Anhang

 

zurück zu den einzelnen Namen: A–D   E–H   I–N   O–R   S   T–Z

 

Bleiburg/Pliberk: nach dem ehemaligen Blei-Bergbau so benannt oder aus *Blī(de)burg ‘die liebliche Burg’ (höfischer Burgenname), worauf der alte urk. Beleg 993-1000 Livpicdorf bzw. 1020-25 Liupickdorff hinweisen könnte (wenn diese nicht einen mit ljubъ ‘lieb’ gebildeten sl. PN enthält wie Loibach/Libuče, → Loibach).

Deutsch → Windisch

Drau/Drava: dieser Gewässername ist in lateinisch geschriebenen Quellen als Dravus seit dem Ende des 8. Jhdts. (z.B. bei Paulus Diaconus) bezeugt, worauf auch die seit dem 15. Jhdt. (Zeitalter des Humanismus) übliche dt. Schreibform (zunächst Drave, dann) Drau zurückgeht; dt.ma. lautete er ursprünglich Trage. Ins Sl. gelangte der Name als Drava. Der Name ist vorrömisch (*draos) und beruht auf indogermanisch *droo- ‘Fluss(lauf)’;  die zu erwartende hochdeutsche Lautverschiebung d- > t-  ist urk. seit 878 (per fluvium Tráam) fassbar und liegt sowohl den mittelalterlichen Schreibungen Traa, Trâ, Traha, Traga usw. als auch der dt.ma. Form Trå(ge) zugrunde.

Edling/Ka(j)zaze usw.: die Edlinger waren eine privilegierte gesellschaftliche Schicht, zunächst niederer Adel, später v.a. freie Bauern auf eigenem Land, Näheres → Kroaten.

Fürstenstein / Knežji kamen: Die historische Bedeutung des Kärntner Fürstensteins ist allgemein bekannt und unum­stritten; bis vor kurzem stand er in der Aula des Landesmuseums und wird bekanntlich seit Anfang 2006 im Wappensaal des Landhauses in Klagenfurt aufbewahrt. Es handelt sich dabei um den Basisteil einer römisch-ionischen Säule, auf deren Sitzfläche im Mittelalter das Landeswappen eingemeißelt wurde. Der Kärntner Fürstenstein spielte bis zum Jahre 1414 bei der Kärntner Herzogseinsetzung die Schlüsselrolle, und zwar sowohl in slawisch-karantanischer Zeit als auch später im Herzogtum Kärnten. Die auf ihm durchgeführten Einsetzungs­zeremonien wurden „sclavice“ (= in slawischer Sprache) bzw. „in windischer rede“ gehalten, was den Fürstenstein in ethnischer Hinsicht sowohl für die slowenischen als auch für die deutschen Kärntner zu einem einmaligen Symbol der Landesgeschichte macht. Ähnliches gilt für den Herzogstuhl, wo die Einsetzungszeremonien mit dem rechtlichen Akt der Lehensvergabe, der Rechtsprechung und der Huldigung abgeschlossen wurden. Beide Denkmäler gehören zu den ältesten auf österreichischem Boden überhaupt und symbolisieren somit das Jahrhunderte lange (meist friedliche) Zusammenleben der deutschen und slowenischen Kärntner wie kein anderes. Der slowenische Bezug zur Herzogseinsetzung ist heute noch im Ortsnamen Blasendorf, dem Wohnsitz des „Herzogbauern“, der bei der Zeremonie am Fürstenstein eine bedeutende Rolle spielte, erkennbar, enthält doch dieser Name ein altes slowenisches Wort für ‘Richter, Verwalter oder Edling’ – Hinweis auf die Verschränkung beider Sprachen in Kärnten seit Anbeginn: Blasendorf/Blažnja vas ist das ‘Dorf des blag, des Richters, Verwalters oder Edlings’. Dieser Ort war der Sitz des „Herzog­bauern“, der bei der Zeremonie der Herzogs­einsetzung auf dem Zollfeld beim Fürstenstein als Repräsentant des Volkes auftrat; in der Nähe liegt Atschalas/Kočelez(e) – wohl aus sl. *koseži laz ‘Edlingsrodung’ (sl. *kosez, kazaz usw. ‘Edling’). In der Untersteiermark gab es ein zweites Blasendorf (so urk. 1440, ab 1450 Ambt­manstorff, d.i. ‘Dorf des Amtmannes’; das Wort Amtmann, in der Schweiz Ammann, entspricht in seiner Bedeutung dem sl. blag), heute Gojkova. An diese Zeremonien erinnert auch der Ortsname Rotheis.

Gail / Zilja~(Zila ): urk. 1150 apud Gile, 1180 Gilam; zu indogermanisch *ghoilo- ‘auf­schäumend, heftig’, etwa ‘überschäumender Fluss’, althochdeutsch Gîla, früh entlehnt, noch bevor frühsl. *Gil’a (< rom. *Gẹlia, italienisch urk. Zeglia) zu sl. Zilja geworden war.

