Kleine Geschichte der Contax

Peter LAUSCH

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Contax II & III

 

Zeiss lernte aus den Mängeln der Contax (I). Ab 1936 wurde die weiterentwickelte Contax II angeboten. Der Sucher wurde vergrößert, er wurde ein echter Messsucher, wie ihn Leitz erstmals 1954 in der Leica M3 anbot, der Verschlusszeitenknopf wurde (nach dem Vorbild der Leica) auf die Oberseite des Gehäuses verlegt. Das neue Styling wurde ergänzt durch schwarze Belederung auf einem verchromten Gehäuse. Das wiederum war nicht neu, Leitz lieferte die Leica II schon seit 1933 wahlweise in dieser Ausführung. In Aufnahmehaltung rechts neben dem Objektiv ist ein Selbstauslöser eingebaut; An der Leica findet sich ein serienmäßiger Selbstauslöser erst ab 1954 an der Leica IIIf, von den 427 Exemplaren der Leica IIId ab 1939 abgesehen, bei denen der Selbstauslöser allerdings nicht immer zuverlässig funktionierte. Und die kürzeste Belichtungszeit betrug formal 1/1250 Sekunde (nur selten exakt; bei den meisten Exemplaren betrug die faktische Belichtungszeit nicht einmal 1/1000 Sekunde). Wie man heute weiß, hält der Verschluss auf Dauer die extreme Belastung bei dieser Verschlusseinstellung nicht aus; bei vielen Exemplare der Contax laufen zwar die beiden Verschlussvorhänge bei dieser Einstellung ab, aber die für die Belichtung maßgebliche Schlitzbreite stimmt nicht mehr oder es bildet sich überhaupt kein Schlitz.

 

     Contax IIa

Die Contax II 

 

Der Contax II folgte als Ergänzung die Contax III, identisch mit der II, aber zusätzlich mit einem  auf der Oberseite angebrachten Selen-Belichtungsmesser; der war zwar mit Zeit- und Blendeneinstellung nicht gekuppelt, bot aber nach damaliger Meinung dennoch so viele Vorteile bei der praktischen Arbeit, dass namentlich die Contax III ihrer Zeit deutlich voraus war, denn selbst in den 50er-Jahren waren eingebaute Belichtungsmesser noch eine Seltenheit. Die Contax III war daher trotz des klobigen Aufbaues auf der Gehäuseoberseite seinerzeit besonders beliebt. Heute ist es in Sammlerkreisen gerade umgekehrt, denn leider, die Selenzellen funktionieren aus Altersgründen meist nicht mehr, Ersatz ist keiner zu finden - und nach heutigen Begriffen genaue Messungen waren infolge des großen Messwinkels ohnehin niemals möglich. Daher sind die IIIer-Modelle meist für weniger Geld erhältlich als eine sonst gleichwertige Contax II.
  

Die Contax II und die Contax III waren  . gemeinsam mit der Leica - zweifellos das Beste, was die deutsche Kameraindustrie vor dem Krieg schaffen konnte. Zum Unterschied von der Contax (I, die ich in Klammern setze, weil die Kamera ja bis 1936 eben "die Contax" war und nicht die "Contax I"), war die II und die praktisch baugleiche III eine verlässliche, wenn auch kompliziert aufgebaute Kamera. Zu ihr gab es, so wie zur großen Konkurrenz von Leitz, umfangreiches Zubehör, vor allem für den Bereich der Nahaufnahme und für Reproduktionen, kein Wunder in Zeiten, in denen es keine Kopiergeräte gab.
  

Ob die Contax die "bessere" Kamera war oder die Leica, ist letztlich Glaubenssache. Darüber sind in Fachkreisen heftige Diskussionen geführt worden. Im Nachhinein gesehen, stammt die Idee der heutigen Kleinbildkameras zweifellos von Oskar Barnack und wurde 1925 von Ernst Leitz mit der Leica verwirklicht; qualitativ stand die Nachgeborene der Leica nicht nach und beide gemeinsam bewirkten durch ihre herausragenden Leistungen den Siegeszug der Kleinbildfotografie vor dem 2. Weltkrieg.

 
  

 

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© Peter Lausch/ Geändert 15.7.2009