in Osteuropa das Deutsche mehr vertraut als das Englische, doch die
Nutzung dieses Potentials wurde von den deutsch sprechenden Ländern
vernachlässigt, sodass bei der jüngeren Generation der Prozentsatz von
Deutschkenntnissen sinkt. Ein sprachlicher „Leidensgenosse“ ist hier das
Französische, das zusammen mit dem Deutschen in manchen Bereichen (Elektronik,
Hochtechnologie, Medizin u.a.) international keine
Rolle mehr spielt. Auch wenn dies viele schmerzt – man sollte es emotionslos zur Kenntnis
nehmen, denn eine gegen das Englische als internationale Verkehrs- und
Wissenschaftssprache gerichtete „Sprachpflege“ würde zu sprachlicher
Abschottung führen, die letztlich den Verlust gleichrangigen Mitwirkens in der
„scientific community“
bedeutet.
Die 23
EU-Amtssprachen (Eigenbezeichnung / deutsche
Bezeichnung):
Bългарски
(Bălgarski) / Bulgarisch, Čeština
/ Tschechisch, Dansk / Dänisch, Deutsch, Eesti / Estnisch, Ελληνικά
(Elliniká) / Griechisch, English / Englisch, Español / Spanisch, Français / Französisch, Gaeilge / Irisch (Gälisch), Italiano / Italienisch, Latviešu valoda / Lettisch, Lietuvių kalba / Litauisch,
Magyar / Ungarisch, Malti / Maltesisch, Nederlands / Niederländisch, Polski / Polnisch, Português / Portugiesisch, Română
/ Rumänisch, Slovenčina / Slowakisch, Slovenščina / Slowenisch, Suomi
/ Finnisch, Svenska / Schwedisch.
Die 10 (+ 2) neuen Sprachen nach dem Alphabet
(die
Abkürzungen: IDG = indogermanisch, insg. =
insgesamt, Mill. = Million(en), s. = siehe)
Bulgarisch
(in Bulgarien ca. 7 Mill., 83,5 % der
Gesamtbevölkerung, insg. [einschließlich Makedonisch]
10 Mill.; IDG, südslawisch): gehört zu den ältest bezeugten slawischen Schriftsprachen, Altbulgarisch
ist die Grundlage des so genannten Altkirchenslawischen (auch: Altbulgarischen).
Die moderne Schriftsprache (seit dem 19. Jhdt.) fußt
auf den nordostbulgarischen Dialekten, während das seit 1944/45 als eigene
Sprache geltende Makedonische auf den südwestlichen Mundarten beruht. Beide
werden mit kyrillischen Buchstaben geschrieben.
Estnisch
(in Estland ca. 950.000, insg. über 1 Mill. Sprecher;
finnougrisch, ostseefinnisch, südlicher Zweig): wird seit der Reformationszeit
geschrieben, bis ins 19. Jhdt. zwei Schriftsprachen,
was die beiden Dialektgruppen reflektiert, Nordestnisch mit dem Zentrum Tallinn
(deutsch Reval) und Südestnisch mit Tartu (deutsch Dorpat, alte Universitätsstadt) als Mittelpunkt. Parallel
zur Sammlung und Bearbeitung der epischen Dichtung in Finnland („Kalevala“)
wurde in Estland um 1860 die estnische Volksdichtung unter dem Titel „Kalevipoeg“ herausgegeben, was dann der Auslöser für die
Entstehung der estnischen Nationalliteratur war und zu einer einheitlichen
Schriftsprache auf nordestnischer Grundlage führte. Zur Sowjetzeit war Estnisch
nur auf dem Papier Amtssprache, dominant war das Russische. Noch heute leben
auf dem estnischen Staatsgebiet 28,1% Russen gegenüber 65,1% Esten.
Lettisch
(in Lettland ca. 1,4 Mill., insg.
über 1,5 Mill. Sprecher; IDG, ostbaltisch, s.folg.): auch
diese Sprache verdankt ihre erstmalige schriftliche Fixierung der Reformation
mit einer auf dem Niederdeutschen fußenden Orthographie. Die gegen Ende des 19.