Großglockner: höchster Berg Österreichs (3.798 m), oft „der König“ genannt; östlich vorgelagert, durch die Obere Glocknerscharte (3.766 m) getrennt, liegt der Kleinglockner (3.783 m), mundartlich und umgangssprachlich meist nur der Glockner genannt. Erstnennung beim Kartographen Wolfgang Lazius (1562) Glocknerer, die erste urkundliche Erwähnung des Bergnamens als Glogger stammt aus dem Jahr 1583 in einer Grenzbeschreibung des Gerichtes von Kals; im 16./17. Jhdt. Glogger neben Gloggner, später auf Karten Glöckner Mons und Glöckelberg, auch Glockner Berg; der Zusatz Groß- erst seit den Berichten von der ersten Glocknerexpedition von 1799 belegt. – Nach E. Kranzmayer so benannt entweder wegen seiner Ähn­lichkeit mit einem Glocken­turm (romanischen Stiles) oder wegen seiner glocken­ähnlichen Form, die früher (zur Zeit des Höhepunktes der Ver­gletscherung) wohl aus­geprägter war als heute (ähnliche Namen auch im Arlberggebiet [Glogger] und in der Granatspitzgruppe [Glocken­kogel]). Dieser Ansicht widerspricht K. Finsterwalder zwar nicht, aber er weist darauf hin, dass mit Gloggner das Glocken tragende Rind und Schaf auf den Almen bezeichnet wurde (dazu die beiden mundartlichen Bezeichnungen gloggêb ‘Leithammel/-schaf’, gloggnkue ‘Leitkuh’ im Wörterbuch von J. Schatz), nicht aber ein Glockenturm. Daher sei eher von Glogger in der Bedeutung ‘Eisglocke’ auszugehen. – Ein oft vermuteter Zusammenhang mit dem mundartlichen Wort klocken ‘klopfen, hämmern, pochen’ ist aus lautlichen Gründen unwahrscheinlich, sonst müssten die ältesten Belege Klock- o.ä. lauten. Denkbar wäre aber (nach P. Anreiter) die Umdeutung eines Hofnamens Klock(n)er ʻPocherʼ zu Glockner wie im Namen des Glockenkarkopfes (in der Venedigergruppe, Salzburg). – Im 19. Jhdt. entsteht die italienische Bezeichnung Campanile (eine Übersetzung, heute kaum noch üblich) sowie die slowenische Klek (neben Zvonar, das [nach F. Bezlaj] ebenfalls eine gelehrte Übersetzung ist). Da Klek (exakt Veliki Klek) eine gewisse lautliche Nähe zu Glockner hat und darüber hinaus in der slowenischen Bergnamen­gebung vorkommt, ist auch eine slawische Herkunft des Namens erwogen worden. Klek hat entweder die Bedeutung ‘Versammlungsort der Zauberinnen, Hexenplatz’ (so F. Bezlaj), wäre also im Volksaberglauben begründet (vgl. in der Venedigergruppe den Namen Glexenköpfe, unweit davon liegen die Hexenköpfe) ist an slowenisch klek ‘Versammlungsort der Hexen’ zu denken.) oder ist eine Variante zu kleč ‘Klippe’ (so R. Badjura).

Hundsdorf / Podsinja vas~(Psinja vas ): zu sl. pes ‘Hund’ (als PN); urk. 1220 als Hundesdorf belegt ‘Dorf eines Mannes namens Hund’, wie auch Hundsdorf/Pesje (bei Völkermarkt) sowie Pisweg und Psein (bei Gurk). Bei den frühmittelalterlichen Slawen im alpinen Raum kamen Tiernamen als Personennamen sehr häufig vor wie z.B. auch jelenъ ‘Hirsch’ und medvědь ‘Bär’, daher ist es sehr wahrscheinlich, dass auch sl. pes (< pьsь) ‘Hund’ als Personenname vorkam, zumal Hund (als alter dt. PN Hunt) sehr wohl bezeugt ist. Insgesamt kommt der Siedlungsname Hundsdorf in Österreich 17× vor. – Die heute amtlich gewordene Schreibung Podsinja vas (‘Dorf unter Sinach/Sine bzw. dem Sinacher Gupf’, so erstmals im Spezial-Ortsrepertorium nach der Volkszählung 1910 [erschienen 1918]) ist eine sekundäre Umdeutung von Psinja vas~ves (1860 schrieb man Psinjaves, Psinja vas auch im Atlas Slovenije 1985). – So sind auch Hundsdorf/Pesje und Hundsdorf (bei Friesach) sowie Pisweg u. Psein zu erklären.

-ing-Namen: Bei den Kärntner Namen auf -ing ist zu unterscheiden zwischen „echten“ (also bairischen) -ing-Namen (z.B. → Wieting) und sekundären -ing-Namen (der weitaus häufiger Fall). Bei letzteren ist eine slawische Endung durch -ing ersetzt ersetzt worden, z.B. → Tigring oder → Treffling. Dies kommt auch bei Gewässernamen vor, z.B. → Gössering. Dieser Namentypus enthält das im Bairischen sehr produktive und daher weit verbreitete Wortbildungselement -ing (auch -ingen) und bezeichnet meist die Zugehörigkeit zum vorhergehenden Wortteil; dieser kann ein PN (z.B. → Siebending), aber auch eine topographische Bezeichnung (z.B. → Dalling) sein. Es ist gemeindeutsch und auch in anderen germanischen Sprachen verbreitet.

Jaun- / Jun- in Jauntal/Podjuna usw. geht einerseits auf den nach einer keltischen Gottheit benannten römischen Ort Juenna, Jovenna zurück und ist erstmals urk. um 995-1005 als Iûnotal bezeugt; sl. Podjuna ist die Bezeichnung sowohl für die Ortschaft Jaunstein als auch für das Jauntal; andererseits kann Jaun- ursprünglich auch ein Gewässername gewesen sein, der auf einem indogermanisch-voreinzelsprachlichen *uenā (‘mit Sand, Kies usw. durch­mischtes Wasser’, zur Wurzel *e- ‘vermengen’ beruht ähnlich wie bei Iuvavum, dem lateinischen Namen von Salz­burg). Beide Erklärungen sind möglich, wobei die lautliche Ähnlichkeit wohl eine Rolle gespielt hat.

Karawanken/Karavanke: gelehrter Herkunft aus der Zeit des Humanismus auf Grund von Ptolomäus’ Καρουαγκας /karuankas/, einer vorkeltischen Sprachschicht zuzuordnen, etwa *kar--ank- ‘mit Felsen, Steinen versehen’ (zu *kar-- ‘Stein, Fels’), aber von den Kelten später mit keltisch karvos ‘Hirsch’ volksetymologisch in Zusammenhang gebracht und daher zu ‘Hirschberg(e)’ umgedeutet – vergleichbar die sl. Benennung Košuta ‘Hirschkuh’ für den zentarlen Teil der Karawanken. Auf einer anderen Ableitung von der gleichen Wurzel beruht der Name des Bundeslandes Kärnten (→ Karnburg). ­– In beiden Sprachen auch Krainberge oder Krainer Berge, sl. Kranjske gore, genannt.

Karnbúrg / Krnski Grad: Der Name des Haufendorfes am westlichen Rande des Zollfeldes nördlich von Klagenfurt am Fuße des Ulrichsberges ist mit dem Namen des Bundeslandes Kärnten aufs engste verbunden, denn hier (in unmittelbarer Nachbarschaft des antiken Virunum) lag im 7./8. Jhdt. das Zentrum des slowenischen Karantanien. An diesem Ort wurde dann im 9. Jhdt. eine karolingische Pfalz errichtet, als deren Rest die Kirche zu betrachten ist. In der Nähe stand auch der jetzt im Landhaus aufbewahrte „Kärntner Fürstenstein“ (→ Fürstenstein), der bei der Einsetzung der Kärntner Herzöge eine wichtige Rolle spielte. Urk. ist diese Örtlichkeit 888 Carentano, curtem Corontanam, 927 in civitate Carantana usw. bezeugt. Der Name geht auf ein keltisches Wort für ‘Stein, Fels’, etwa *karant-, zurück. Der Wortstamm *kar- (entweder zu indogermanisch *kar- ‘hart’, gotisch hardus oder zu [bzw. gekreuzt mit] *k’er(ə)-/*k’or(ə)- ‘Oberstes am Körper’ > ‘Kopf, Horn, gehörntes Tier; Gipfel’ mit zahlreichen Ableitungen und Varianten, dazu u.a. keltisch karvos ‘Hirsch’, lateinisch cervus ‘Hirsch’, cerva ‘Hirschkuh’, sl. krava ‘Kuh’, lateinisch cornu und dt. Horn usw.) kommt in unserer Region (mit der Bedeutung ‘Fels, felsige Gegend usw.’) mehrmals vor, z.B. italienisch Carnia, sl. Kranj (< *karń-) usw. (ähnlich auch der neuzeitliche [nach Ptolomäus geprägte] Gebirgsname → Karawanken), daher ist der Mons carentanus (983 in monte Carentano, bis ca. 1500 Karnberg genannt, heute) ‘Ulrichsberg’ mit seinem markanten felsigen Gipfel als ‘Steinberg’ zu interpretieren; an seinem Fuße (am Rande des Zollfeldes) auf einem kleinen felsigen Plateau lag die *Charantapurch ‘Kärntenburg’ > urk. 1201 Chaerenpurch > Karnbúrg (> sl.ma. Karempúrg; im 19. Jhdt. von Urban Jarnik übersetzt als Koroški grad), nicht zu verwechseln mit dem kleinen Weiler Karnbérg nördlich des Ulrichsberges, der dessen alten Namen fortsetzt. – Diesen Formen liegt also ein keltisches *karant- ‘Felsen’ zu Grunde, das über sl. *korǫt- + -ьsk- im Sl. Koroška ‘Kärnten’ usw. ergab (so schon bei Gutsmann 1789 neben Koratan = Korotan).

Kärnten/Koroška (auch Koroško, †Korotan): eigentlich Adjektiv, altsl. *korǫtьskъ ‘kärnt­nerisch’ (→ Karnburg).

Klagenfurt/Celovec: Die östlich vom Wörthersee an der Glan gelegene Kärntner Landeshauptstadt (seit dem 16. Jhdt.) wird erstmals in einer Urkunde am Ende des 12. Jhdts. genannt: 1192-1199 mutam in foro Chlagenuurt remittimus. Diese Nennung bezieht sich auf einen Markt im Gebiet des heutigen Spitalberges am nördlichen Ufer der Glan (gegründet von Herzog Hermann von Spanheim). Archäologische Funde lassen auf eine Besiedlung dieses Gebietes bis in die vorrömische (La-Tène-) Zeit schließen. Das Wahrzeichen der Stadt (seit 1252) ist der Lindwurm (urk. 1287 im Stadtsiegel);  Herzog Bernhard (1202-1256) gründete südlich der Glan eine neue, befestigte Siedlung mit Burg. Nach dem Brand von 1514 Schenkung der zerstörten Stadt durch Kaiser Maximilian an die Landstände; die „ständische Stadt“ (bis 1848/49) – ein Sonderfall in der deutschen Verfassungsgeschichte – wird 1518 (anstelle von St. Veit an der Glan) Landeshauptstadt und Regierungssitz. Die Stadt entwi­ckelte sich an einer Furt über die Glan und das sich im Süden anschließende Sumpfgebiet zwischen Glan und Glanfurt. Über diese Furt führte schon in der Römerzeit eine Straße von Virunum (auf dem Zollfeld nördlich der Stadt) über den Loiblpass nach Emona (heute Laibach / Ljubljana). Der Schlüssel zur Erklärung des Namens liegt in seiner sl. Entsprechung Celovec (urk. 1615 V Zelovzi, Lokativ); die zahlreichen ma. Varianten (Cve-, Cvilowc usw.) weisen auf eine sl. Ausgangsform *cviľovьcь bzw. altsl. *Cviljovec, die lautlich auf ein romanisches *l’aquiliu (mit Artikel) ‘Ort, Platz am bzw. mit Wasser’ zurückgeführt werden kann. Die romanische Ausgangsform wurde zunächst zu *la quiliu umgeformt und ohne Artikel ins Sl. als *kviľŭ entlehnt, woraus *cviľь entstand, das schließlich mit dem in Ortsnamen nicht seltenen Wortbildungselement -ovьcь (> sl. -ovec) erweitert wurde und schließlich frühsl. *Cviljovec ergab. Da sl. cvilja (zufällig) ‘(Weh-) Klage, Gejammer usw.’ bedeutet, wurde dies ins Dt. mit ‘Klage’ übersetzt und es entstand die der Lage des Ortes entsprechende dt. Bezeichnung Klagenfurt, wobei die mythologische Figur der ‘Klage’ an der unfall­trächtigen Furt volksetymologisch sicher eine Rolle gespielt haben mag.