Jhdts. beginnende systematische Sammlung der
lettischen Volkslieder verläuft parallel mit der Ausbildung der lettischen
Schriftsprache, deren Orthographie im Jahre 1908 festgelegt und 1937 reformiert
wurde. Wie das Estnische war auch das Lettische zur Sowjetzeit nur formal
Amtssprache, die eigentliche Sprache der Verwaltung war das Russische.
Bis 1989 sank der Anteil der Letten auf 52% der Gesamtbevölkerung Lettlands
(zum Vergleich: 1930 waren es 75%), jetzt ist er wieder auf rund 55,5%
gestiegen, der Anteil der Russen ist ungefähr ein Drittel.
Litauisch
(in Litauen über 3 Mill., insg.
ca. 3,5 Mill.; IDG, ostbaltisch [zum Westbaltischen gehörte als Hauptvertreter
das im 17. Jhdt. ausgestorbene Altpreußische]): das
Litauische ist wohl die altertümlichste aller lebenden indogermanischen
Sprachen und Schlüsselsprache für die Sprachvergleichung, das Lettische
verhält sich zu ihr wie die jüngere Schwester. Im Großfürstentum Litauen (ab
dem 12. Jhdt.) war das Weißrussische Kanzleisprache
(bis ins 17. Jhdt.), doch geschrieben wird das
Litauische schon seit dem 16. Jhdt. und mit dem
Dichter Donelaitis beginnt im 18. Jhdt.
die litauische Literatur. Die Litauer stellen mit 81,4% die deutliche Mehrheit
der Bevölkerung, die russische Minderheit ist mit 8,3% eher bescheiden; eine
weitere wichtige sind die Polen (6,9%), bildete doch Litauen mit dem Königreich
Polen seit 1569 eine Union.
Maltesisch
(in Malta 370.000, insg. ca. 480.000 Sprecher;
semitisch, verselbständigter maghrebinisch-arabischer Dialekt mit
sizilianisch-italienischen Lehnwörtern): das Maltesische entstand im Laufe des Mittelalters,
als es zu Sizilien kam; der arabische Ortsdialekt
wurde nachhaltig vom Italienischen beeinflusst, v.a.
im Kulturwortschatz, hat aber seine semitische Sprachstruktur gut erhalten. Das
Maltesische wird mit lateinischen Buchstaben geschrieben.
Polnisch
(in Polen 37 Mill. Sprecher, 97% der Gesamtbevölkerung, insg.
41-45 Mill.; IDG, westslawisch): das Polnische gehört
zu den alten europäischen Kultursprachen; das 16. Jhdt.
gilt als „Goldenes Zeitalter“. Vier polnische Literaten wurden mit dem Nobelpreis
ausgezeichnet, am bekanntesten wohl H. Sienkiewicz
(„Quo vadis?“).
Rumänisch
(in Rumänien ca. 19 Mill., insges.
rund 22 Mill., nicht ganz 90 % der Gesamtbevölkerung; IDG, ostromanisch): das
Rumänische ist der Nachkomme der südosteuropäischen (balkanischen) Latinität, wobei die wechselvolle Geschichte der
Sprachgemeinschaft ihre Spuren hinterlassen hat („Balkansprachbund“ zusammen
mit dem Bulgarischen und Albanischen sowie Teilen des Serbischen und
Neugriechischen). Im 19. Jhdt. Sprachreform
(Abschaffung der kyrillischen Schrift und Ausrichtung nach westromanischen
Vorbildern). Der Name (român)
beruht auf lateinisch romanus.
In Russland bzw. der Sowjetunion wurde das Rumänische als „Moldauisch“ oder
„Moldawisch“ bis 1991/92 mit kyrillischen Buchstaben geschrieben. Heute
weitestgehende Annäherung beider Varietäten.
Slowakisch
(in der Slowakei 4,9 Mill., insg.