Kolbnitz (Hauptort der Gem. Reißeck): das Haufendorf im unteren Mölltal (Oberkolbnitz am östlichen Abhang des Danielsberges u. Unterkolbnitz mit der spätgotischen Pfarrkirche St. Jakob d.Ä.) wird urk. um 1120 als Cholomunzi, 1126 als Cholmuncze u. (Kopie 1620) Cholmunche (sowie u.a. 1121 Colominze, 1254 Cholemz) genannt. Der an den Ort grenzende Danielsberg ist altes Siedlungsgebiet (urgeschichtliche Funde, vorchristliche Kultstätte), von dem aus der Name (ma. Kolmitz) ausgegangen ist. Das voreinzelsprachliche Etymon (es kommt in Mitteleuropa mehrmals vor, z.B. Kollmitzberg in Niederösterreich, Kallmünz u. Kellmünz in Bayern usw., vgl. auch Kulmitzen bei Straßburg u. Kulmitz bei → Hochosterwitz sowie Kollnitz bei St. Paul i.L.) ist ein Kompositum aus indogermanisch *kel-/*kol- ‘hoch, ragen’ und *m-t-/*monii̯o- ‘Berg, Gebirge’ mit der Bedeutung (etwa) ‘emporragender Berg’. Später im Auslaut an die zahlreichen auf -itz endenden Namen slawischen Ursprungs angeglichen.

Kroaten (und Kroatengau): Gegen Ende der Völkerwanderungszeit kamen die Vorfahren der heutigen Slowenen, die Alpenslawen, mit einer (türksprachigen) awarischen Oberschicht ins Land. Awarische Relikte sind z.B. slowenisch kazaz (*kosez) ‘Edling’ (die Edlinger waren eine privilegierte gesellschaftliche Schicht, zunächst niederer Adel, später v.a. freie Bauern auf eigenem Land), daher heißen die Edling genannten Kärntner Ortschaften im Slowenischen Kazaze, Kajzaze usw.) und ban, ein Fürstentitel, der als mittellateinisch banus und in den Ortsnamen Faning (slowenisch Baniče, Gem. Moosburg), Pfannsdorf (slowenisch Banja vas, Gem. Sittersdorf) u. Fohnsdorf (in der Steiermark) weiterlebt, und zwar in den sogenannten „Kroatengauen“, von denen erstmals jener um das Kärntner Glantal 954 als pagus Chrouuati genannt wird. Bei diesen Kroatengauen handelt es sich ursprünglich um halbkreisförmig um einen zentralen Punkt (in unserem Fall um Faning, urkundlich 1053 Vaniccha < *Banik’e ‘Ort eines ban, eines awarischen Fürsten’) angeordnete Wehrsiedlungen und somit um einen der ältesten Zeugen alpenslawischer bzw. karantanischer Siedlungs­namengebung. Diese Siedlungen repräsentieren v.a. den slowenischen Namenstyp auf -iče (→ Erklärungen sub 4 T1), jeder 20. Kärntner Siedlungsname (oder 5%) gehört hierher. Ferner ist festzuhalten, dass dieser Typus nur in jenen Gebieten vorkommt, die vor 1200 be­siedelt worden sind – ein Hinweis darauf, dass in jenen Gegenden, in denen -iče vorkommt, die slowenische Besiedlung spätestens im 12. Jhdt. erfolgt sein muss. Damit stimmt auch die Verbreitung dieses Typus in den „Kroatengauen“ überein. Unter diesen Kroaten ist nicht das heutige slawische Volk zu verstehen, sondern eine Art Kriegerkaste ursprünglich awarischer Abstammung unter den Alpenslawen. Der Name Kroaten beruht auf frühslawisch *Chъrvate (Plural zu *Chъrvatinъ), seine Herkunft ist umstritten, nach dem byzantinischen Historiographen Porphyrogennetos heißen sie deshalb so ‘weil sie viel Land besitzen’ – leider ohne nähere Angaben.

*maločep- in den sl. Siedlungsnamen Malčape (Čepiče) / Zapfendorf (1254 Zapfendorf, 1570 Mallzepf) u. Malčape / Klein­zapfen (1267/68 Maltschach, 1430 Malzschach, 1578 Kleinzapfen): Herkunft umstritten, im Detail unklar, z.T. ‘höher gelegene ebene Fläche, höher gelegenes Grundstück’, wahrscheinlich < romanisch mal ‘Berg’ + campus ‘Feld’, z.T. ‘Grenzberg’ < romanisch mal ‘Berg’ + cippus ‘Grenzstein, Pfahl’. Später wurden mal- und čep zu sl. Wörtern mit der Bedeutung ‘klein’ bzw. ‘Zapfen’ uminterpretiert und es entstanden die dt. „Übersetzungen“ Zapfendorf und Kleinzapfen. Dazu auch Maltschach (1303 Malzic, 1422 Maletschenppach, 1399-1409 Malaschempe, 1432 Maltschik, -g), Mailsberg (urk. 979 Malmosic, 1268 Malspech, 1303 Meuswerch, 1399-1409 Malaschempe, 1348 Malspechen), Meilsberg (urk. 1358 Mälspechen), Malpitsch (1404 Malapitsch) und Matschenbloch (1106 Malotsemplach) und wohl auch Čepiče / Tschepitschach, weiters Maltschach (Steiermark) und Zompitta, Zompicchia (Friaul). Manche urk. Belege weisen (wegen des Nasals) eher auf romanisch campus, z.B. 1422 Maletschenppach (Maltschach) oder 1106 Malotsemplach (Matschenbloch), andere nicht wie 1404 Malapitsch (Malpitsch), 979 Malmosic (Mailsberg) oder 1570 Mallzepf (Zapfendorf). Daher muss eine endgültige Deutung dieses nur in einem begrenzten Raum vorkommenden Wortes derzeit offen bleiben. – Weitere Deutungsmöglichkeiten: etwa ‘wenig (also nicht ständig) bewohnte Siedlung’ (zu sl. malo ‘klein’ + čepeti ‘hocken’); germanisch/althochdeutsch *ma(h)lakimp- ‘Gerichtsstein’ (so Kranzmayer Ortsnamenbuch I 56-58 u. II 150). Näheres dazu → H.D. Pohl in: Peter Anreiter – Ivo Hajnal – Manfred Kienpointner (Hg.), In simplicitate complexitas. Festgabe für Barbara Stefan zum 70. Geburtstag, Innsbruck-Wien, PraesensVerlag 2012, 319ff. (Studia Interdisciplinaria Aenipontana, Bd. 17).

Maria Saal / Gospa sveta (ma. Gosposvete) und Zollfeld / Gosposvetsko polje (ma. Svete, Svatne): die sl. Bezeichnung des Ortes bedeutet eigentlich ‘heilige Frau’, die des Zollfeldes ‘Maria Saaler Feld’. Der Markt (Markterhebung 1930) und Wallfahrtsort im südöstlichen Zollfeld nächst dem antiken Virunum wird gemäß seiner landesgeschichtlichen Bedeutung schon sehr früh urk. erwähnt: 860 ad Carantanam ecclesiam sanctae Mariae, ähnlich schon im 8. Jhdt. in der „Conversio“. Das heutige zweite Glied des Namens ist seit dem 11. Jhdt. fassbar: 1060-64 ad sanctam Mariam in loco qui dicitur in Zol, in lateinisch geschriebenen Quellen wiederholt Maria in Solio, de Solio, ad Solium usw., die Ortschaft hieß 11.-16. Jhdt. Zoll, seit 15. Jhdt. auch Maria im Saale. Die Namen (Maria) Saal und Zoll-feld sind Varianten ein und desselben Ausgangswortes: rom. *sala, aus dem Substrat, zu indogermanisch *sal- ‘Fluss’ (wie Saale, Saalbach usw.), das einerseits dt. Saal, andererseits altsl. *sol- (> dt. Zoll) ergab. Diese Doppelheit wiederholt sich im nördlich gelegenen Weiler Raggasaal (urk. 980 Racozolach, 1371 Rakasal). *sala dürfte der alte Name der Glan im Zollfeld sein; alte Sagen wissen von einer untergegangen Stadt Sala auf dem Zollfeld zu berichten (gemeint ist damit das alte Virunum). Die Nähe des „Herzogsstuhls“ auf dem Zollfeld ließ die lat. Bezeichnung Solium (Anlehnung an solium ‘Sitz, Thron’) entstehen.

Nötsch/čajna: der Name des südlich vom Dobratsch (Villacher Alpe) gelegenen Ortes ist aus dem gleichnamigen Gewässernamen hervorgegangen, der 1253 als Nezzach, 1522 in der Netschach urk. bezeugt ist. Die ma. Bezeichnung ist Netsch, sl. Čajna. Bei diesem Namen handelt es sich wahrscheinlich um einen Gewässernamen indogermanischer Herkunft, zusammengesetzt aus Netze (< indogermanisch *nodī- ‘(netzender) Fluss’) und dem Gattungswort althochdeutsch aha ‘Ache, Bach, Fluss’. Die sl. Bezeichnung bedeutet ‘dunstiger Bach, Rauchbach’ (vgl. den ebenfalls an der Nötsch gelegenen Nachbarort Saak, sl. Čače, zu sl. čad ‘Dunst, Rauch’, urk. 1238-61 Sacch, 1371 Saek; zugrunde liegt der Einwohnername sl. *Čadiče < altsl. *Čadik’e). Es ist auch vermutet worden, dass sl. Čajna auf dem sl. PN Nečaj beruht; in diesem Fall könnte auch dt. Nötsch auf Grund der urk. Belege als Lokativ Plural *Nečajachъ zum Einwohnernamen *Nečaje betrachtet werden. Da jedoch in der Regel der Gewässername primär ist und ein PN als Name eines größeren Gewässers ungewöhnlich ist, erweist sich letztere Deutung als wenig wahr­scheinlich; ferner sind ein altes dt. Netschach und ein sl. Čajna lautlich und morphologisch nur sehr schwer unter einer gemeinsamen Ausgangsform zu vereinen.