5,7 Mill. Sprecher, 85,7% der Gesamtbevölkerung; IDG, westslawisch): das
Slowakische ist mit dem Tschechischen nahe verwandt, dennoch eine eigenständige
Sprache mit Bezügen zum Süd- und Ostslawischen und fand erst im 19. Jhdt. zu einer eigenen Schriftsprache. Zur offiziellen
Amtssprache wurde es erst im 20. Jhdt. Sein Name
beruht – wie beim
Slowenischen –
auf der Gesamtbezeichnung aller Slawen.
Slowenisch
(in Slowenien 1,75, insg. über 2 Mill. Sprecher, ca.
88% der Gesamtbevölkerung; IDG, südslawisch): der Name beruht – wie beim Slowakischen – auf der Gesamtbezeichnung
aller Slawen, da beide Völker bis zur Nationsbildung im 19. Jhdt.
sich selbst „Slawen“ nannten, im Gegensatz zu ihren Nachbarn. Daneben bestand
im Deutschen die Bezeichnung „Windisch“, erst um die Mitte des 19. Jhdts. setzte sich als offizielle Sprachbezeichnung auch im
Deutschen „Slowenisch“ durch. Das älteste Sprachdenkmal sind die „Freisinger
Denkmäler“ (Beichtformeln und Gebete) im altslowenischen Dialekt der Karantanen, in jener Sprachform, die auch den meisten
Ortsnamen slawischer Herkunft im südöstlichen Österreich zu Grunde liegt – gleichzeitig ältestes
slawisches Sprachdenkmal in lateinischer Schrift (10. Jhdt.).
Nach einem viel versprechenden Anfang einer slowenischen Schriftsprache zur
Zeit der Reformation kommt es erst im Laufe des 19. Jhdts.
zur Herausbildung der modernen Literatursprache (v.a.
durch den Dichter Prešeren).
Tschechisch
(in der Tschechischen Rep. ca. 10 Mill., insg. über 10 Mill. Sprecher, ca. 95% der
Gesamtbevölkerung; IDG, westslawisch): das Tschechische gehört zu alten Kultursprachen
Europas und erlebte im 14. u. 15. Jhdt. seine
„klassische Periode“. Nach den Hussiten-Aufständen und v.a.
nach der Schlacht auf dem Weißen Berg verliert es nach und nach an Bedeutung
und Prestige zu Gunsten des Deutschen. Die tschechischen Sonderzeichen („Hatschek“) gehen auf Jan Hus
zurück, zur Wiedergeburt der tschechischen Sprache und Literatur kam es im 19. Jhdt.;
die alte deutsche Bezeichnung für die Sprache ist „Böhmisch“.
Türkisch
(in Zypern ca. 120.000, 20% der Gesamtbevölkerung, insg.
in Europa 7-10 Mill. Sprecher; Turksprache): genauer
ist diese Sprache als „Türkei-Türkisch“, die Sprache des ehemaligen osmanischen
Reiches zu bezeichnen, gleichzeitig alte Kultursprache, seit 1928 in
Lateinschrift geschrieben.
Ungarisch
(in Ungarn ca. 9,3 Mill., 89,4% der Gesamtbevölkerung,
insg. ca. 14 Mill. Sprecher; finnisch-ugrisch, ugrischer Zweig): ungarische Minderheiten leben v.a. in der Slowakei (ca. 570.000) und in Rumänien (ca. 1,6
Mill.) sowie in allen anderen Nachbarstaaten. Die Eigenbezeichnung ist
„Magyaren“, die in Europa übliche geht auf eine türkische Stammesbezeichnung zurück,
unter deren Beteiligung die eigentlichen Ungarn in ihre heutigen
Siedlungsgebiete gelangten. Das erste Schriftzeugnis ist eine um 1200
entstandene Leichenrede, danach entstanden weitere Denkmäler. Davor gab es eine
an Runen erinnernde Kerbschrift (9.-12. Jhdt.). Seit
der Reformationszeit kann man von einer ungarischen Literatur sprechen, die
Schreibung des Ungarischen geht auf das 17. Jhdt.
zurück.