Oberdrauburg: urk. 1240 Traburch. Dieser Name (ma. Tråwurg u. Drauwurg) ist zunächst als ‘Burg an der Drau’ (zu althochdeutsch burg ‘Burg, Stadt, Stätte’ u. zum Gewässernamen → Drau) zu erklären, wozu allerdings nicht die verbreitete alte mundartliche Form Tråbrig sowie die furlanische Bezeichnung Trabrec passen. Diese scheint auf eine alte keltische Bezeichnung *Dravobriga (d.i. Drau + keltisch brig- ‘Anhöhe, hochgelegener Ort; [auch] Festung’) zurückzugehen. Daher dürfte Drauburg in Oberdrauburg eine schon im Mittelalter erfolgte volksetymologische Umformung eines älteren *Trabrig sein. – Die beiden Marktgemeinden Ober- und Unterdrauburg (letzteres seit 1918 zu Jugoslawien bzw. Slowenien) markierten die (durch viele Jahrhunderte) westliche u. östliche Kärntner Landesgrenze an der Drau.

Pasterze: Dieser Name ist aus dem Sagengut erklärbar (s.u.). Auszugehen ist von sl. pastír ‘Hirt’ (auch in dt.ma. Pasteier ‘kleine Almhütte’, Liesertal, enthalten), etwa *pastirica ‘Hirtengegend, Weidegebiet’, ver­bunden mit der Vorstellung, dass unter dem Gletscher einst ein üppiges Almgebiet lag, was für den unteren Bereich sehr wahrscheinlich ist. Vor 500 Jahren erlebten unsere Vorfahren das genaue Gegenteil des heutigen Rückzuges der Vergletscherung: den Gletschervorstoß. Noch im Jahre 1554 wird urkundlich eine wise … in der Pasterze, also eine ‘Wiese’ in diesem Gebiet genannt; darunter lag die damals schon magere Etze, heute → Margaritze, also karges Weideland, darüber die damals wohl üppigere Pasterze, welches Wort ja ‘Weidegebiet’ bedeutet, was sie damals offensichtlich (noch) war. Heute – nach dem vor uns als katastrophal erlebten Rückzug des Gletschers – ist dort alles (fast) „Wüste“ und wie schnell die Natur die Vegetation zurückholen wird, kann ich nicht beurteilen. Auch viele andere Namen weisen auf ehemalige (später vergletscherte) Weidegebiete hin, so auch die Übergossene Alm in Salzburg und im Zusammenhang damit viele Sagen, die also nicht nur auf volkstümlichen Vorstellungen beruhen, sondern vielfach einen wahren Kern haben.

Rosegg/Rožek (und Rosental/Rož sowie Rasburg): urk. 1106, 1169 und 1171 Rasek; Name von der Burg (Ruine Altrosegg, urk. 1239) < Rasa + Egg ‘Bergspitze,  -gipfel’ (typisches Appellativ in Burgennamen);  Rasa (urk. 9. Jhdt.) ist rom. Herkunft (aus dem Substrat) und bedeutet etwa ‘Landschaft um den Bach oder Fluss’, zu rom. *rosa, *ross ‘Gletscher, Wildbach, Erdrutsch’ (z.B. in Schweizer Namen wie Arosa, Monte Rosa, Roseg usw.). Davon auch der Talname Rosental (seit 12. Jhdt., sl. Rož), Rosenbach und die Rosenbacher Alm (sl. Rožca < Rož-ščica) sowie → Rasburg, alte Burg (heute Ruine, urk. 876-80 Rasa) westlich von Rosenbach.

Sattnitz / Sotnica~Jezernica~Gure: Als Siedlungsname heute außer Gebrauch, dieser wurde vom Gebirgsnamen Sattnitz auf die Siedlung übertragen. Dieser wiederum ist vom alten Weg von St. Ruprecht über Maria Rain nach Kirschentheuer (bei Ferlach) ausgegangen, der sl.ma. Sotnica hieß und auf sl.ma. sot ‘Gebirgsweg’ beruht. Der Höhenzug der Sattnitz wird heute im Sl. Gure (ma. Plural zu gora ‘Berg’) genannt. Der Name Sattnitz wurde auch auf den Fluss, der amtlich → Glanfurt heißt, übertragen, im Sl. heute meist Jezernica ‘Seebach’ (er ist ja der Wörthersee-Abfluss), ma. auch Sotnica. Die Glanfurt ist urk. vom 12.-16. Jahrhundert als Lanquart überliefert und erst später zu Glanfurt umgeformt worden; der Name ist keltischer Herkunft und bedeutet ‘Krummbach’, sl.ma. wurde daraus łank(a)rt.

Tauern (Plural, Einzahl: der Tauern): Gebirgsgruppe in den Zentralalpen (Hohe Tauern, Niedere Tauern in den Bundesländern Tirol, Salzburg, Kärnten u. Steiermark), aus altem tûr- entstanden. Es gibt – etymologisch u. auch semantisch gesehen – zwei Tauern-Bezeichnungen: Tauern I u. Tauern II.

Tauern I: ‘Gebirge; Pass, für den Viehtrieb geeigneter Gebirgsübergang’; heute in der Geographie Sammelbegriff für einen Teil der Zentralalpen. Über einige Tauern genannte Bergübergänge führten von alters her wichtige Handelsrouten, auf denen mit Saumtieren und Schleifwagen von den „Säumern“ (mundartlich Samer) Güter befördert wurden. Ursprüngliche Bedeutung ‘Berg’ (Substratwort, vorrömisch bzw. romanisch *taur- ‘Berg’), erst später ‘Pass’. Wenn auch in den Ostalpen besonders häufig, ist dieses Appellativ in ganz Südwesteuropa und im mediterranen Bereich bis nach Kleinasien verbreitet. Abseits vom Kernbereich kommt es in Österreich u.a. am Plansee bei Reutte, als Ober- und Untertauern bei Kitzbühel (beide Tirol) und in Bayern am Samerberg (1369 auf dem Tauern) vor. Ins Slowenische ist Tauern I als Ture (Plural) gelangt und liegt den beiden geographischen Bezeichnungen Visoke ‘Hohe’ u. Nizke Ture ‘Niedere Tauern’ zu Grunde. Dieses Appellativ ist jedoch von Tauern II nicht klar zu trennen.

Tauern II: Dieses beruht auf dem gemein­slawischen Wort tur- ‘Bodenschwellung, ableitiger Hügel’ (neben anderen Bedeutungen), das im Slowenischen in Namen wie turje mit der Bedeutung ‘stark ableitiger Hügel’ erscheint. Dieses liegt nun dem Namen (Ossiacher) Tauern, slowenisch (Osojske) Turje (Ossiacher Tauern heißt die Gegend, Tauern die Siedlung), und dem Turia-Wald, slowenisch Turje zu Grunde, beide in Unterkärnten außerhalb des „eigent­lichen“ Tauerngebietes. Der Turia-Wald ist durch den Hofnamen ad Tauru, ad Taurn in Albersdorf bei Schiefling am Wörthersee bereits sehr früh belegt (9. Jhdt.), auch der Ossiacher Tauern ist schon seit dem 12. Jhdt. urkundlich bezeugt. Dazu kommt noch die einen abgekommenen Berg­namen enthaltende slowenische Benennung Pod Turjo (wörtlich ‘unter dem Tauern’) für Neuhaus an der Gail. – Slawisch turъ bedeutet auch ‘Auerochse’, verwandt mit indogermanisch *tauros ‘Stier’, was bezüglich der hier behandelten Oronyme Tauern I und II wohl fernbleibt, denn die so bezeichneten Objekte entsprechen meist nicht dem Lebensraum dieses Wildrindes.

Teurnia (später auch Tiburnia) war eine der größten Städte im alten Noricum. Die Ruinen des antiken Teurnia befinden sich auf dem → Lurnfeld am Holzerberg im Ortsteil St. Peter in Holz der Gem. → Lendorf, vier Kilometer westlich von → Spittal an der Drau. Teurnia war zuletzt Hauptstadt der römischen Provinz Binnennoricum u. frühchristlicher Bischofssitz. Heute befindet sich hier das „Römermuseum Teurnia / St. Peter in Holz“. Der Name Teurnia wird als ‘Bergstadt’ gedeutet, was aber nicht sicher ist.

Turnersee / Zablaško~Zablatniško jezero: früher Sablatnigsee wie noch heute der sl. Name, nämlich Zabla(tni)ško jezero. Am benachbarten Sablatnigmoor ist diese Namensänderung vorbeigegangen. Diese ergab sich dadurch, dass im Jahre 1932 die Wolfsberger Turner (ein Turnverein) die Liegenschaft um den damaligen Sablatnigsee erwarben und sich dann als „Turner“ im Namen verewigt haben.

Vertatscha~Zinnen­wand~Deutscher Berg / Vrtača~Rtača~Nemška gora~Nemški vrh: Neben der sl. Schreibung Vrtača kommt auch Rtača (und Ortača) vor, daher wurde der Name auch mit sl. rt ‘Zinne’ in Verbindung gebracht und ins Dt. mit Zinnenwand übersetzt. Sl. vrtača ist die Bezeichnung einer gewissen Geländeformation in Kalkgebirgen, ‘einem Trichter ähnliche, gewöhnlich runde, manchmal ein wenig längliche Vertiefungen auf Kalkböden’, also ein sehr stark zerklüftetes, zerfurchtes Gebiet, was den topographischen Gegebenheiten entspricht. Eine zweite Bezeichnung dieses Berges von Süden her ist Deutscher Berg, sl. Nemška gora bzw. Nemški vrh, v.a. bei den Einheimischen in Žirovnica und Begunje / Vigaun (SLO). Doch diese sl. Bezeichnungen sind ein umgeformtes Meniška gora ‘Mönchsberg’ (ma. menška > nemška ‘dt.’), woraus dann dt. Deutscher Berg wurde. Die Mönche der Klöster Viktring und Sittich (sl. Stična) hatten einst große Besitzungen in dieser Gegend – daher der Name Mönchsberg.

Vierbergelauf: eigentlich Vierbergewallfahrt, → Vierbergelauf.

Viktring/Vetrinj: Zisterzienserstift urk. 982 u. 984 Vitrino, 1142 Vittringen, 15. Jhdt. monasterium in Victoria, seit 16. Jhdt. Victring, Viktring (-k- nach lateinisch victoria). Wohl keltischer Herkunft, entweder zu keltisch vetr- ‘Knüttel’ (da in dem einst sumpfigen Gebiet die Wege auf Knüppeldämmen angelegt waren) oder ‘Birkengegend’, wobei an die Moosbirke zu denken ist, die in sumpfigen Gebieten gedeiht (auszugehen von keltisch *beturina- zu betua ‘Birke’).