Die europäischen Sprachen, alphabetisch
(die Nummern beziehen sich auf die obige Übersicht)
|
Sprache |
Nummer |
|
Adyge-Tscherkessisch |
54. |
|
Albanisch |
21. |
|
Armenisch |
64. |
|
Aromunisch |
51. |
|
Baschkirisch |
32. |
|
Baskisch |
38. |
|
Belorussisch s. Weißrussisch |
|
|
BKS s. Kroatisch |
|
|
Bosnisch s. Kroatisch |
|
|
Bretonisch |
43. |
|
Bulgarisch. |
17. |
|
Bündnerromanisch s. Rätoromanisch |
|
|
Cornisch |
68. |
|
Dänisch |
23. |
|
Deutsch |
2. |
|
Englisch |
3. |
|
Estnisch |
37. |
|
Färingisch oder Färöisch |
59. |
|
Finnisch |
25. |
|
Flämisch s. Niederländisch |
|
|
Französisch |
4. |
|
Friesisch |
41. |
|
Furlanisch s. Rätoromanisch |
|
|
Gagausisch |
53. |
|
Galicisch |
27. |
|
Gälisch s. Irisch-/Schottisch-Gälisch |
|
|
Griechisch |
13. |
|
Ingrisch |
70. |
|
Irisch-Gälisch |
58. |
|
Isländisch |
50. |
|
Istrorumänisch |
71. |
|
Italienisch |
5. |
|
Jiddisch |
42. |
|
Judenspanisch oder Ladino |
63. |
|
Jurakisch oder Nenzisch
früher Samojedisch |
61. |
|
Kalmykisch oder Kalmückisch |
52. |
|
Karaimisch |
67. |
|
Karelisch |
55. |
|
Kaschubisch |
66. |
|
Kastilianisch
s. Spanisch |
|
|
Katalanisch |
20. |
|
Komi (Syrjänisch und Permjakisch) |
47. |
|
Kroatisch, Serbisch, Bosnisch
(BKS) |
11. |
|
Kymrisch oder Welsh |
46. |
|
Ladinisch s. Rätoromanisch |
|
|
Ladino
s. Judenspanisch |
|
|
Lappisch s. Saamisch |
|
|
Lettisch |
33. |
|
Letzeburgisch |
49. |
|
Litauisch |
26. |
|
Livisch |
72. |
|
Makedonisch |
35. |
|
Malti oder Maltesisch |
48. |
|
Manx |
69. |
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Mari oder Tscheremissisch |
45. |
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Mordwinisch |
36. |
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Nenzisch
s. Jurakisch |
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Neugriechisch s. Griechisch |
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Niederländisch incl. Flämisch |
10. |
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Niedersorbisch s. Sorbisch |
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Norwegisch |
24. |
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Nynorsk s. Norwegisch |
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Obersorbisch s. Sorbisch |
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Okzitanisch |
28. |
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Permjakisch s. Komi |
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Polnisch |
7. |
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Portugiesisch |
15. |
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Provençalisch s. Okzitanisch |
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Rätoromanisch (Ladinisch,
Bündnerromanisch und Furlanisch) |
44. |
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Romanes oder Romani
traditionell Zigeunersprachen |
39. |
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Rumänisch. |
9. |
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Rusinisch |
60. |
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Russisch |
1. |
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Saamisch früher Lappisch |
62. |
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Samojedisch s. Jurakisch |
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Sardisch |
34. |
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Schottisch-Gälisch |
57. |
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Schwedisch |
18. |
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Serbisch s. Kroatisch |
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Slowakisch |
22. |
|
Slowenisch |
30. |
|
Sorbisch (Ober- und
Niedersorbisch) |
56. |
|
Spanisch |
8. |
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Syrjänisch s. Komi |
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Tatarisch |
29. |
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Tschechisch |
16. |
|
Tscheremissisch s. Mari |
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Tschuwaschisch |
31. |
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Türkisch |
14. |
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Udmurtisch
s. Wotjakisch |
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Ukrainisch |
6. |
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Ungarisch |
12. |
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Vepsisch |
65. |
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Votisch |
73. |
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Weiß- oder Belorussisch |
19. |
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Welsh
s. Kymrisch |
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Wotjakisch oder Udmurtisch |
40. |
|
Zigeunersprachen s. Romanes |
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