Villach/Beljak: In römischer Zeit wird im Bereich der Stadt die Straßenstation Santicum genannt, die prähistorische Besiedlung des Raumes war südlich des heutigen Zentrums zwischen dem Warmbad und Völkendorf. Als Stadt wird Villach urk. 1240 erwähnt, das seit 1007 im Besitz des Bistums Bamberg war und erst 1759 durch Kauf an Österreich kam. Ihrer verkehrsgeographischen Lage entsprechend wird die Stadt urk. erstmals 878 ad pontem Uillach ‘bei der Brücke (in) Villach’ genannt, der spätere Beleg (979 curtem ... Fillac) bezieht sich auf einen Gutshof (lateinisch praedium). Nach traditioneller Ansicht war ein solches Praedium Namen gebend, etwa keltorom. *Biliacum, zum keltischen PN *Bilios o.ä., was lautgeschichtlich mit der sl. Bezeichnung Belják, 1789 Bilak, ma. Bljak übereinstimmt. Inschriftlich ist aber nur Bilachinium belegt, Name einer Zollstation im Kanaltal bei Camporosso (dt. Saifnitz, sl. Žabnice), rund 25 km südwestlich von Villach. Daher wird neuerdings wieder erwogen, den Namen mit lateinisch villa zu verknüpfen, urk. 1169 Villacum: die italienische Namensform lautet Villàco, die furlanische Vilàc.

Virunum: Name der Hauptstadt der römischen Provinz Noricum, gegründet unter dem römischen Kaiser Claudius, ab 343 auch als Bischofssitz bezeugt. In den Wirren der Völker­wanderungszeit verlassen und zerstört. In diesem Namen steckt ein indogermanisch-voreinzelsprachliches Appellativ *iru- ‘Fluchtburg’. Im Altertum erblickte man offensichtlich in diesem Namen das lateinische vir unus ‘ein Mann’, wie uns eine in „Suda“ (einem byzantinischen Lexikon) überlieferte Sage zu berichten weiß (hier nur die Übersetzung): Bēroúnion. Name einer Stadt. Das Volk der Noriker, wo ein von den Göttern gesandter Eber das Land verwüstete, und alle Versuche ihn anzugreifen erfolglos waren, bis ein Mann den Eber überwand und auf seine Schultern hob, ähnlich wie es von Kalydon überliefert wird. Und die Noriker riefen in ihrer Sprache „ein Mann!“, also Bēroúnous [vir unus], daher wird die Stadt Bēroúnion [virúnion] genannt. Die griechisch geschriebene Namensform Βηρούνιον /Bēroúnion/ ist bereits neugriechisch (wie oben im Text) zu lesen. Näheres dazu Vierbergelauf. Die Sage weist erstaunliche Parallelen zur späteren Lindwurmsage auf.

Windisch: Der Zusatz Windisch(-) in Ortsnamen weist darauf hin, dass hier zur Zeit der Namenfestlegung „windisch“ (slowenisch) gesprochen wurde – im Gegensatz zu einem gleichlautenden und mit dem Vorsatz Deutsch(-) versehenen Ortsnamen. Sie markieren oft auch die alte deutsch-slowenische Sprachgrenze. Deutsch win­disch ist die alte volkstümliche Bezeichnung für slowenisch (slowenisch-mundartlich slovenji, -a, -e, schriftsprachlich slovenski); letzteres gilt seit der Mitte des 19. Jhdts. als amtliche Sprachbezeichnung. Heute gibt es nur noch wenige Namenspaare wie Deutsch-Grutschen u. Windisch-Grutschen (→ Grutschen), im 19. Jhdt. gab es (nicht nur in Kärnten) weit mehr, z.B. Deutsch St. Michael u. Windisch St. Michael (→ Poggersdorf) oder Deutsch Bleiberg (→ Bad Bleiberg) u. → Windisch Bleiberg, weiters Deutsch- u. Windisch-Kappel (→ Kappel am Krappfeld).Allerdings hat sich daneben die Bezeichnung windisch umgangssprachlich mit mehreren (teils höchst problematischen) Nebenbedeutungen z.T. bis heute gehalten. Im aktuellen Sprachgebrauch ist windisch heute obsolet geworden.

Z-: Sl. s- (bis etwa 1300) und in der Frühzeit auch z- wurden im Dt. > dt. z [ts], z.B. Sele > Zell, Suha > Zauchen (vor 1300 ins Dt.) gegenüber Suha > Sucha,  Sreje > Srajach (nach 1300). Da in der dt. Mundart die Präposition zu (urspr. auch ʻinʼ) > z’ gekürzt wurde, erscheinen die zu erwartenden Namensformen des öfteren ohne Z-, wir haben statt ma. (†) Zafritz, *Zrajach, *Ztraundorf (usw.) also Afritz / Zobrce (Cobrc), Rajach / Sreje, Traundorf / Strpnja vas. Die heutigen dt. Formen setzen somit ein altes Z- voraus, sie wurden dann > z(u) Rajach, z(u) Traundorf uminterpretiert (also mit der Präposition zu ‘in’ verwechselt). Da in früher Zeit auch slow. z- durch dt. z [ts] substitutiert wurde, wurde beispielsweise auch das zu erwartende *Zwirtschach  (< Zvirče) > Wirtschach, hat also dann ebenfalls sein Z- verloren. Oder Gröblach / Groblje, das auf Zagroblje beruht.

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